Pfleger schiebt Patienten über Krankenhausflur (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Peter Steffen)

Direktoriumsvorsitzender des Brüderkrankenhauses bezieht Stellung

Warum eine Trierer Klinik eine Impfpflicht für Personal ablehnt

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Der Direktoriumsvorsitzende des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Trier, Markus Leineweber, lehnt eine Impfpflicht für Mitarbeitende in Kliniken und Pflegeeinrichtungen ab.

Dabei sind im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder und in den Pflegeeinrichtungen fast alle geimpft. Über seine Gründe sprach der Hausobere mit SWR Aktuell.

Markus Leineweber, Hausoberer im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier (Foto: Julia Steinbrecht, KNA)
Markus Leineweber, Hausoberer im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier Julia Steinbrecht, KNA

SWR Aktuell: Die Diskussion über eine berufsbezogene Impfpflicht dauert an. Was halten Sie davon?

Markus Leineweber: "Wir sehen die partielle Impfpflicht für Beschäftigte in den Häusern oder generell im Gesundheitswesen nicht als die Lösung des Themas an.

Und wir planen es auch nicht, weil wir auch sowieso schon von einer großen Impfquote ausgehen, sowohl in den Seniorenzentren, die wir hier in Trier haben oder auch im Krankenhaus.

Insofern würde es durch eine zusätzliche Impfpflicht, die sowieso nur schwer durchsetzbar wäre, nicht zu einer Veränderung kommen.

Wenn, dann wäre das eine gesellschaftliche Fragestellung, weil ja auch in der Gesellschaft die meisten Infektionen zutage treten, aber auch da stellt sich natürlich die Frage, ob eine Pflicht durchsetzbar ist.

Wir haben in der Vergangenheit sehr stark auf eine gute Kommunikation Wert gelegt und haben eben auch damit sehr großen Erfolg bei uns in den Einrichtungen erlebt."

SWR Aktuell: Sie sprechen von Impferfolg. Wie sieht das in den Einrichtungen der Barmherzigen Brüder Trier aus?

Markus Leineweber: "Ich gehe davon aus, wir haben zwischen 90 und 100 Prozent Impfquote. Also gerade in den Senioreneinrichtungen ist eine ganz große Sensibilität, aber auch im Krankenhaus. Also ich würde jetzt mal sagen: 90 Prozent Impfquote liegt vor."

Leineweber: Etwa 90 Prozent des Personals ist geimpft

"Und wir haben ja auch die Auflage durch die Landesverordnung, dass wir die wenigen Nicht-Geimpften dann regelmäßig testen.

Von daher ist der Sicherheitsstandard innerhalb des Hauses, des Krankenhauses und des Seniorenzentrums, sehr hoch."

SWR Aktuell: Verunsichert es die Patienten, dass nicht alle Mitarbeitenden geimpft sind?

Markus Leineweber: "Den Eindruck habe ich nicht. Alle haben die entsprechenden Schutzmaßnahmen auch anzulegen im wahrsten Sinne des Wortes.

Von daher wird der Patient oder Bewohner auch nicht merken, ob jemand geimpft oder nicht geimpft ist, weil alle mit dem gleichen Anspruch auf den Schutz auch ihre Arbeit leisten.

Die meisten sind ja geimpft. Von daher ist das meines Erachtens auch nicht das Problem."

SWR Aktuell: Die Impfquote in der Gesamtgesellschaft ist nicht so hoch wie in ihrer Klink. Sollte es aus ihrer Sicht eine neue Impfkampagne geben?

Markus Leineweber: Ja, und das erwarten wiederum auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir merken in den Häusern, dass viele schwere Verläufe auch bei Patienten festzustellen sind, die eben nicht geimpft sind.

"Die Mitarbeitenden erwarten schon, dass es eine Solidarität gibt, so eine Verantwortung auch in der Gesellschaft, sich impfen zu lassen."

"Sie erwarten das Menschen sich impfen lassen, weil eben nicht-geimpfte Patienten mit schweren Verläufen das System belasten. (...)

Von daher kann man das aus unserer Sicht nur befürworten, dass weiter an die Vernunft appelliert wird, an die Solidarität der Menschen appelliert, sich impfen zu lassen.

Weil es einfach der beste Weg ist, sich selber zu schützen und damit auch andere. Aber auch das ist offensichtlich: Es ist damit nicht ausgeschlossen, dass man auch infiziert wird, aber es schützt doch sehr stark vor schweren Verläufen."

SWR Aktuell: Wie könnte die Impfbereitschaft erhöht werden?

Markus Leineweber: "Das eine ist auf jeden Fall - und da sind wir in Trier auch auf einem guten Weg -, dass man die Impfzentren wieder öffnet.

Das ist sicher eine gute Sache, weil wir merken ja, dass bei vielen der Wille zur Impfung, auch zur Drittimpfung, sehr hoch ist und da ist die Reaktivierung der Impfzentren sicher eine sehr wichtige und sehr wesentliche Unterstützung."

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"Und durch eine allgemeine Bewusstseinsbildung, dass man an die Vernunft appelliert, dass man auch transparent macht, wie sind die Verläufe von Patienten, wie sind die Zahlen.

Sicherlich bringen auch Maßnahmen, wie eine 2G- Regel oder 2-G+getestet-Regel in der Gastronomie oder bei Veranstaltungen Menschen dazu, sich impfen zu lassen."

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SWR Aktuell: In den vergangenen Tagen haben wir einen regelrechten Ansturm auf Impfbusse erlebt. Wie erklären Sie sich das?

Markus Leineweber: "Es ist immer einfacher für die Menschen, wenn sie spontan entscheiden können, ich gehe jetzt da hin. Zum Hörer zu greifen, irgendwo anzurufen, einen Termin vereinbaren und den erst in ein paar Tagen oder Wochen zu bekommen, das ist sehr umständlich.

Das andere ist ein sehr niederschwelliges Angebot. Das ist, glaube ich, eine Form, die Menschen sehr anspricht. Das zeigt auch die Erfahrung.

Von daher wäre das neben den Impfzentren durchaus für mich auch eine Sache, die man fortführen sollte - vielleicht gerade in der Breite."

Leineweber: Impfbusse sind eine gute Alternative für Orte, von denen aus Impfzentren schwer erreichbar sind

"In der Stadt, wo es ein Impfzentrum gibt, da ist das ja kein Problem, aber im Umland, dass man da stärker auf Impfbusse setzt, um auch die niedergelassenen Ärzte zu unterstützen, um den Weg zur Impfung möglichst kurz zu halten und unkompliziert."

SWR Aktuell: Wenn eine Impfpflicht für Klinikpersonal oder in Pflegeeinrichtungen käme, würde das die Personalsituation in ihren Häusern verschärfen?

Markus Leineweber: "Davon gehe ich nicht aus. Die meisten sind geimpft. Von daher würde eine zusätzliche Impfpflicht nicht mehr Probleme schaffen. Das wären höchstens Einzelfälle.

Es ist für mich eher eine Grundsatzfrage: Warum müssen jetzt die Mitarbeitenden, die sowieso schon sehr sensibilisiert sind und auf ihren Schutz achten, damit konfrontiert werden?

Das hat so ein bisschen die Gefahr, dass das meines Erachtens so eine Stellvertreterdiskussion ist, dass man damit schon sehr viel gewonnen hätte."

"Wenn die meisten geimpft sind, brauche ich da auch keine Impfpflicht einzuführen."

Nochmal: Wenn die meisten geimpft sind, brauche ich keine Impfpflicht einzuführen. Das Problem ist eher in der breiten Bevölkerung."

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