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Esther Junghanns aus Trier sitzt wegen einer chronischen Erkrankung im Rollstuhl. Einen Anspruch auf eine schnelle Impfung gegen das Coronavirus hat sie trotzdem nicht.

Routiniert fährt Ester Junghanns durch die geräumige Drei -Zimmer-Wohnung in Trier. Hier wohnt die 47-Jährige zusammen mit ihrem Mann Robert. Bei der Geburt bekam Esther Junghanns zu wenig Sauerstoff, ihre Arme und Beine sind seitdem gelähmt. Später kamen Probleme mit den Atemwegen hinzu. Schon eine kleine Erkältung kann tödliche Folgen haben, sagt Junghanns.

Betreuer werden nicht getestet

Dass sich Junghanns mit dem Coronavirus ansteckt, ist nicht unwahrscheinlich. Täglich kommt ein Assistent zu ihr nach Hause, um sie in ihrem Alltag zu unterstützen. Bis zu drei Assistenten betreuen sie im Wechsel pro Woche. Vorsorglich getestet wird niemand. Trotz des Ansteckungsrisikos ist Junghanns nach der Impfverordnung des Landes Rheinland-Pfalz erst in der dritten Impfgruppe dran. Damit ist unklar, wann sie geimpft wird.

Niemand fühlt sich zuständig

Würde Esther Junghanns in einem Pflegeheim leben, wäre sie in der Impfkategorie 1 und damit eine der ersten gewesen, die geimpft werden. So sieht es die Impfverordnung des Landes vor. Ausnahmen in Einzelfällen seien aber möglich. Nur weiß keiner, wer über solche Ausnahmen entscheidet, sagt Gerd Dahm. Der Behindertenbeauftragte der Stadt Trier kritisiert, dass nicht geklärt worden ist, wer vor Ort dafür verantwortlich ist. Niemand fühle sich zuständig. Eine Katastrophe sei das, fügt Dahm hinzu.

Leben in Selbstisolation

Gerade für Menschen wie Esther Junghanns ist es wichtig, dass sie so früh wie möglich geimpft werden. Denn viele von ihnen haben sich aus Angst vor Ansteckung zurückgezogen. Gehen kaum aus, treffen Freunde und Familie nur selten oder gar nicht. Seit März habe sie ihre Angehörigen immer nur draußen getroffen, erzählt Junghanns.

"Brauchen schnelle Lösungen“

Das könne nicht sein, sagt auch Gerd Dahm, der Behindertenbeauftragte der Stadt Trier. Da müssen jetzt schnelle Lösungen und klare Zuständigkeiten von der Landesregierung her, sagt Dahm. Vor allem müssten Einzelentscheidungen erleichtert werden. Vor allem für Menschen, die in der Impfkategorie 1 vergessen wurden, aber dringend geimpft werden müssen.

Impfangebot vom Arbeitgeber

Für Esther Junghanns kam inzwischen der erlösende Anruf. Ihr Arbeitgeber hat mitgeteilt, dass sie geimpft werde, sobald der Impfstoff zur Verfügung steht. Ein glücklicher Einzelfall. Von der zuständigen Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) hat Junghanns bis dahin nichts gehört. Bätzing-Lichtenthäler will unterdessen am Freitag eine Anordnung an die zuständigen Verwaltungen geben, damit mehr Menschen wie Esther Junghanns eher geimpft werden können.

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