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Im Cyberbunker-Prozess müssen sich acht Angeklagte vor dem Landgericht Trier verantworten. In unserem Prozesstagebuch liefern wir eine Übersicht über alle wichtigen Geschehnisse.

+++ 21. Januar - Betreiber des Cyberbunkers wurden offenbar auf kinderpornografische Inhalte hingewiesen +++

Die Beweisaufnahme im sogenannten Cyberbunker-Verfahren stellt die Erste Große Jugendkammer des Landgerichts Trier derzeit vor eine echte Geduldsprobe.

Die geladenen Ermittlerinnen und Ermittler können oftmals nur zu einem kleinen Teil der Untersuchungen etwas sagen. Die Polizistinnen und Polizisten hatten offenbar ein penibel abgestecktes Aufgabengebiet. Die einen kümmerten sich um die Durchsuchung der Räume, die anderen um die der Fahrzeuge und wieder andere um die Durchsuchung der Rechner sowie die Auswertung der Geräte und der darauf gefundenen Dateien. 

Richter Günther Köhler versucht sich durch die Informationsflut zu kämpfen, indem er die Ermittlerinnen und Ermittler nach ihren Vermerken in den Ermittlungsberichten befragt.

Am Donnerstag waren erneut Ermittler geladen, die Teile der Mails und die Chatverläufe untersucht haben.

Der extra für den sogenannten Cyberbunker-Prozess aufwendig hergerichtete Gerichtssaal im Landgericht Trier. (Foto: SWR)
Nicht nur der Prozess ist aufwendig: Für den sogenannten Cyberbunker-Prozess wurde auch der Gerichtssaal im Landgericht Trier aufwendig hergerichtet.

Demnach seien die Betreiber des Rechenzentrums vom Verband der Internetwirtschaft (eco) mehrfach darauf aufmerksam gemacht worden, dass auf einigen der auf den Servern liegenden Internetseiten Verweise zu Kinderpornografie gespeichert seien. Die acht Angeklagten haben bisher bestritten, davon gewusst zu haben, dass auf den Servern im Rechenzentrum mit Drogen, Waffen oder Kinderpornografie gehandelt wurde.

Die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz wirft ihnen hingegen vor, Kriminellen bewusst ein Forum geboten zu haben. Es ist laut der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz auch juristisches Neuland. Denn zum ersten Mal sollen nicht nur die Betreiber von illegalen Plattformen dingfest gemacht werden, sondern auch diejenigen, die die technische Infrastruktur bereitstellen.

+++ 18. Januar - Beschlagnahmte Daten immer noch nicht vollständig ausgewertet +++

Vor dem Landgericht Trier haben heute erneut Polizeibeamte ausgesagt, die an den Durchsuchungen im Bunker und der Auswertung der beschlagnahmten Server beteiligt waren. Laut der Aussage eines Ermittlers wurden auf den Servern Dateien gefunden, die darauf schließen lassen, dass über die Computer unter anderem Drogen gehandelt sowie Computerbetrug und Urheberrechtsverletzung begangen wurden.

Die Auswertung der mehr als 400 Server laufe seit mehr als einem Jahr, sei aber wegen der großen Datenmenge immer noch nicht abgeschlossen, so einer der Polizisten. Nach Angaben der Ermittler konnte bisher aber nur eine einzige legale Internetseite auf den Servern gefunden werden. Dabei habe es sich um die Seite eines Badminton-Vereins gehandelt.

Die bei dem Zugriff sichergestellte Datenmenge umfasst zwei Millionen Gigabyte: Auf CD gebrannt wären das 2,6 Millionen CDs, die aufeinander gestapelt eine Höhe von 8.000 Meter ergäben, hatte Kriminalhauptkommissar Patrick Fata vom Landeskriminalamt (LKA) Rheinland-Pfalz erklärt. 

+++ 14. Januar - Ermittler sagen zu durchsuchten Räumen und Wohnungen aus +++

Beim sogenannten Cyberbunker-Prozess vor dem Landgericht Trier haben heute erneut Polizeibeamte und Ermittler als Zeugen ausgesagt. Es ging dabei um Ergebnisse der Durchsuchung von Privatwohnungen und einer Wohnung in dem Traben-Trarbacher Rechenzentrum.

Die Polizei stellte dort Festplatten, Computer und Mobiltelefone sicher. Am nächsten Verhandlungstag am kommenden Montag soll es um die Auswertung dieser Beweisstücke gehen.

+++ 7. Januar - Video von der Durchsuchung im Bunker wird gezeigt +++

Das Gericht zeigt einen Film, den die Polizisten während der Durchsuchung des Cyberbunkers in Traben-Trarbach gemacht haben.

+++ 4. Januar - Ermittler beginnen mit ihren Aussagen +++

Im Prozess um den sogenannten Cyberbunker in Traben-Trarbach haben heute mehrere Polizisten über den Verlauf der Ermittlungen ausgesagt. Nach Angaben eines Ermittlers konnte anhand von Überwachungsdaten herausgefunden werden, dass die Server, über die die illegalen Geschäfte abgewickelt worden sein sollen, in Traben-Trabach standen.

Dabei seien auch Betrugswebseiten gefunden, die auf den Servern liefen, sagte der Zeuge dem Gericht. Im sogenannten Cyberbunker-Prozess wird acht Angeklagten vorgeworfen, eine kriminelle Vereinigung gegründet zu haben. Sie sollen in einen ehemaligen Bundeswehrbunker bei Traben-Trarbach ein Rechenzentrum betrieben haben, über das Kriminelle im Darknet mit Waffen, Drogen und Kinderpornografie gehandelt haben sollen. Der Prozess soll noch bis Ende des Jahres dauern. Sieben der acht Angeklagten sitzen derzeit in Untersuchungshaft.

+++ 17. Dezember - Hauptangeklagter will jetzt doch nicht aussagen

Im Cyberbunker-Prozess vor dem Trierer Landgericht wird der Hauptangeklagte Herman X. nach Angaben seines Anwalts nun doch weiter schweigen. Nach eingehender Beratung habe sich der Mandant entsprechend umentschieden.

Der extra für den sogenannten Cyberbunker-Prozess aufwendig hergerichtete Gerichtssaal im Landgericht Trier. (Foto: SWR)
Der extra für den sogenannten Cyberbunker-Prozess aufwendig hergerichtete Gerichtssaal im Landgericht Trier.

Das Verfahren läuft nun bereits seit zwei Monaten und seitdem sind aller Augen auf Herman X. gerichtet, ohne das er ausgesagt hätte. Geredet hat bislang nur der sogenannte Manager, der X als Chef im Cyber-Bunker beschrieb. Zuletzt hatten die Anwälte des Hauptangeklagten X wiederholt eine Aussage zur Person und eventuell zur Sache in Aussicht gestellt. Nun der Rückzieher. Vielleicht werde sich Herman X. irgendwann im weiteren Verlauf äußern, hieß es heute. Das Verfahren wird im Januar fortgesetzt.

+++ 10. Dezember - Bundeswehrsoldat, der Polizei alarmierte sagt aus +++

Im Verfahren um den Traben-Trarbacher Cyberbunker hat am Donnerstagmorgen ein ehemaliger Bundeswehrsoldat vor dem Landgericht Trier ausgesagt. Der Zeuge hatte sich auf eine Stellenanzeige des Darknet-Rechenzentrums beworben und später die Polizei eingeschaltet.

Während des Bewerbungsgesprächs habe er mit dem Hauptangeklagten Herman X. und seinem Manager R. gesprochen. Das Rechenzentrum habe auf ihn unprofessionell und etwas chaotisch gewirkt, weil es zum Beispiel keine Sicherung gegen Stromausfälle und Datenverlust gegeben habe. Die Kunden seien aber bereit gewesen, mehr zu zahlen als üblich.

+++ 19. November - Manager beendet Aussage +++

Im Prozess um den Cyberbunker in Traben-Trarbach hat heute der sogenannte Manager seine Aussage beendet. Er hat bis zum Ende immer wieder bestritten davon gewusst zu haben, dass über die Server im Bunker Drogen, Kinderpornographie oder Waffen gehandelt wurden.

Über sechs volle Verhandlungstage hat sich die Aussage des sogenannten Managers gezogen. Laut der Staatsanwaltschaft gilt er als einer der wichtigsten Verdächtigen im Prozess. In seiner Aussage blieb er allerdings sehr vage und verlor sich oft in technischen Details zu den Servern.

Der Manager ist bisher der einzige der acht Angeklagten, der sich zu den Tatvorwürfen geäußert hat. Als Reaktion darauf haben aber die Anwälte des mutmaßlichen Kopfs der Bande, einem 60-jährigen Niederländer, bereits angekündigt, dass auch ihr Mandant eine Aussage machen wird. Wann, das ließen sie noch offen.

+++ 16. November - Nach Unterbrechung: Manager setzt Aussage fort +++

Im Prozess um den Cyberbunker in Traben-Trarbach hat der sogenannte Manager des Bunkers seine Aussage heute fortgesetzt. Auch am sechsten Verhandlungstag bekräftigt er weiterhin, nichts davon gewusst zu haben, dass über die Server illegale Geschäfte gemacht wurden. Eigentlich war erwartet worden, dass er heute die Aussagen beendet. Der Prozes soll am kommenden Donnerstag fortgesetzt werden.

Verfahren am Landgericht Trier Cyberbunker-Prozess: Manager setzt Aussage fort

Im Cyberbunker-Prozess vor dem Trierer Landgericht hat der sogenannte Manager am Montag seine Aussage fortgesetzt. Eigentlich war erwartet worden, dass er sie beendet. Bisher hat der Angeklagte die Tatvorwürfe bestritten.  mehr...

+++ 5. November - Prozess wegen Corona unterbrochen +++

Der "Bunker-Prozess" ist für Donnerstag, 5. November und kommenden Montag sowie Donnerstag abgesagt worden. Grund dafür ist laut Landgericht, dass einer der beiden Ergänzungsschöffen einen direkten Kontakt zu einem Corona-Infizierten hatte. Ab Donnerstag kommender Woche soll der Prozess aber wieder normal fortgeführt werden. Dann soll der sogenannte Manager des Cyberbunkers in Traben-Trarbach seine Aussage fortsetzen.

+++ 2. November - Bunker-Manager sagt aus: "Keine Hinweise auf Kinderpornografie" +++

Der für Beschwerden zuständige Manager des Cyberbunkers in Traben-Trarbach will von Hinweisen auf Kinderpornografie oder Drogenhandel mithilfe der Server des Rechenzentrums nie etwas mitbekommen haben. "Es gab niemals Beschwerden in diese Richtung", sagte der 51-Jährige am Montag vor dem Landgericht Trier. Der Cyberbunker, der nach Ansicht der Ermittler wichtige Marktplätze des kriminellen "Darknet" beherbergte, war im September 2019 von Polizisten gestürmt worden. Bei Beschwerden sei es meist um Schadprogramme sowie um das Abgreifen persönlicher Daten und um Urheberrechtsverletzungen gegangen.

+++ 29. Oktober - "Manager" des Darknet-Rechenzentrums spricht von Kontakt mit Kriminellen im Cyberbunker +++

Im Prozess um den Traben-Trarbacher Cyberbunker hat der mitangeklagte Manager heute ausgesagt, dass ein ehemaliger irischer Drogengangster sowie Computer-Spezialisten in der Anlage ein- und ausgingen. Der Manager ist der erste und bislang einzige der acht Angeklagten, die sich zu den Vorgängen in dem Darknet-Rechenzentrum äußert.

Kontakte mit Kriminellen Angeklagter im "Cyberbunker"-Prozess sagt weiter aus

Im Prozess um den Traben-Trarbacher Cyberbunker hat der mitangeklagte Manager am Donnerstag ausgesagt, dass ein ehemaliger irischer Drogengangster sowie Computer-Spezialisten in der Anlage ein- und ausgingen.  mehr...

+++ 26. Oktober - "Manager" des Darknet-Rechenzentrums sagt aus +++

Im Prozess um den Cyberbunker in Traben-Trarbach hat erstmals einer der Anklagten vor dem Landgericht Trier ausgesagt. Dabei handelt es sich um den Manager des Darknet-Rechentrums. Der 50-jährige Niederländer Michiel R. war laut Generalstaatsanwaltschaft gewissermaßen die Nummer 2 im Cyberbunker.

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Michiel R. hatte am Montag erklärt, wie er den Hauptangeklagten Herrman X. als großen Boss im Bunker kennengelernt und von dessen Ideen sowie dem Rechenzentrum fasziniert war. Damit widerspricht der Manager den Anwälten von Herrman X., die dessen Rolle am ersten Verhandlungstag in der Presse heruntergespielt hatten.

Michiel R. stellte X. aber nicht als Kriminellen dar und bestätigte bisher auch nicht die erhobenen Vorwürfe, wonach das Rechenzentrum nur betrieben wurde, damit Kriminelle darüber Drogen, Falschgeld oder Kinderpornografie verbreiten konnten.

+++ 22. Oktober - Einige Angeklagte machen Angaben zu ihrem Lebenslauf +++

Am zweiten Verhandlungstag haben einige der Angeklagten Fragen zu ihrem Lebenslauf beantwortet.

Darunter auch der sogenannte Manager des Cyberbunkers. Laut der Staatsanwaltschaft soll er vor Ort die Aufgaben verteilt haben. Der 50-jährige Niederländer sagte aus, dass er als Kind von der Tochter der Putzfrau seiner Familie auf der Toilette sexuell missbraucht worden sei. Außerdem erzählte er, dass er jahrelang unter Angstzuständen gelitten habe, weil er vor einigen Jahren zusammengeschlagen worden sei. Einige seiner Mitangeklagten habe er das erste Mal in einem Coffee Shop in den Jahren zwischen 2012 und 2014 getroffen.

Der Hauptangeklagte, ein 60-jähriger Niederländer, hat keine Aussage zu seinem Lebenslauf gemacht. Der nächste Verhandlungstag ist für den kommenden Montag geplant.

+++ 19. Oktober - Anklage wird verlesen +++

Mammutverhandlung am Landgericht Anklage im "Cyberbunker"-Prozess in Trier verlesen

Unter starken Sicherheitsvorkehrungen hat am Montag vor dem Landgericht Trier der Prozess im Fall des sogenannten Cyberbunkers in Traben-Trarbach begonnen. Acht Angeklagte sollen dort ein Darknet-Rechenzentrum betrieben haben.  mehr...

Wie Straftaten im Darknet funktionieren

Acht Tatverdächtige sollen in einem alten Bunker in Traben- Trarbach an der Mosel ein illegales Rechenzentrum betrieben haben - für Straftaten im Darknet wie Drogen- und Waffenhandel. Was steckt hinter dem Darknet?  mehr...

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Der Cyberbunker in Traben-Trarbach Als das Darknet an die Mittelmosel kam

In Traben-Trarbach an der Mittelmosel gibt es Wein, ein dekoratives Brückentor, ein Buddha-Museum, eine Therme. Es gibt außerdem einen alten Bundeswehr-Bunker, der zum Zentrum einer der größten Cybercrimefälle Deutschlands wurde. Alles begann 2013.  mehr...

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