Das Insolvenzverfahren am Flughafen Hahn (Hunsrück) läuft (Foto: SWR)

Debatte im Landtag

Flughafen Hahn als klimaneutraler Frachtflughafen?

STAND

Der Landtag hat kontrovers darüber diskutiert, den Hunsrück-Flughafen zum "ersten klimaneutralen Frachtflughafen in Deutschland zu machen". Der Vorstoß kam von den Freien Wählern.

Innenminister Roger Lewentz (SPD) sagte am Donnerstag während der Aktuellen Debatte in Mainz, Gespräche mit dem Investor nach dem Insolvenzverwalter müssten zeigen, ob die Landesregierung bei diesem Ziel helfen könne. Klar sei, dass die Landesregierung wolle, dass die Region stark bleibe und stärker werden solle. Die Freien Wähler setzen in ihrem Konzept auf grünen Wasserstoff und grünes Kerosin.

Unterschiedliche Bewertung des Konzepts für den Hahn

Der CDU-Abgeordnete Helmut Martin sagte, die Idee habe Charme. Es sei aber ein langer, schwieriger Weg, der auch Zwischenschritte brauche. Die politische Federführung über die Zukunft des Hahn dürfe "einer Landesregierung, die bei wirtschaftlichen Infrastruktur-Projekten immer wieder versagt", nicht allein überlassen werden; die Kommunen müssten mit einbezogen werden, sagte Martin und appellierte an die Freien Wähler, "gemeinsam wachsam zu sein".

Grüne sprechen sich für Reaktivierung der Hunsrückbahn aus

Die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Jutta Blatzheim-Roegler, betonte, die Zeiten, in denen man dachte, der Hunsrück sei strukturschwach und habe nur Perspektiven, indem man einen Regionalflughafen ansiedelt, seien vorbei. Sie sprach sich für eine Reaktivierung der Hunsrückbahn aus. Das wollten die Kommunen vor Ort auch. Zudem müsse die Wirtschaft in Richtung "flugunabhängiges Gewerbe" weiter entwickelt werden.

Video herunterladen (10,2 MB | MP4)

Der parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Marco Weber, sprach sich dagegen dafür aus, alles daran zu setzen, damit der Flughafen in Betrieb bleibe. Jan Bollinger von der AfD-Fraktion kritisierte, das Konzept der Freien Wähler schaffe in den nächsten 20 Jahren keine nennenswerten Arbeitsplätze. Er warf der Landesregierung vor, keine Vorkehrungen für die Insolvenz des Flughafens getroffen zu haben.

Erneut Kritik an Landesregierung zum Verkauf des Flughafens

In der Debatte warf die Opposition der Landesregierung erneut vor, beim Verkauf des Flughafens versagt zu haben. Redner von CDU und AfD kritisierten, das Land habe damals schlecht verhandelt und stehe nun ohne Einflussmöglichkeiten da. Zum Beispiel was die Grundstücke des Landes am Hahn betrifft, für die der zahlungsunfähige Flughafenbetreiber ein Kaufrecht hat.

SPD räumt Fehler ein

Der SPD-Abgeordnete Hans-Jürgen Noss räumte ein, es sei beim Verkauf nicht alles rund gelaufen. Ohne den Verkauf wäre der Hahn aber schon lange Vergangenheit. Bemerkenswert waren die unterschiedlichen Ansichten in den Ampelfraktionen: Die Grünen-Abgeordnete Jutta Blatzheim-Roegler sieht im Flugverkehr am Hahn keine Perspektive für die Region. Der FDP-Abgeordnete Marco Weber forderte dagegen alles daran zu setzen, den Flugbetrieb aufrecht zu erhalten.

FWG will weltweit ersten klimaneutralen Frachtflughafen

Die oppositionellen Freien Wähler (FWG) hatten die Debatte beantragt. Sie schlagen vor, den Hahn langfristig zum ersten klimaneutralen Frachtflughafen der Welt zu machen. Mit Windkraft aus dem Hunsrück soll vor Ort sogenannter grüner Wasserstoff produziert werden – als Grundlage für einen Flugzeugtreibstoff, der das Klima nicht belastet.

Lautzenhausen

Hunsrück-Airport Flughafen Hahn: Chronologie eines Luftfahrt-Experiments

Aus dem US-Luftwaffenstützpunkt wurde ein ziviler Flughafen. Die Chronologie eines Experiments.
 mehr...

Lautzenhausen

Nach erneuter Razzia am Flughafen Hahn Vorläufiger Insolvenzverwalter unterstützt Staatsanwaltschaft

Im Zusammenhang mit Steuerermittlungen bei Firmen am Hunsrück-Flughafen Hahn hat sich der Verdacht ausgeweitet. Der vorläufige Insolvenzverwalter kündigt an, die Ermittler zu unterstützen.  mehr...

Kehl

Folgen der Corona-Krise Flughafen Hahn pleite: Airport Straßburg-Entzheim will durchstarten

Viele Regionalflughäfen erholen sich wegen Corona nur langsam. Der Straßburger Airport Entzheim könnte von der Pleite in Frankfurt-Hahn profitieren.  mehr...

Geht uns der grüne Strom aus?

Der Klimawandel treibt die Energiewende voran. Damit wir in Zukunft weitestgehend klimaneutral leben können, brauchen wir aber viel mehr erneuerbare Energien als heute: Für unsere Mobilität, für unsere Wirtschaft und für unsere Gebäude. Fossile Energieträger müssen beispielsweise durch grünen Strom ersetzt werden. Dabei zeigen neue Berechnungen, dass die dafür benötigte Menge gigantisch ist. Werden wir in Zukunft also genügend grünen Strom haben?  mehr...

SWR2 Geld, Markt, Meinung SWR2

STAND
AUTOR/IN