Der Trierer Bischof Stephan Ackermann (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Missbrauchsskandal in der Katholische Kirche

Trierer Bischof lobt Kardinal Marx und appelliert an Benedikt

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Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat die Reaktion von Kardinal Marx auf das Gutachten zur Rolle der Amtsträger im Umgang mit Missbrauchsfällen begrüßt.

Es sei der richtige Weg, dass Kardinal Marx am Donnerstag betont habe, dass er nicht an seinem Stuhl klebe und einen eventuellen Rücktritt erst mit den Gremien bespreche, so Ackermann im SWR-Interview.

Der Trierer Bischof findet es auch wichtig, dass der ebenfalls im Gutachten belastete emeritierte Papst Benedikt noch einmal deutlich sage, dass er damals die Dinge nicht mit der genügenden Aufmerksamkeit und Konsequenz verfolgt habe. Gleichzeitig solle Benedikt noch einmal seine Erschütterung über die verheerenden Folgen, die in den Seelen von Missbrauchsopfern passiert seien, zum Ausdruck zu bringen, so Ackermann.

Marx bittet Opfer um Entschuldigung

Ein vor einer Woche vorgestelltes Gutachten hatte Marx und früheren Münchner Erzbischöfen Fehlverhalten im Umgang mit Fällen von sexuellem Kindesmissbrauch vorgeworfen. In seinem Statement bat der Erzbischof Betroffene und Gläubige um Entschuldigung.

Die Lektüre des 1.800 Seiten langen Gutachtens habe ihn erschüttert und beschämt, so Marx am Donnerstag in München. Das Leid der Betroffenen übersehen zu haben, sei unverzeihlich.

Erzbischof will im Amt bleiben

"Wir sehen ein Desaster", sagte Marx am Donnerstag in München mit Blick auf das vor einer Woche vorgelegte Gutachten zum sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen im Erzbistum. "Ich sehe hier vor allem auch administrative und kommunikative Versäumnisse." In einem Fall räumte Marx ein, nicht wirklich aktiv auf die Betroffenen zugegangen zu sein.

Ob er noch engagierter hätte handeln können - "sicher ja", so Marx. Trotzdem wolle er als Erzbischof zunächst im Amt bleiben.

Erneuerung der Kirche vorantreiben

Das Gutachten über jahrzehntelangen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen muss nach Meinung des Münchner Erzbischofs in den Reformprozess der katholischen Kirche einbezogen werden. Die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs sei Teil einer umfassenden Erneuerung und Reform, wie das der Synodale Weg aufgegriffen hat, so Marx.

Erste personelle Konsequenzen im Bistum München-Freising

Der im Münchner Missbrauchsgutachten stark kritisierte Offizial des Erzbistums München und Freising, Prälat Lorenz Wolf, will nach Angaben von Erzbischof Marx vorerst "alle seine Ämter und Aufgaben ruhen lassen". Mit Wolfs Angebot "bin ich einverstanden", sagte Marx.

Reinhard Marx war von 2002 bis 2008 Bischof in Trier. Danach wechselte er ins Erzbistum München und Freising.

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