Glasfaserkabel für schnelles Internet werden verlegt. In vielen ländlichen Regionen ist davon noch nichts zu spüren (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Guido Kirchner)

Bundesweiter Digitaltag am 24. Juni

Das lange Warten auf schnelles Internet in der Eifel

STAND
AUTOR/IN

Schnelles Internet ist für die meisten Menschen in der Region Trier selbstverständlich. Wer etwas abgelegen wohnt, surft hingegen im Schneckentempo, wie in Daudistel im Eifelkreis Bitburg-Prüm.

Wenn Architekt Dieter Müller Baupläne verschicken will, fährt er eine halbe Stunde mit dem Auto nach Bitburg. Mit einem USB-Stick geht er dann in den Copy-Shop, um die Dateien hochzuladen. Denn zu Hause in Daudistel ist seine Internetverbindung so langsam, dass das Stunden dauere, sagt er.

Fünf Megabit pro Sekunde schafft die oberirdisch verlaufende Leitung in dem Weiler nahe Neuerburg in der Eifel. Das ist gerade einmal halb so schnell wie die von der Bundesnetzagentur definierte Grundversorgung.

Filme schauen oder Videospiele spielen - das klappt dort ohne Ruckeln nicht. Und das Smartphone ist auch keine Hilfe. Denn eine stabile Mobilfunkverbindung gibt es im Enztal ebenfalls nicht.

Abgelegene Orte haben das Nachsehen

Seit Jahren kämpft Müller daher dafür, dass die Telekom in der Siedlung mit ihren rund 30 Einwohnern eine bessere Internet-Anbindung schafft.

Doch bislang blieben seine Bemühungen vergeblich. Für die Telekom lohnt sich der Ausbau nicht und bei den Kommunen bekomme er keine Unterstützung, sagt Müller.

Während derzeit in etlichen anderen Gemeinden des Landes Rheinland-Pfalz Glasfaserkabel verlegt werden, tue sich in Daudistel gar nichts, ärgert sich Dieter Müller: "Wir bleiben auf der Strecke".

"Da ist immer von gleichwertigen Lebensverhältnissen die Rede. Aber wer außerhalb wohnt, ist ein Bürger zweiter Klasse."

Mehr als 99 Prozent der Bürger verfügen über Grundversorgung

Tatsächlich verfügen nach Angaben des rheinland-pfälzischen Digitalministeriums fast alle Haushalte in der Region Trier inzwischen über eine Internet-Verbindung von mindestens zehn Megabit pro Sekunde. Mehr als 90 Prozent surfen sogar mit mehr als 50 Mbit in der Sekunde.

"Das sind bereits gute Zahlen, aber wir wollen noch besser werden und werden besser."

Die Landesregierung hat gemeinsam mit den Kommunen seit 2015 zudem rund 13.135 Kilometer Glasfaser verlegen lassen, was ungefähr einer Strecke von Mainz bis zu den Falklandinseln im Südatlantik entspricht. Und doch gibt es immer noch Orte, die in der digitalen Vergangenheit steckengeblieben sind.

Kirchheimbolanden

Schnelles Internet auch auf dem Land So steht es um den Glasfaserausbau im Westen der Pfalz

Glasfaser garantiert schnelles Internet. Lange Zeit stockte der Ausbau vor allem in ländlichen Gebieten. Doch in der Westpfalz geht es langsam voran.  mehr...

Am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

Eifel, Hunsrück und Obermosel sind besonders betroffen

So sind nach Angaben des Ministeriums etwa Teile der Gemeinden Irrel, Körperich und Gillenfeld in der Eifel unterversorgt, ebenso wie Merzkirchen auf dem Saargau und Wincheringen und Nittel an der Obermosel.

"Und es kann durchaus sein, dass einzelne Randlagen und Aussiedlerhöfe auch mal schlechter versorgt sind", heißt es von der Pressestelle der Behörde.


Daudistel wäre dann wohl so ein Fall. Solche Weiler oder Gehöfte gibt es vor allem in der Eifel und im Hunsrück noch einige weitere.

Allein im Eifelkreis Bitburg-Prüm etwa spricht man von 1.100 Adressen, die bislang noch keinen ausreichenden Anschluss haben. Im Landkreis Trier-Saarburg sind es noch etwa 300 weiße Flecken. Insgesamt fasst Pressesprecher Thomas Müller aber zusammen: "Schlechte Internetverbindungen gibt es über den gesamten Landkreis verteilt."

Rechtsanspruch auf schnelles Internet

Wer betroffen ist, hält nun aber einen neuen Hebel in der Hand. Seit Juni ist die Telekommunikationsmindestversorgungsverordnung in Kraft. Und die definiert einen Rechtsanspruch auf eine Grundversorgung mit mindestens zehn Mbit/Sekunde fest. Wer weniger zur Verfügung hat, kann demnach klagen.

Die Bundesnetzagentur hat zudem angekündigt diese Werte jährlich zu überprüfen und im Laufe der Jahre die Mindestbandbreite anzuheben. Der Eifelkreis hat zudem angekündigt, ab 2023 entfernte Siedlungen, einzelne Gehöfte oder Weiler, per Glasfaser ans schnelle Netz anzuschließen. Ein Hoffnungsschimmer, auch für Dieter Müller?

"Ich habe keine Hoffnung mehr", sagt der Architekt: "Die ist in den vergangenen Jahren bei diesem Thema schon zu oft enttäuscht worden."

Breitband mit Engstellen So schnell ist Ihr Internet

80 Prozent der Internetnutzer haben, laut Verbraucherzentrale, nicht die Internetleistung zur Verfügung, die ihnen zugesichert wurde.  mehr...

Landesschau Rheinland-Pfalz SWR Fernsehen RP

Technik So schnell muss dein Internet bald mindestens sein!

Durch eine neue Verordnung sollen alle "schnelles" Internet bekommen. Was heißt das?  mehr...

DASDING NEWSZONE - Dein Tag, Dein Update DASDING

Breitband-Lücken, Faxgeräte, Schulen ohne Computer Warum die Digitalisierung in RLP nur schleppend vorankommt

Beim Stand der Digitalisierung ist Rheinland-Pfalz Mittelmaß. Das belegt etwa der aktuelle Deutschland-Index der Digitalisierung. Wo angesetzt werden muss, damit das Land digital vorankommt.  mehr...

STAND
AUTOR/IN