Günther Schartz von der CDU hat die Stichwahl zum Landrat im Kreis Trier-Saarburg verloren. (Symbolbild) (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Landratswahl in Trier-Saarburg

CDU versucht Schartz-Niederlage zu verarbeiten

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Nach Landtags- und Bundestagswahlen fährt die CDU im Landkreis Trier-Saarburg die nächste Niederlage ein: Landrat Günther Schartz wird von einem SPD-Mann abgelöst. Die Wahlschlappe liegt nicht an der Partei, finden CDU-Mitglieder aus der Region.

Dass SPD-Kandidat Stefan Metzdorf bei der Stichwahl zum Landrat am Sonntag mit zwei Drittel der Stimmen im Landkreis Trier-Saarburg gewonnen hat, war kein Wahlsieg der SPD, sondern eine Abwahl des Amtsinhabers Günther Schartz (CDU) - in dieser Einschätzung sind sich die vom SWR befragten CDU-Mitglieder einig.

Zu sehr habe die Diskussion um die Nebeneinkünfte von Schartz die Medien dominiert. "Das war eine Personenwahl. In diesen Zeiten hat man keine Chance, wenn ein Thema wie das der Nebeneinkünfte die Wahl bestimmt", sagt der CDU-Landtagsabgeordnete Michael Ludwig aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm.

Es sei etliches medial hochgekocht worden, findet Jutta Albrecht, Vorsitzende der Frauen Union Trier. "Es ist schade, dass die 16-jährige Arbeit von Landrat Schartz nicht in gleicher Weise berücksichtigt wurde", so Albrecht.

Jutta Albrecht, Vorsitzende der Frauen Union Trier, wünscht sich, dass die CDU mehr auf die Wählerinnen und Wähler zugeht, den Klimaschutz stärker in den Fokus nimmt und jungen Frauen eine Chance gibt. (Foto: Jutta Albrecht)
Jutta Albrecht, Vorsitzende der Frauen Union Trier, wünscht sich, dass die CDU mehr auf die Wählerinnen und Wähler zugeht, den Klimaschutz stärker in den Fokus nimmt und jungen Frauen eine Chance gibt. Jutta Albrecht

CDU sei regional rund um Trier noch stark

Auch Lars Rieger, Vorsitzender des CDU-Kreisverbands Trier-Saarburg, findet es schade, dass im Wahlkampf die bisherigen Erfolge von Schartz keine Rolle gespielt hätten. Denn für Rieger ist die CDU in der Region nach wie vor erfolgreich. Mit zahlreichen Orts- und Verbandsgemeindebürgermeistern, die die Partei stelle, sei die CDU eine starke kommunale Kraft.

Daher könne man die Lage der CDU in der Region Trier auch nicht mit der Lage der Partei im Land und im Bund vergleichen. Auch hier stimmen Jutta Albrecht und Michael Ludwig zu. Für den Bund fordert Rieger, dass man nicht über Umwege von Jamaika träumen, sondern die Niederlage anerkennen solle.

Lars Rieger, Vorsitzender des CDU-Kreisverbands Trier-Saarburg, wünscht sich in der Bundes-CDU neue Gesichter. (Foto: SWR, SWR Kandidatencheck Landtagswahl 2021. Die Bilder explizit nur im Rahmen der LTW21 verwenden.)
Lars Rieger, Vorsitzender des CDU-Kreisverbands Trier-Saarburg, wünscht sich in der Bundes-CDU neue Gesichter. SWR Kandidatencheck Landtagswahl 2021. Die Bilder explizit nur im Rahmen der LTW21 verwenden.

Mehr Nähe zu den Menschen

Auf der regionalen Ebene wünscht sich Jutta Albrecht aus Trier mehr Impulse von außen und dass die CDU sich nicht mehr nur in den eigenen Kreisen bewege. "Transparent sein, das Ohr mehr an den Menschen haben, um deren Bedürfnisse zu erkennen."

"Es ist schon lange meine Rede, dass wir authentisch sein müssen."

Es müsse jetzt über die Richtung diskutiert werden, so Albrecht. Es gehöre zu einer Demokratie dazu, Kontroversen über Standpunkte offen auszutragen. Sie habe von den Menschen in der Region gehört, dass die CDU durchaus für sie wählbar gewesen wäre, wenn sie sich zum Beispiel bei einem Tempolimit nicht verschlossen hätte.

"Selbstverständlich müssen wir ganz gezielt nach guten Frauen in der Partei Ausschau halten, die sich nicht von selbst ins Gespräch bringen und vielleicht nicht so schnell vorpreschen wie die Männer."

Mehr Beteiligung ermöglichen

Das sieht der CDU-Landtagsabgeordnete Lars Rieger aus Schweich nicht ganz so: "Wenn wir weiblicher werden, wird alles besser - das reicht nicht." Es brauche vor allem junge Menschen, die sich vor Ort engagieren und dort auch bekannt sind. Das könne man erreichen, indem man Listen, etwa zur Stadtratswahl, auch für Nicht-Parteimitglieder öffne.

Und Rieger fände es gut, wenn während Corona erlernte Praxen auch danach genutzt würden, um junge Menschen in die Partei zu holen: "Gremiensitzungen sind immer am Abend und fanden früher öfter auch mal in Kneipen statt. Das ist für junge Mütter und Väter schwierig. Wenn wir das Online abhalten, können mehr Menschen partizipieren."

Mehr Basis und mehr Jugend

Dass es mehr junge Leute in der CDU braucht, findet auch Michael Ludwig: "Ich vergleiche das immer mit dem Sport: Wenn Sie keine A-. B-, C- und D-Jugend haben, haben Sie irgendwann niemanden mehr. Denn dann fehlen Player, die vorne auf dem Platz mitspielen."

Michael Ludwig von der CDU in Bitburg-Prüm sieht in einer größeren Beteiligung der Basis die Zukunft der Partei. (Foto: SWR, SWR Kandidatencheck Landtagswahl 2021. Die Bilder explizit nur im Rahmen der LTW21 verwenden.)
Michael Ludwig von der CDU im Eifelkreis Bitburg-Prüm sieht in einer größeren Beteiligung der Basis die Zukunft der Partei. SWR Kandidatencheck Landtagswahl 2021. Die Bilder explizit nur im Rahmen der LTW21 verwenden.

Es brauche charismatische Köpfe. Um die zu finden müsse es ein Verfahren geben, in dem die Basis stärker einbezogen wird. Und dann brauche es nicht nur eine Person, sondern eine gute Führungsmannschaft, so Ludwig. Gerade bei den noch anstehenden Bürgermeisterwahlen in der Region Trier sei das Thema der Neuaufstellung der CDU allgegenwärtig.

"Wir müssen aufpassen, dass wir kein großes Loch in der Partei bekommen."

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