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Nach der Wahlschlappe bei der Landtagswahl leckt die CDU in der Region Trier ihre Wunden. Was muss jetzt passieren, um Wähler zurückzugewinnen?

Im Wahlkreis Trier hat die CDU bei der Landtagswahl mit 21,1 Prozent bei der Zweitstimme ein historisch schlechtes Ergebnis eingefahren. Dass auch Direktkandidat Thorsten Wollscheid mit 17,6 Prozent der Erststimmen weit abgeschlagen war, lässt sich wohl nicht allein mit der Konkurrenz durch Malu Dreyer erklären, die 47,7 Prozent holte.

Nicht-öffentliche CDU-Sitzung im Kreisverband Trier

Bei einer nicht-öffentlichen Sitzung des CDU-Kreisverbands am Abend wurde über die Gründe für das Wahldesaster und mögliche Wege aus der Krise gesprochen. Das Ergebnis war, dass der Verband mittels eines Strategieworkshops das Wahlergebnis tiefgreifend analysieren und sich thematisch neu justieren will. Auch die Kommunikation mit Wählerinnen und Wählern soll verbessert werden.

Ungeschönte Aufarbeitung

Der CDU-Kreisvorsitzende Thorsten Wollscheid schloss einen Rücktritt für sich aus. Weiter sprach er von einer "ungeschönten Aufarbeitung". Die CDU habe ein Großstadt-Problem. Dies müsse dringend angegangen werden. Insbesondere viele junge Frauen hätten die Grünen gewählt, so Wollscheid. Die CDU hatte bei der Landtagswahl am Sonntag im Wahlkreis Trier nur gut 17 Prozent der Erststimmen geholt.

Schuld bei der Bundes-CDU?

Schon kurz nach der Wahl hatten den Direktkandidaten und Kreisverbandsvorsitzenden Wollscheid Anrufe seiner Mitglieder aus der Basis erreicht. Deren Tenor sei, dass die Bundes-CDU mit ihrer Politik ein schlechtes Bild abgebe und das müsse die Partei vor Ort ausbaden.

Abwanderung zu anderen Parteien

Das sei auch der Grund, warum viele Wähler auf dem Land zu den Freien Wählern und in der Stadt zu den Grünen abgewandert seien. Thorsten Wollscheids Konsequenz daraus ist, dass die CDU in Trier ihr Profil stärken muss. Man müsse sich wieder breit aufstellen, um als Volkspartei wahrgenommen zu werden.

"Das war das Hauptproblem: Die Wählerinnen und Wähler haben es uns nicht zugetraut, es besser zu machen als die Landesregierung und die konkurrierenden Parteien. Wir müssen das Vertrauen zurückgewinnen.“

Thorsten Wollscheid, CDU Kreisverbandsvorsitzender Trier

Er sei vor anderthalb Jahren als Vorsitzender angetreten, um die Partei zu modernisieren. Das brauche aber gewisse Zeit. Und besonders durch Corona sei es schwierig, persönliche Gespräche mit Wählern zu führen.

CDU braucht mehr Frauen und "Kümmerer“

Kritik kommt aus den eigenen Reihen, wonach die Schuld am Wahldesaster nicht allein bei der Bundes-CDU oder der Corona-Krise zu suchen sei: Jutta Albrecht, Vorsitzende der Frauen Union Trier und dadurch kooptierte Beisitzerin im Kreisverband, findet, dass der Direktkandidat es nicht geschafft hat, die Triererinnen und Trierer hinter sich zu bringen.

Sie würde sich wünschen, dass einmal eine Frau an der Spitze der hiesigen CDU steht. Um vor allem junge Frauen anzusprechen, die die Partei gerade in der Stadt offenbar an andere Parteien verloren habe.

"Die jungen Frauen vernachlässigen wir als CDU meiner Meinung nach. Ich möchte das aber nicht auf das Geschlecht oder Alter reduzieren. Es geht nicht nur darum, einen jüngeren Kandidaten zu haben. Es kommt auf Typ, Profil und Charisma an.“

Jutta Albrecht, Frauen Union Trier

Ein ebenso wichtiger Punkt ist für Albrecht, dass die CDU wieder zum "Kümmerer“ werden soll, der nah bei den Leuten ist: "Unser großes Plus als CDU ist es immer gewesen, dass wir vor Ort in den Stadtteilen immer präsent waren.“ Die neue große Aufgabe der Partei sei es, wieder CDU-Leute auf die Posten von Ortsvorstehern und Ortsvorsteherinnen zu bringen, die für die Menschen direkt ansprechbar sind.

Neue Strategie nicht einfach

Thorsten Wollscheid stimmt zu, dass die CDU Trier mehr weibliche Wählerinnen brauche. "Aber bei den Direktkandidaten hat man immer nur einen Mann oder eine Frau, man kann nicht beide ansprechen.“ Konkrete Punkte, die man nach und nach abhaken kann, um wieder mehr abgewanderte Wähler zurückzugewinnen und sich neue Wählerschichten zu erschließen, sieht Wollscheid aber noch nicht. "Wenn das so einfach wäre, hätten wir das ja in den letzten Wochen schon gemacht. Das müssen wir jetzt angehen.“ Dass sich die CDU aber vor allem an der Basis verändern muss, das sieht auch Wollscheid so.

"Die Strukturen der CDU in den Ortsverbänden sind leider so, dass die ganz oft überaltert sind und nicht sonderlich attraktiv für junge Leute. Da müssen wir uns Gedanken machen, wie wir das reformieren können.“

Thorsten Wollscheid, CDU Kreisverbandsvorsitzender Trier

Basis muss ihren Teil beitragen

Auch Moritz Petry, Vorsitzender des CDU-Bezirksverbands Trier, findet, dass Veränderungen direkt von der Basis ausgehen müssten. Statt zuerst auf der Ebene der Landes-CDU zu diskutieren, müssten sich diejenigen engagieren, die direkt vor Ort sind: Orts-, Gemeinde- und Kreisverbände.

Die Stimmung an der Basis empfindet Petry trotz des Schocks der Wahlpleite nicht als ärgerlich, sondern als konstruktiv. Die CDU wolle weiter in der bürgerlichen Mitte positioniert bleiben, wo sie mit SPD, Freien Wählern und Grünen um Wählerstimmen konkurriere. Deshalb müsse man sich im ländlichen Raum und in der Stadt mit den je dort wichtigen Themen beschäftigen.

Baldauf habe sich wegen Corona nicht so bekannt machen können

Auch Petry findet, dass Corona eine große Rolle dabei gespielt hat, dass vor allem auch Spitzenkandidat Christian Baldauf sich nicht so bekannt machen konnte, wie es Ministerpräsidentin Malu Dreyer bereits ist."Ich glaube, kein Kandidat der CDU hätte am Sonntag eine Chance gehabt.“

Der Prozess der Erneuerung des Programms und auch der Personen an der Spitze der Partei, so Petry, werde noch lange dauern. Richtig durchstarten könne man wohl erst nach der Bundestagswahl.

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