Das Coworking-Space befindet sich in der Ortsmitte von Irsch (Foto: SWR)

Moderne Arbeitswelt auf dem Dorf

Coworking-Space in alter Sparkassen-Filiale in Irsch

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Ein Hauch von Großstadt-Flair hat in Irsch bei Saarburg Einzug gehalten: In der ehemaligen Sparkassen-Filiale gibt es einen Coworking-Space. Hier haben Menschen die Möglichkeit, sich einzumieten und zu arbeiten - für rund zwölf Euro am Tag.

Dort, wo vor einem Jahr noch Geld eingezahlt und Überweisungen getätigt wurden, sitzt jetzt Gilla Wallrich an ihrem Schreibtisch. Wallrich ist Mitarbeiterin im Jugendamt des Landkreises Trier-Saarburg. Sie arbeitet an zwei Tagen in der Woche im Coworking-Space in der ehemaligen Sparkassen-Filiale in Irsch. An den restlichen Tagen der Woche fährt sie zu ihrem regulären Arbeitsplatz ins Jugendamt nach Trier.

Arbeitet gern im Coworking-Space: Sachbearbeiterin Gilla Wallrich aus Irsch (Foto: SWR)
Arbeitet gern im Coworking-Space: Sachbearbeiterin Gilla Wallrich aus Irsch.

"Die Kreisverwaltung hat uns die Möglichkeit angeboten, im neuen Coworking-Space in Irsch zu arbeiten und ich habe direkt zugesagt."

Die Sachbearbeiterin wohnt in Irsch. Daher ist der neue Arbeitsplatz für sie ein echter Glücksfall. "Ich kann zu Fuß zur Arbeit gehen. Wenn ich zum Jugendamt nach Trier fahre, bin ich 40 Minuten mit dem Auto unterwegs. An zwei Tagen in der Woche habe ich diese Zeit gespart. Das ist ein großer Vorteil für mich."

Coworking-Spaces in ehemaligen Sparkassen-Filialen

Die Idee für die Coworking-Spaces auf dem Land kam von der Wirtschaftsförderung Trier-Saarburg. "Als die Sparkasse Trier im vergangenen Jahr ankündigte, einige Filialen zu schließen, haben wir ein Konzept erstellt", so Projektleiter Tim Lieser. "Die Gebäude gehören weiterhin der Sparkasse Trier, wir vermieten die Räume weiter."

An drei Standorten im Landkreis gibt es Coworking-Spaces: Neben Irsch auch in den ehemaligen Bank-Filialen in Zemmer und Trittenheim. Ab Februar 2022 soll es auch ein Coworking-Büro in Hermeskeil geben.

"Hier gibt es alles, was man sich in einem Büro wünscht."

Das Coworking-Space in Irsch befindet sich in der ehemaligen Schalterhalle der Sparkasse (Foto: SWR)
Das Coworking-Space in Irsch befindet sich in der ehemaligen Schalterhalle der Sparkasse. Bild in Detailansicht öffnen
Keep it simple: Mit dem Smartphone können Nutzer die Tür öffnen und den Arbeitsplatz betreten. Bild in Detailansicht öffnen
In dem Großraumbüro befinden sich vier Schreibtische. Bild in Detailansicht öffnen
Auch Einzel- oder Zweierbüros können gebucht werden. Bild in Detailansicht öffnen
Für die Pause zwischendurch gibt es auch eine Kaffeeküche im Coworking-Space in Irsch. Bild in Detailansicht öffnen
Gilla Wallrich arbeitet dienstags und mittwochs im Coworking-Space in Irsch. Bild in Detailansicht öffnen
Den elektronischen Schlüssel zur Bürotür bekommen die Nutzer über einen QR-Code auf das Smartphone, erklärt Projektleiter Tim Lieser. Bild in Detailansicht öffnen
Das Coworking-Space befindet sich in der Ortsmitte von Irsch. Bild in Detailansicht öffnen

Schnelles Internet in allen Coworking-Spaces

In allen Coworking-Spaces befindet sich ein Großraumbüro mit mehreren Arbeitsplätzen sowie Einzelbüros. "Für die, die lieber ungestört telefonieren wollen", so Projektleiter Lieser. In den Büros gibt es höhenverstellbare Schreibtische, Monitore, Drucker, Schließfächer, schnelles Internet und eine Kaffeeküche. Mieter müssen nur ihren Laptop und ein Telefon mitbringen.

Buchen über das Internet

Wer einen Schreibtisch in einer ehemaligen Sparkassen-Filiale mieten will, kann das im Internet tun. Dort gibt es ein Buchungs-Portal. Der Preis für einen Monat liegt bei 150 Euro. Der Arbeitsplatz kann auch wöchentlich für 50 Euro oder pro Tag für 12,50 Euro gebucht werden. Den elektronischen Schlüssel zur Bürotür bekommen die Nutzer über einen QR-Code auf das Smartphone.

Die Nachfrage steige von Monat zu Monat, so Lieser. Inzwischen gebe es bis zu 20 regelmäßige Nutzerinnen und Nutzer. Wobei mit dem Begriff "Coworking" viele nichts anfangen könnten. "Wir haben daher den Begriff 'Raumgewinn' gewählt", erklärt der Projektleiter.

Coworking Space in Irsch bei Saarburg: Mit dem Smartphone bekommen Nutzer Zutritt zum Coworking-Space (Foto: SWR)
Keep it simple: Mit dem Smartphone können Nutzer die Tür öffnen und den Arbeitsplatz betreten.

Pendler sollen Coworking-Büros nutzen

Zielgruppe für die Coworking-Spaces im Kreis Trier-Saarburg seien vor allem Pendler. "Jeden Tag aus dem ländlichen Raum nach Trier fahren ist ein großer Zeitaufwand. Da bieten wir einen Arbeitsplatz direkt vor Ort", so Projektleiter Lieser. Familie und Beruf seien so auch besser vereinbar. Außerdem freuten sich die Ortsgemeinden, dass die ehemaligen Sparkassen-Gebäude nicht leer stehen.

Corona hat Nachfrage nach Coworking gestärkt

Die Corona-Pandemie habe den Trend zum "Büro auf dem Dorf" verstärkt, so Lieser. "Heutzutage ist es nicht mehr so, dass man unbedingt ins Büro fahren muss, sondern auch zu Hause sein Büro hat oder eben in einem Coworking-Space."

"Corona hat das Arbeitsplatz-Modell verändert."

Gilla Wallrich vom Jugendamt Trier-Saarburg hat sich in ihrem neuen Büro in der ehemaligen Sparkassen-Filiale in Irsch sofort wohl gefühlt. Manchmal kommen noch Leute aus dem Ort vorbei, die ihre Kontoauszüge haben wollen, erzählt sie mit einem Lachen im Gesicht. "Die denken, ich bin eine Mitarbeiterin der Sparkasse. Aber das kläre ich dann schnell auf."

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