Die Führungen in den Museen sind gut gebucht. (Foto: SWR, Claudia Krell)

Bilanz nach einem Monat Landesausstellung

Der "Untergang" zieht bislang Tausende Besucher nach Trier

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Claudia Krell

Begeisterte Besucher und zufriedene Macher. Das ist die vorläufige Bilanz der großen Römer-Ausstellung in Trier. Seit Ende Juni wird die Schau zum Untergang des Römischen Reiches in drei Trierer Museen gezeigt.

Martina Krischel konnte es kaum erwarten. Die Lehrerin aus Zell an der Mosel hat sich lange auf die Landesausstellung zum Untergang des Römischen Reiches gefreut. In dieser Woche war sie mit ihrer Schulklasse dort und sie sagt: "Die Ausstellung ist toll gemacht."

"Man merkt, wie viel Herzblut in der Ausstellung steckt."

Landesausstellung (Foto: SWR, Claudia Krell)
Lehrerin Martina Krischel (2. von links) war mit ihren Schülerinnen und Schülern in der Ausstellung. Claudia Krell

Geschichte in Trier erleben

Schon die Führung sei toll gewesen, sehr engagiert und dann die Gestaltung der Räume - von hellen Räumen, in denen gezeigt wird, wie groß Rom mal gewesen ist hin zu den dunkleren Farben, die den Untergang symbolisieren.

Auch sei es beachtlich, dass man in Trier jetzt Exponate sehe, die man wahrscheinlich nie wieder so zusammengestellt sehen wird. Wann immer es gehe, sagt die Lehrerin, versuche sie den Schülerinnen und Schülern die Historie näher zu bringen. Dass man in Trier sozusagen "Geschichte atmen kann."

Viele Besucher kommen extra wegen der Ausstellung nach Trier

Familie Tralle aus Osnabrück sagt: "Wir kennen Trier und jetzt sind wir ausschließlich wegen der Ausstellung hier".

"Man hat das alles im Geschichtsunterricht gelernt und konnte das hier alles noch mal einordnen."

Die Ausstellung sei gut gegliedert. Man sehe die politische Entwicklung des Römischen Reiches sehr gut, bis es dann zu Ende gegangen ist. Man habe einen guten Überblick bekommen und habe das dann alles noch mal einordnen können.

Familie Tralle aus Osnabrück ist extra wegen der Ausstellung nach Trier gekommen.  (Foto: SWR, Claudia Krell)
Familie Tralle aus Osnabrück hat die Ausstellung gut gefallen. Claudia Krell

Besucher schreiben Kommentare in Gästebücher

Im Rheinischen Landesmuseum ist nach einem Monat das erste Gästebuch schon voll. "Gelobt werden die Größe der Ausstellung und die Ausstellungsarchitektur, wie sie wirkt, die Texte und die Verständlichkeit der Ausstellung", sagt Anne Kurtze vom Rheinischen Landesmuseum.

"Zu erklären, wie ein Weltreich unterging, und wenn dann im Gästebuch steht, dass das gelungen ist, dann ist das wirklich ein großes Kompliment."

Im Gästebuch des Stadtmuseums Simeonstift seien durchweg positive Einträge, sagt Direktorin Elisabeth Dühr. Die Besucherinnen und Besucher seien sehr beeindruckt von der Gestaltung. Es gebe keine Klagen, dass man die Beschriftung nicht lesen könne. Denn - und das sei neu - man könne die Beschriftungstafeln in die Hand nehmen.

Ein Besucher der Landesausstellung aus Bad Honnef. (Foto: SWR, Claudia Krell)
Ein Besucher der Landesausstellung aus Bad Honnef in Nordrhein-Westfalen. Claudia Krell Bild in Detailansicht öffnen
Diesen Besuchern aus Dessau in Sachsen-Anhalt hat die Ausstellung gut gefallen. Den Kindern vor allem die Münzen. Claudia Krell Bild in Detailansicht öffnen
Viele Besucher nutzen die ausliegenden Gästebücher. Im Rheinischen Landesmuseum liegt schon das zweite Buch aus. Claudia Krell Bild in Detailansicht öffnen
Viele Besucher kaufen ein Kombiticket für alle drei Museen. Claudia Krell Bild in Detailansicht öffnen
Zwischen 500 und 1.250 Besucher kommen pro Tag ins Rheinische Landesmuseum. Claudia Krell Bild in Detailansicht öffnen

Durch die Bank nur positive Rückmeldungen gibt es auch im Museum am Dom. Als einmalige Schau werde die Ausstellung bezeichnet, liest Direktor Markus Groß-Morgen aus dem Gästebuch vor. So etwas könne man nur in Augusta Treverorum - also in Trier - sehen. Außerdem seien die Erklärtexte gut.

"Ein Besucher hat im Gästebuch geschrieben, er hätte den roten Faden der Ausstellung nicht gefunden. Darunter hat ein Besucher geschrieben: Ich aber schon. "

Ein besonderes Ausstellungsstück, bei dem die Besucher gerne länger verweilen, ist das Gemälde von John William Waterhouse "Die Lieblinge des Kaiser Honorius", sagt Elisabeth Dühr vom Stadtmuseum Simeonstift. Das ist das Exponat mit der weitesten Anreise. Aus Australien kam es nach Trier.

Gemälde von John William Waterhouse, „Die Lieblinge von Kaiser Honorius“  (Foto: Gallery of South Australia, Adelaide)
Gemälde von John William Waterhouse: "Die Lieblinge von Kaiser Honorius" (1883), Öl auf Leinwand. Gallery of South Australia, Adelaide

Im Museum am Dom sei der sogenannte Domraum immer sehr gut besucht. Dort werde ein Film zum Quadratbau des Trierer Doms gezeigt, außerdem interessante, noch nie ausgestellte Exponate, so Museumsdirektor Groß-Morgen.

Im Rheinischen Landesmuseum beobachtet Anne Kurtze vor allem viele staunende Besucher in dem in rot gehaltenen Raum, in dem es um die Plünderung Roms gehe. Dort ist ein Vorhang, auf den eine Flammenwand projiziert ist.

Ausstellung zieht auch Besucher aus dem Ausland an

Genaue Auswertungen gibt es knapp einen Monat nach dem Start der Ausstellung noch nicht. Aber an den Kassen höre man andere Sprachen, wie zum Beispiel niederländisch, luxemburgisch und französisch.

Ansonsten seien viele Besucherinnen und Besucher aus der Großregion. Was aber immer wieder zu hören sei, dass man extra für die Ausstellung nach Trier gekommen sei, heißt es aus allen Museen übereinstimmend.

Mehr als 700 Exponate aus Museen weltweit

Insgesamt werden rund 700 Exponate von 130 Museen aus 20 Ländern gezeigt. Unter anderem aus dem Louvre in Paris, dem British Museum in London, den Nationalmuseen in Athen und Budapest und den Vatikanischen Museen in Rom.

"Einige Exponate kamen sehr knapp vor der Eröffnung. Das war ein kleiner Krimi für uns", so Anne Kurtze vom Rheinischen Landesmuseum. Wie zum Beispiel der spätrömische Paradehelm von Berkasovo - ein Spitzenexponat der Ausstellung.

"Manche Besucher sagen, dass es schade sei, dass Originale aus Russland nicht da seien", sagt Elisabeth Dühr vom Stadtmuseum Simeonstift.

Paradehelm von Berkasovo (Ausstellung: Der Untergang des römischen Reiches) (Foto: Rheinisches Landesmuseum Trier)
Der Paradehelm von Berkasovo ist eines der Spitzenexponate der Sonderausstellung "Der Untergang des römischen Reiches". Rheinisches Landesmuseum Trier Bild in Detailansicht öffnen
Der Paradehelm stammt aus dem 4. Jahrhundert. Innere und äußere Bedrohungen für das Römische Reich und seine Kaiser ließen die Bedeutung des Militärs stetig wachsen. Museum der Vojvodina, Novi Sad Bild in Detailansicht öffnen
Goldscheibenfibel aus dem 6. oder 7. Jh. n. Chr. Römische Errungenschaften und Kultur strahlten in vielen Regionen noch weit über das Ende des römischen Reiches hinaus. Museum am Dom, Trier, Foto: R. Schneider Bild in Detailansicht öffnen
Gemälde von John William Waterhouse. "Die Lieblinge von Kaiser Honorius" (1883), Öl auf Leinwand. Mit internationalen Spitzenexponaten wird die Geschichte des römischen Reiches vom 3. bis 5. Jahrhundert n. Chr. lebendig und zeigt, welche historischen Ereignisse und Prozesse zum Niedergang des römischen Staates führten. Gallery of South Australia, Adelaide Bild in Detailansicht öffnen
Bei den "Tablettes Albertini" handelt es sich um Kaufverträge, die auf Holztäfelchen schriftlich festgehalten worden sind. Bei diesem geht es um landwirtschaftlichen Grundbesitz, einen Sklaven und den Wert einer Mitgift. Musée Public National des Antiquités Bild in Detailansicht öffnen
Die "Hermengalerie" von Welschbillig: Die römischen Büsten stammen aus dem Garten einer spätrömischen Villa in Welschbillig. Sie zierten einst ein 60 Meter langes Wasserbecken. Die Anzahl und die Qualität der Skupturen sprechen für einen sehr wohlhabenden Eigentümer. Bild in Detailansicht öffnen
Eine Haarnadel aus römischer Zeit, gefunden in der Region Trier. Gerade wird sie in den Werkstätten des Museums gereinigt und restauriert. In der Ausstellung werden neben bedeutenden Ausstellungsstücken aus aller Welt auch Ergebnisse aktueller Grabungen gezeigt. Bild in Detailansicht öffnen
Goldmünze des Kaisers Valens (4. Jh. n. Chr.). Zwei thronende Kaiser halten als Zeichen der gemeinsamen Herrschaft den Globus. Rheinisches Landesmuseum Trier (GDKE), Foto: Th. Zühmer Bild in Detailansicht öffnen
Elfenbeinrelief mit Reliquienprozession. Insgesamt werden rund 700 Exponate von 130 Leihgebern aus 20 Ländern in der großen Landesausstellung zum Untergang des Römischen Reiches gezeigt - zum Beispiel aus den Vatikanischen Museen, aus der Eremitage in St. Petersburg, aus den Uffizien in Florenz, dem Prado in Madrid aber auch aus Algerien in Nordafrika. Domschatz Trier, Foto: A. Münchow Bild in Detailansicht öffnen
Im Stadtmuseum Simeonstift werden Kunstwerke aus fünf Jahrhunderten gezeigt. Das Gemälde von Joseph-Noël Sylvestre zeigt die Plünderung Roms durch Barbaren im Jahr 410. Ein Werk, das immer wieder verwendet wurde, um die Bedeutung der Plünderung für das Römische Reich zu veranschaulichen, zum Beispiel in Schulbüchern. Für ganze Generationen stelle es eine "Ikone des Untergangs" dar. Musée Paul Valéry, Sète Bild in Detailansicht öffnen
Silberplatte mit der Darstellung Kaiser Theodosius mit Mitkaisern und Leibwache (4. Jh. n. Chr). Die über 15kg schwere Platte war ein kaiserliches Geschenk. Real Academia de la Historia in Madrid, Spanien / Replik, Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Mainz Bild in Detailansicht öffnen
Auf diesem Ostrakon, einer beschrifteten Keramikscheibe, ist eine Quittung für die Abgabe von Agrarprodukten niedergeschrieben. Musée de Site de Timgad Bild in Detailansicht öffnen

Zufriedene erste Bilanz nach einem Monat

"Wir sind sehr zufrieden. Die Ausstellung in den drei Museen ist sehr gut besucht", sagt die Sprecherin der Landesausstellung. Die Besucherzahlen bis jetzt seien im fünfstelligen Bereich.

Genauer könne man das zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Offiziell werde in ein oder zwei Wochen darüber informiert.

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