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Unter starken Sicherheitsvorkehrungen hat am Montag vor dem Landgericht Trier der Prozess im Fall des sogenannten Cyberbunkers in Traben-Trarbach begonnen. Acht Angeklagte sollen dort ein Darknet-Rechenzentrum betrieben haben.

Über das Rechenzentrum sollen Kriminelle Drogen, Falschgeld und Kinderpornografie verbreitet haben. Der Prozess hat am Montagmorgen mit rund anderthalb Stunden Verzögerung begonnen, weil ein Schöffe nicht erschien. Warum er nicht zur Verhandlung kam, blieb unklar. Zu Beginn der Verhandlung wurde ein Ersatzschöffe vereidigt. Die Hauptverhandlung wurde kurz danach wegen eines technischen Defekts an der Tonanlage für eine Simultandolmetscherin zunächst unterbrochen.

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Erst gegen Mittag konnte die Anklageschrift vor Gericht verlesen werden. Sie ist in der Kurzfassung 40 Seiten lang. Die Anklage wirft der mutmaßlichen Bande Beihilfe zu mehr als 249.000 Straftaten vor.

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Hauptangeklagter ist ein Niederländer

Der Hauptangeklagte Herman X., ein 60-jähriger Niederländer, saß mit drei Landsleuten, drei Deutschen und einem Bulgaren schweigend auf der Anklagebank. Vorgeworfen wird der Gruppe, dass sie eine kriminelle Vereinigung gebildet haben, um mit dem Rechenzentrum anderen Kriminellen Beihilfe bei deren Online-Straftaten zu leisten.

Die Schaltstelle für die millionenschweren kriminellen Geschäfte im Darknet war in einem ehemaligen Bundeswehr-Bunker versteckt - hoch oben gelegen auf dem Mont Royal über Traben-Trarbach (Kreis Bernkastel-Wittlich). Über fünf Etagen unter der Erde verteilt standen mehr als 400 Server, über die Kriminelle aus der ganzen Welt Drogen verkauften, Kinderpornos verschickten, Cyberangriffe starteten oder mit Falschgeld handelten.

Der Hauptangeklagte im Prozess um ein illegales Rechenzentrum in Traben-Trarbach sitzt beim Prozessauftakt zwischen seinen Rechtsanwälten. (Foto: dpa Bildfunk, Harald Tittel)
Der Hauptangeklagte im Prozess um ein illegales Rechenzentrum in Traben-Trarbach (Mitte) sitzt beim Prozessauftakt zwischen seinen Rechtsanwälten. Harald Tittel

Prozess mit juristischer Besonderheit

Erstmals stehen nicht die Täter im Fokus, die im Darknet ihre Geschäfte abwickeln, sondern die, die die Geschäfte erst möglich machen. "Es ist das erste Verfahren überhaupt dieser Art", sagt Oberstaatsanwalt Jörg Angerer von der Landeszentralstelle Cybercrime der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz. Die Anklage richtet sich gegen Betreiber von einem "Bulletproof-Host" (deutsch: "kugelsicherer Gastgeber"), der gegen Entgelt kriminellen Kunden ein vor dem Zugriff der Polizei sicheres Datenzentrum zur Verfügung stellt.

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Server dienten als Plattform für illegale Millionengeschäfte

"Dicke Fische" waren der weltweit zweitgrößte Darknet-Marktplatz für verbotene Güter namens "Wall Street Market", den Ermittler im Frühjahr 2019 zerschlagen hatten - unter anderem mit rund 240.000 Betäubungsmittel-Deals im Wert von gut 36 Millionen Euro. Gehostete Seiten waren demnach auch der Marktplatz "Cannabis Road" mit knapp 4.000 Einzelverkäufen von Cannabisprodukten sowie das Untergrundforum "Fraudsters", über das Daten, Falschgeld, Ausweise und Drogen gehandelt wurden. Zum Kundenstamm gehörte auch die Darknet-Plattform "Flugsvamp", die illegale Betäubungsmittel und verschreibungspflichtige Medikamente im Wert von 30 bis 40 Millionen Euro umsetzte. Auch der Botnetz-Angriff auf 1,25 Millionen Telekom-Router Ende November 2016 wurde laut Generalstaatsanwaltschaft über Server im Cyberbunker gesteuert. Geschätzter Schaden: Zwei Millionen Euro.

Polizei hat fünf Jahre ermittelt

Ende September 2019 war der Cyberbunker in Traben-Trarbach in einer großen Polizeiaktion ausgehoben worden. Fast fünf Jahre haben die Ermittler gebraucht, bis sie zuschlugen. "Weil es sehr aufwendig war, nachzuweisen, dass die Betreiber Kenntnis von den Machenschaften ihrer Kunden hatten", sagt Oberstaatsanwalt Angerer. Das sei aber zentral gewesen, um sie wegen Beihilfe anklagen zu können. Gelungen sei es über die Überwachung des Netzknotens im Rechenzentrum. Unter anderem anhand von Chats könne man belegen, dass die kriminelle Vereinigung von den Machenschaften wusste und diese durch die Bereitstellung der Server "maßgeblich unterstützt und gefördert" habe.

Zwei Millionen Gigabyte Daten sichergestellt

Die bei dem Zugriff sichergestellte Datenmenge unter anderem auf 886 physischen und virtuellen Servern umfasst zwei Millionen Gigabyte: Auf CD gebrannt wären das 2,6 Millionen CDs, die aufeinander gestapelt eine Höhe von 8.000 Meter ergäben, hatte Kriminalhauptkommissar Patrick Fata vom Landeskriminalamt (LKA) Rheinland-Pfalz erklärt. Einige physische und virtuelle Server seien noch "voll verschlüsselt". Die Auswertung der Server läuft immer noch: "Wir sind noch dran und es wird auch noch dauern", sagt Angerer. Nach einer Grobauswertung ist das jetzige Verfahren auf sieben Tatkomplexe beschränkt. Es könne aber sein, dass nach der "Feinauswertung" der Computer weitere Anklagen wegen neuer Beihilfe-Taten auf die Bande zukämen.

Weitere Verfahren laufen

Die Daten würden auch daraufhin geprüft, ob sie zum Nachweis von Straftaten reichten, sagt Oberstaatsanwalt Angerer. Es gebe auch schon weitere Verfahren, die sich aus dem Cyberbunker-Komplex ergeben hätten. "Sie sind gerade angelaufen. Da sind wir noch in der verdeckten Phase." Es seien "durchaus potente Kunden darunter".

Prozess dauert wohl bis Ende 2021

Das "Bunkerverfahren" ist nach Angaben des Landgerichts Trier bis Ende 2021 jeweils montags und donnerstags terminiert - Feiertage ausgenommen. Wegen der Corona-Pandemie sind im Gerichtssaal nur 23 Sitzplätze für Besucher zugelassen, darunter elf für Journalisten.

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