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Der "Bunker-Prozess" vor dem Trierer Landgericht geht erst am 16. November weiter. Einer der beiden Ergänzungsschöffen hatte einen direkten Kontakt zu einem Corona-Infizierten.

Ein für den 12. November geplanter Termin sei aufgehoben worden, teilte das Landgericht Trier mit. Grund sei, dass ein Ergänzungsschöffe direkten Kontakt zu einem Corona-Infizierten gehabt habe. Deswegen waren bereits zwei Verhandlungstermine abgesagt worden. Am Donnerstag, 5. November sollte der sogenannte Manager des Cyberbunkers in Traben-Trarbach seine Aussage fortsetzen.

"Von Kinderpornos nichts mitbekommen"

Der Mann hatte am Montag vergangener Woche ausgesagt, nichts von Hinweisen auf Kinderpornografie oder Drogenhandel mit Hilfe der Server des Rechenzentrums mitbekommen zu haben. "Es gab niemals Beschwerden in diese Richtung", sagte der 51 Jahre alte Niederländer Michiel R. vor dem Landgericht Trier. "Ich habe nie etwas gehört über Kinderpornografie, Drogenhandel oder andere Verbrechen." Der Cyberbunker, der nach Ansicht der Ermittler wichtige Marktplätze des kriminellen "Darknet" beherbergte, war im September 2019 von Polizisten gestürmt worden.

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Bei den Beschwerden sei es vor allem um Botnets gegangen - also um Schadprogramme, die ohne Wissen des Eigentümers einer Webseite auf dieser laufen - sowie um das Abgreifen von persönlichen Daten (Phishing) und um Urheberrechtsverletzungen, sagte der Angeklagte. Während seiner Verantwortung für den Bereich Abuse (Missbrauch) seit Juli 2016 habe er immer wieder darauf gedrungen, dass gegen Phishing vorgegangen werde. Bei Beschwerden über Urheberrechtsverletzungen habe man standardisierte Mails an die Kunden des Rechenzentrums geschickt. Darauf habe es nie Antworten gegeben: "Wir betrachteten das damit als erledigt."

"Habe das Rechenzentrum für seriös gehalten"

Die Cyberbunker-Webseite - auf der geworben wurde, man könne dort alles außer Kinderpornos und Terrorismusmaterial auf Webseiten anbieten - habe er nie genau angesehen, sagte der 51-Jährige. Er habe das Rechenzentrum für seriös gehalten: "Ich habe nie gedacht, dass wir dazu da waren, die bösen Jungs zu bedienen." Er sei "bis heute überzeugt, dass auch X. nicht wusste, was da alles abging."

Auf Vorhaltung des Gerichts, es habe im Juli 2018 einen Hinweis auf Kinderpornografie und Ermittlungen der schwedischen Polizei gegeben, sagte der Manager, er könne sich in diesem Zusammenhang nur erinnern, dass sein Chef Herrman X. höchstpersönlich eine Festplatte vernichtet habe.

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