Ein Chefarzt aus Trier ist besorgt wegen steigender Corona-Zahlen (Foto: dpa Bildfunk, Ole Spata)

Dauerbelastung für Ärzte und Pfleger

Trierer Chefarzt besorgt wegen steigender Corona-Zahlen

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"Die wieder steigenden Corona-Zahlen verhindern eine dringend benötigte Entlastung der Krankenhäuser", sagt der Trierer Chefarzt Prof. Tim Piepho. Das werde Folgen haben.

Prof. Piepho blickt mit Sorge auf die aktuellen Infektionszahlen. Denn die Dauerbelastung in den Krankenhäusern durch die seit mehr als zwei Jahren andauernde Corona-Pandemie sei deutlich zu spüren. Und im schon im Herbst wird die nächste Corona-Welle erwartet.

Professor Tim Piepho vom Krankenhaus der barmherzigen Brüder in Trier (Foto: SWR)
Professor Tim Piepho ist Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Trier.

SWR Aktuell: Professor Piepho, die Infektionen mit dem Coronavirus steigen wieder. Das liegt vor allem an der neuen Variante BA.5, die als noch ansteckender gilt. Spüren Sie diese Entwicklung bereits im Krankenhaus?

Prof. Piepho: Momentan haben wir nur sehr wenige Patienten in Rheinland-Pfalz, die auf den Intensivstationen behandelt werden müssen und Corona positiv sind. Das sind aktuell ungefähr 30 in ganz Rheinland-Pfalz. Zum Vergleich: Ende Mai sind es ungefähr 20 gewesen. Das heißt, man kann sehen, dass es einen Trend gibt. Wir haben mehr Patienten auf der Intensivstation, aber wir sind noch lange nicht bei den Zahlen, die wir bei anderen Wellen hatten.

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Hohe Belastung der Krankenhäuser durch Corona hat Folgen  

SWR Aktuell: Die Corona "Sommerwelle" ist da. Für den Herbst ist schon die nächste angekündigt. Seit mehr als zwei Jahren sind die Krankenhäuser im Pandemie-Modus. Welche Folgen hat diese Dauerbelastung?

"Wir nehmen eine unheimlich hohe Belastung im pflegerischen und ärztlichen Bereich wahr."

Prof. Piepho: Es ist so, dass auch, wenn die Infektionszahlen nicht so hoch sind wie in anderen Wellen, jeder Patient der Corona positiv ist und hier im Haus betreut wird, einen enormen Aufwand an pflegerischen Tätigkeiten benötigt. Das liegt daran, dass sich die Pflegekraft jedes Mal schützen muss, bevor sie in das Zimmer hineingeht.

Das sorgt natürlich schon dafür, dass hier eine gewisse Müdigkeit erkennbar ist. Und dadurch, dass auch keine Besserung in Sicht ist und wir eher die Sorge haben, dass es im Herbst noch einmal schlimmer wird, ist die Motivation oftmals noch nicht besonders hoch.

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Corona-Pandemie verstärkt Ärzte- und Pflegemangel

SWR Aktuell: Wenn die Motivation nicht mehr besonders hoch ist, was heißt das für die Zukunft, also für den Herbst und die dafür vorhergesagte neue Corona-Welle?

"Wir müssen uns insgesamt große Sorgen machen, was Mitarbeiter in den Krankenhäusern angeht."

Prof. Piepho: Wir haben zu wenig Pflegekräfte, wir haben einen Ärztemangel, der jetzt dadurch noch einmal verstärkt wird. Es gibt immer wieder Kolleginnen und Kollegen, die dem Beruf den Rücken zukehren und sich eine andere Tätigkeit suchen. Das spüren wir. Da muss man jetzt politische Signale setzen, um diesen Trend aufzuhalten.

Für den Herbst müssen Corona-Vorkehrungen getroffen werden

SWR Aktuell: Was empfehlen Sie angesichts der wieder steigenden Zahlen und den kommenden Corona-Wellen?

Prof. Piepho: Ganz wichtig ist, dass man sich jetzt Gedanken macht, welche Vorkehrungen für den Herbst und für den Winter wichtig sind. Das heißt, wir brauchen jetzt Aussagen zu einem Infektionsschutz-Gesetz, was auch ganz klar regelt, welche Möglichkeiten die Krankenhäuser haben, welche finanzielle Unterstützung möglich ist, wenn wieder Stationen geschlossen werden müssen.

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Es ist sicherlich sinnvoll, dass wir weiterhin Tests anbieten, dass die Bürgerinnen und Bürger einfache Möglichkeiten haben, sich zu testen, sodass Infektionsketten durchbrochen werden können und die Zahlen gar nicht zu stark ansteigen. Und bei Veranstaltungen, die im Inneren stattfinden, wo man sehr engen Kontakt hat, dort muss einfach auch weiter eine Maske getragen werden.

"Es ist einfach erforderlich, dass jeder auf sich selbst achtet und die Maske vielleicht doch nicht ganz zur Seite legt."

SWR Aktuell: Wie sinnvoll sind Booster-Impfungen bei einem sich ständig verändernden Virus?  

Prof. Piepho: Für die neue Virus-Variante BA.5, die sich momentan jeden Tag weiter in Deutschland ausbreitet, ist es in meinen Augen noch viel zu früh, dort den Nutzen einer Booster-Impfung tatsächlich eindeutig bewerten zu können.

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Schlussendlich führen die Impfungen, die wir bisher durchgeführt haben, aber schon dazu, dass es weniger schwere Krankheitsverläufe gibt. Das ist in Studien und in Daten gut erkennbar. Aber inwiefern die einzelne Omikron-Variante, die wir momentan sehen, wie die das auch betrifft, das ist jetzt nur sehr schwierig zu sagen.

Das Corona-Virus: Gekommen, um zu bleiben

SWR Aktuell: Wird das Corona-Virus mit allen seinen Begleiterscheinungen wie Maske tragen, Testen und Impfen uns noch lange begleiten oder ist das irgendwann mal vorbei?

Prof. Piepho: Corona wird uns ab jetzt immer begleiten und die Frage ist nur, welche Mutationen es weitergeben wird und welche Impfstoffe wir haben werden, um dieser Erkrankung zu begegnen. Aber Corona wird ab jetzt uns Menschen immer weiter begleiten.

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