STAND

Dr. Torsten Engler ist Chefarzt im Corona-Gemeinschaftskrankenhaus in Trier. Im SWR-Interview sagt er, warum er eine Verlängerung des Lockdowns für richtig hält und wie die Pflegekräfte mit der aktuellen Situation umgehen.

SWR Aktuell: Herr Engler, spüren Sie bereits die Auswirkungen der geltenden Corona-Beschränkungen im Corona-Gemeinschaftskrankenhaus in Trier?

Dr. Torsten Engler: An den Patientenzahlen merken wir es noch nicht. Wir erhoffen uns aber, dass wir das dann bald bemerken werden, vielleicht in zwei bis drei Wochen. Dann werden sich die Maßnahmen insoweit bemerkbar machen können, dass eben die Kontakte so begrenzt waren, dass keine Infektion weitergetragen werden konnte. Unklar bleibt, wie sich die Situation über Weihnachten und Silvester auf das Infektionsgeschehen auswirkt.

SWR Aktuell: Was für Menschen sind das, die auf der Corona-Intensivstation in Trier liegen? Sind das eher alte oder auch junge Menschen?

Engler: Nach wie vor ist es so, dass die Menschen, die auf die Intensivstation kommen, die sind, die Vorerkrankungen haben, die vom Altersspektrum auch eher älter sind. Aber wir haben aktuell auch jüngere Patienten auf der Intensivstation. Es ist also nicht so, dass es ausschließlich die Älteren und die mit Vorerkrankungen trifft, sondern auch die Jüngeren. Wir haben ein breites Spektrum, allerdings dominierend von den Älteren.

SWR Aktuell: Glauben Sie, dass es in den kommenden Wochen mehr schwere Kranheitsverläufe bei jüngeren Menschen geben wird?

Engler: Grundsätzlich denke ich das nicht. Es ist schon so, dass man in keinem Alter davor gefeit sein kann, einen schweren Verlauf zu bekommen. Aber grundsätzlich sind es schon die Älteren und die Vorerkrankten, die dann auch Intensivtherapien häufiger und mehr benötigen.

SWR Aktuell: Die Pflegekräfte im Corona-Gemeinschaftskrankenhaus in Trier stehen vor einer ganz besonderen Herausforderung. Wie ist aktuell die Lage beim Personal?

Engler: Also erstmal muss ich ein riesiges Lob an das Personal aussprechen, das sich jetzt schon seit März hier unermüdlich im Einsatz befindet. Ständig konfrontiert mit den Verläufen, die sie dann auch hautnah miterleben und ständig auch mit der Sorge um sich und ihre Angehörigen. Also da muss man schon ein riesiges Kompliment aussprechen, dass eben diese Belastungen gestemmt werden. Aktuell ist es so, dass wir zwar zurechtkommen. Natürlich ist die Belastung groß, aber wir versuchen weiter geradeaus zu gehen und die Belastungen zu stemmen.

SWR Aktuell: Wie geht das Personal mit dieser belastenden Situation um?

Engler: Im Moment gibt es da tatsächlich nicht viel Zeit, darüber nachzudenken. Im Moment beherrscht im Prinzip die Arbeit alles und das Nachdenken kommt erst, wenn wir etwas weniger zu tun haben werden.

SWR Aktuell: Inwieweit bieten die Trierer Krankenhäuser Hilfen für das Personal an?

Engler: Ja, wir haben da schon Vorkehrungen getroffen. Wir haben Ansprechpartner, um das Personal in solchen Situationen abzufangen.

Intensivstation Corona-Gemeinschaftskrankenhaus (Foto: SWR)
Der Chefarzt bespricht mit den Pflegkräften die weitere Behandlung der Patienten. Bild in Detailansicht öffnen
Die Pflegerinnen und Pfleger arbeiten auf den Stationen am Limit. Bild in Detailansicht öffnen
Mehr als 20 Intensivbetten für COVID-19-Patienten sind im Corona-Gemeinschaftskrankenhaus bereit gestellt. Ansgar Zender Bild in Detailansicht öffnen
Im Corona-Gemeinschaftskrankenhaus behandeln das Klinikum Mutterhaus und das Brüderkrankenhaus Trier alle ihre COVID-19-Patienten. Jutta Horn Bild in Detailansicht öffnen

SWR Aktuell: Bund und Länder diskutieren über die Verlängerung des Lockdowns. Sollten die Corona-Beschränkungen Ihrer Ansicht nach ausgedehnt werden?

Engler: Das halte ich auf jeden Fall für sinnvoll. Im Moment sind wir noch nicht in einer Situation, wo wir Entspannung merken. Wir sind immer noch in einer Situation, wo die Patientenzahlen steigen. Wir müssen auf jeden Fall von den hohen Zahlen runterkommen.

SWR Aktuell: Glauben Sie, dass sich die Lage im Corona-Gemeinschaftskrankenhaus durch die Impfungen gegen das Coronavirus entspannen wird?

Engler: Der Ausweg aus der "Dauer-Lockdown-Schleife" ist die Impfung. Wir müssen dafür werben, wir müssen die Impfbereitschaft stärken. Wir werden dann zwar nicht sofort, aber doch im Verlauf eine Verbesserung merken.

Rheinland-Pfalz

Aktuelle Lage im Land Live-Blog zum Coronavirus in Rheinland-Pfalz - Neue Verordnung soll am Montag in Kraft treten

Das Coronavirus bestimmt weiter das öffentliche Leben in Rheinland-Pfalz. Die Zahl der Neuinfektionen liegt unverändert auf hohem Niveau, Einschränkungen gibt es mindestens bis Ende Januar. Die aktuelle Entwicklung hier im Blog.  mehr...

Rheinland-Pfalz

Nach Bund-Länder-Beratungen über die Corona-Lage Shutdown in Rheinland-Pfalz bis Ende Januar verlängert

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hat nach den Beratungen von Bund und Ländern angekündigt, dass die bestehenden Corona-Beschränkungen bis Ende Januar verlängert und teilweise verschärft werden.  mehr...

Trier

Kampf gegen Coronavirus Impfstart im Brüderkrankenhaus Trier

Mit einem eigenen Impfzentrum hat das Trierer Brüderkrankenhaus damit begonnen, die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegen das Coronavirus zu impfen.  mehr...

Am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

Trier

Corona-Schutzimpfung Umfrage in Trier: "Wollen Sie sich impfen lassen?"

Seit Montag werden die ersten Termine für die Corona-Schutzimpfung vergeben. Doch wie groß ist die Impfbereitschaft? Wir haben in der Trierer Fußgängerzone nachgefragt.  mehr...

STAND
AUTOR/IN