Der Hauptangeklagte Herman X. bespricht sich mit seinem Rechtsanwalt.  (Foto: SWR)

Landgericht Trier

Cyberbunker-Prozess: Verteidigung fordert Freispruch für Hauptangeklagten

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Im Prozess um den Cyberbunker von Traben-Trarbach haben die Verteidiger am Montag Freispruch für den Hauptangeklagten X. gefordert.

Die Anwälte argumentieren, dass das Rechenzentrum in dem ehemaligen Militärbunker nicht von einer kriminellen Vereinigung betrieben worden sei. Es habe auch keine Beihilfe zu kriminellen Handlungen gegeben.

Anwälte: Hauptangeklagter weiß nichts von illegalen Geschäften

Es habe sich um ein normales Rechenzentrum gehandelt, so die Anwälte. Wenn dieses für illegale Geschäfte, zum Beispiel Drogenhandel, genutzt worden sei, dann habe X. nichts davon gewusst oder sogar mit den Behörden kooperiert.

Auch die Anwälte von drei weiteren der insgesamt acht Angeklagten forderten ebenfalls Freispruch oder eine Bewährungsstrafe für ihre Mandanten.

Generalstaatsanwaltschaft fordert Haftstrafe

Bereits letzte Woche hatte die Generalstaatsanwaltschaft plädiert. Für den Hauptangeklagten Herman X. fordert die Anklage über sieben Jahre Haft.

Laut Generalstaatsanwaltschaft war der 62-jährige Niederländer, Herman X., der Kopf der Bande. Zeugenaussagen, Datenauswertungen sowie Telefonmitschnitte hätten ergeben, dass X. von den illegalen Geschäften im Cyberbunker wusste. Er habe diese sogar geschützt, so die Generalstaatsanwaltschaft. Sie fordert für ihn sieben Jahre und sechs Monate Gefängnis.

Haftstrafen auch für Mitangeklagte gefordert

Neben Hermann X. sind in dem Prozess noch sieben weitere Personen angeklagt. Für sie fordert die Generalstaatsanwaltschaft Haftstrafen zwischen einem Jahr und neun Monaten und fünf Jahren und sechs Monaten.

Beweisanträge verzögerten Plädoyers

Der Cyberbunker-Prozess zog sich zuletzt in die Länge. Die Verteidiger hatten noch mehrere Beweisanträge gestellt. Sie wollten unter anderem noch weitere Zeugen hören. Das Gericht lehnte dies jedoch ab.

Traben-Trarbacher Bürgermeister musste nicht aussagen

Die Anwälte von X. wollten unter anderem, dass der ehemalige Verbandsgemeindebürgermeister von Traben-Trarbach aussagt. In einer Präsentation 2013 habe ihr Mandant seine Pläne für den ehemaligen NATO-Bunker dem Kommunalpolitiker und dem Stadtrat vorgestellt. Der VG-Bürgermeister hätte nach Angaben der Anwälte bezeugen sollen, dass X. von Anfang an mit offenen Karten gespielt habe und nichts Illegales im Sinn hatte.

Trier

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Im Fall des Traben-Trarbacher Cyberbunkers vor dem Landgericht Trier hat am Montag, ein Jahr nach Prozessbeginn, erstmals der 61-jährige mutmaßliche Chef Herman X. ausgesagt.

Generalstaatsanwaltschaft Koblenz sieht "juristisches Neuland"

Im Cyberbunker-Prozess wird acht Personen vorgeworfen, ein illegales Rechenzentrum in einem ehemaligen NATO-Bunker betrieben zu haben. Kriminelle sollen darüber vor allem Drogengeschäfte abgewickelt haben.

Käme es zu einer Verurteilung, wäre damit wohl ein Präzedenzfall geschaffen. "Das Verfahren ist juristisches Neuland", sagt Jörg Angerer, von der Generalstaatanwaltschaft in Koblenz. Für das Betreiben von Rechenzentren für illegale Plattformen gebe es schließlich keinen eigenen Tatbestand. Gut möglich aber, dass dann keine endgültige Entscheidung in Trier fällt. "Ich gehe davon aus, dass Rechtsmittel eingelegt werden und, dass sich dann noch der Bundesgerichtshof mit dem Cyberbunker befasst." 

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Cyberbunker-Verfahren am Landgericht Trier Prozesskosten: Mindestens 95.000 Euro

Das laufende Cyberbunker-Verfahren vor dem Landgericht Trier hat bislang mehr als 90.000 Euro gekostet. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft handelt sich dabei jedoch nur um die Kosten, die durch die Beschlagnahme des ehemaligen NATO-Bunkers in Traben-Trarbach entstanden sind.

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SWR