Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat wohl den Klarnamen eines Missbrauchsopfers in einem öffentlichen Gespräch genannt.  (Foto: SWR)

Ackermann unterzeichnet Unterlassungserklärung

Trierer Bischof darf Namen eines Missbrauchsopfers nicht mehr nennen

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Der Trierer Bischof Stephan Ackermann soll bei einer Konferenz den Namen eines Missbrauchsopfers genannt haben. Dies ist ihm künftig per Unterlassungserklärung verboten.

Die Öffentlichkeit kennt sie unter dem Pseudonym "Karin Weißenfels". Die Mitarbeiterin des Bistums Trier, die vor Jahren mit ihrer Missbrauchsgeschichte bundesweit für Schlagzeilen sorgte.

Die damals junge Frau war in den 1980er-Jahren von einem Priester, ihrem früheren Vorgesetzten, sexuell missbraucht worden und erwartete von ihm ein Kind. Er und ein weiterer Geistlicher überzeugten sie daraufhin, abzutreiben.

Es ist ein Vorfall, unter dem "Weißenfels" laut ihrem Anwalt Oliver Stegman bis heute leidet. Noch verschärft habe ihr seelisches Trauma nun ausgerechnet der Trierer Bischof und Missbrauchsbeauftragte der Kirche Stephan Ackermann. Zunächst hatte der Trierische Volksfreund über den Vorfall berichtet.

Identität vor Pastören und Diakonen enthüllt

Bei einer Videokonferenz im März soll der Bischof den bürgerlichen Namen der Frau gegenüber rund 40 Pastören, Diakonen und weiteren Bistumsmitarbeitern genannt haben. Die Anhörung war eine von 16 internen Gesprächsrunden zum Thema Missbrauch in der Kirche.

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Doch warum hat Ackermann die Identität der Betroffenen enthüllt? Das geht aus dem Protokoll dieser Sitzung hervor: Ihr Name sei im Bistum ohnehin bekannt, ebenso wie die Namen der Täter.

Anwälte haben Vorfall geprüft

"Als unsere Mandantin von diesem Gespräch erfahren hat, hat sie uns gebeten, die Sachlage zu prüfen", sagt Anwalt Oliver Stegmann. Das Ergebnis dieser Prüfung fasst der Anwalt so zusammen: "Der Bischof hat hier klar einen Beitrag geleistet, die Identität unserer Mandantin in der Öffentlichkeit bekannt zu machen."

Damit dies nicht erneut geschieht, hat Stegmann, ein Experte für gewerblichen Rechtsschutz, im Auftrag seiner Mandantin eine sogenannte Unterlassungserklärung aufgesetzt und sie an den Bischof geschickt.

Bischof unterschreibt Unterlassungserklärung

Dieses Dokument verbietet es dem Bischof künftig, den Klarnamen von "Karin Weißenfels" zu nennen. Wenn er dies doch tut, droht eine Geldstrafe.

Ein Gericht ist bei solchen Verfahren nicht zwingend beteiligt. Auch in diesem Fall nicht, wie Stegmann sagt. Denn der Bischof habe die Erklärung bereits unterzeichnet. Nun würden Ackermann noch die Anwaltskosten der Betroffenen von rund 1.700 Euro in Rechnung gestellt.

Weiteres rechtliches Nachspiel möglich

Ob dies die letzten Schritte im Verfahren sind, ist derweil noch offen. Rechtsanwalt Oliver Stegmann sagt im Namen der Betroffenen: "Unsere Mandantin behält sich vor, weitere rechtliche Schritte geltend zu machen."

Weder das Bistum Trier noch der Bischof haben sich bislang zu den Vorwürfen geäußert. Die Pressesprecherin des Bischöflichen Stuhls teilte auf SWR-Anfrage mit, dass derzeit keine Stellungnahme vorgesehen sei.

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