Die Kunden suchen sich im Geschäft in St. Vith ihre Böller für Silvester in Deutschland aus. (Foto: SWR, Anna-Carina Blessmann)

Wegen Verkaufsverbot für Böller in Deutschland

Belgischer Feuerwerksladen wird von Deutschen überrannt

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Anna-Carina Blessmann

Knallen an Silvester? Weil bei uns Feuerwerk zwar abgeschossen, aber nicht verkauft werden darf, macht ein Laden in St. Vith jetzt ordentlich Umsatz.

"Unsere Tage sind lang und unser Keller ist leer. Im Moment sind unsere Beine und unsere Nerven teils doch sehr strapaziert", sagt Verkäufer Noah Krämer, ehe er wieder in den Keller läuft, um Nachschub zu holen.

Der Heimwerkermarkt, für den er in St. Vith arbeitet, verkauft das ganze Jahr über Feuerwerkskörper. Wegen der Nähe zur deutschen Grenze gibt es auch immer wieder deutsche Kunden, vor allem aus der Eifel.

Teilweise stehen die Kunden lange in der Schlange, um einen der begehrten Feuerwerkskörper zu ergattern. (Foto: SWR, Anna-Carina Blessmann)
Teilweise stehen die Kunden lange in der Schlange, um einen der begehrten Feuerwerkskörper zu ergattern. Anna-Carina Blessmann

Den Andrang in diesem Jahr hat aber keiner erwartet. Normalerweise würden täglich 50 bis 75 Kunden bedient. Jetzt kämen auch schon mal 250 Menschen an einem Tag, nur um sich für Silvester einzudecken.

"Wir haben gefragt: Wo kommt ihr denn her? Die Leute waren teilweise aus Mainz, Dortmund, die weiteste Anfahrt waren 400 Kilometer, um bei uns Feuerwerk kaufen zu kommen. Das kennen wir so nicht."

Gutes Geschäft mit Feuerwerk

Aus Sicherheitsgründen lagern Böller, Raketen, Knallfrösche und Co. nicht im Verkaufsraum. Die Kunden suchen sich etwas aus und die Verkäufer holen es im Keller. Ein Kollege habe dabei an einem Tag laut Schrittzähler 12 Kilometer zurückgelegt, sagt Krämer.

Die Ausstellungsstücke sind aus Sicherheitsgründen leer. Die Kunden suchen sich aus, was sie haben wollen. Und die Verkäufer laufen dann in den Keller, um es zu holen. (Foto: SWR, Anna-Carina Blessmann)
Die Ausstellungsstücke sind aus Sicherheitsgründen leer. Die Kunden suchen sich aus, was sie haben wollen. Und die Verkäufer laufen dann in den Keller, um es zu holen. Anna-Carina Blessmann

Anstrengend, aber gut für das Geschäft, findet er. Die deutschen Mitbewerber, die dieses Jahr kein Feuerwerk verkaufen dürfen, tun ihm trotzdem leid. Sie hätten die Lager schließlich auch gut gefüllt, können aber nichts absetzen.

"Die deutschen Geschäfte müssen jetzt mit einem weinenden Auge zusehen, wie wir das große Geld machen."

150 Kilogramm Feuerwerkskörper dürfen im Keller ordnungsgemäß gelagert werden. Jeden Tag wird Nachschub geholt, der beim derzeitigen Andrang kaum ausreicht. (Foto: SWR, Anna-Carina Blessmann)
150 Kilogramm Feuerwerkskörper dürfen im Keller ordnungsgemäß gelagert werden. Jeden Tag wird Nachschub geholt, der beim derzeitigen Andrang kaum ausreicht. Anna-Carina Blessmann

Unverständnis bei Kunden

Dass in Deutschland fast so wie im vergangenen Jahr das Böllern eingeschränkt wird, hat einen Grund: Die Lage in den Krankenhäusern ist ohnehin angespannt. Verletzte durch Silvesterkracher sollen da nicht zusätzlich belasten.

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Eine deutsche Kundin, die eine Packung Feuerwerk für den Geburtstag ihres Sohnes kauft, kann den Grund nachvollziehen. Die Regelung versteht sie aber nicht: "Jetzt reisen die Leute für das Feuerwerk nach Belgien. Das kann nicht von Vorteil sein, wenn man die Pandemie eindämmen will."

Auch eine andere deutsche Mutter will ihren Sohn nicht enttäuschen: "Letztes Jahr konnte ich ihm plausibel erklären, dass die Geschäfte zu hatten. Dieses Jahr ist alles möglich, er kann zur Schule, wir gehen einkaufen, wir leben ein ganz normales Leben - und jetzt darf man schon wieder keine Böller in Deutschland kaufen."

Freude über Kauflust - mit Einschränkung

Verkäufer Noah Krämer ist Feuerwerks-Fan und freut sich über den Enthusiasmus der Kunden. Dass manche ein halbes Monatsgehalt dafür ausgeben, kann er aber nicht verstehen. Zwar wollten sie viel verkaufen, manchmal müssten er und seine Kollegen die Kunden aber auch bremsen.

"Manchmal fragt man sich: Wie kommt das, dass man für drei bis vier Minuten Spaß dann so viel Geld in den Himmel ballert? Und dann ist hinterher die große Leere da, wenn es Richtung 2. Januar geht."

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