David Engel vom Engelshof in Hetzerath macht sich Sorgen wegen eines möglichen Gasstopps aus Russland.  (Foto: SWR)

Kein Gas, kein Käse

Molkereien in der Region Trier befürchten Gasstopp

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Christian Altmayer
Foto von Christian Altmayer, Redakteur bei SWR Aktuell im Studio Trier (Foto: SWR)

Milchbauern und Molkereien rechnen mit leeren Käseregalen, wenn Russland kein Gas mehr liefert. Sorgen machen sich in der Region Trier große Konzerne genauso wie kleine Höfe.

Noch laufen die Maschinen im Engelshof. Becher um Becher schiebt sich über das Fließband in der Molkerei in Hetzerath (Landkreis Bernkastel-Wittlich).

"Möglich ist das aber nur mit Gas", sagt Landwirt David Engel. Der Rohstoff wird gebraucht, um Anlagen zu reinigen und zu sterilisieren, um Rohmilch hochzukochen und abzukühlen.

Der Engelshof in Hetzerath vermarktet Milch und Joghurt selbst.  (Foto: Engelshof Hetzerath )
Mitarbeiterin Karin nimmt die Joghurtbecher in Empfang, die am Fließband ankommen. Engelshof Hetzerath Bild in Detailansicht öffnen
Die Milch für die Produkte stammt aus den Eutern dieser Kühe. Rund 100 Stück werden derzeit gemolken. Engelshof Hetzerath Bild in Detailansicht öffnen
Und so sieht der Hof von oben aus. Er befindet sich mitten im Grünen, am Ortsausgang von Hetzerath Richtung Naurath. Engelshof Hetzerath Bild in Detailansicht öffnen

"Wir haben noch eine Reserve im Tank und können damit vielleicht ein paar Wochen überbrücken", sagt der Bauer: "Wenn dann kein Gas mehr nachkommt, können wir gar nichts mehr machen."

Angst vor Lieferstopp aus Russland

Für Engel ist das ein Horrorszenario, aber kein unwahrscheinliches. Denn Deutschland bezieht Gas vor allem aus Russland, genauer: aus der Pipeline Nordstream 1.

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Keine Molkerei kommt ganz ohne Gas aus

Im Notfall kann Engel die Rohmilch seiner rund 100 Kühe immer noch an die Hochwald-Molkerei im Hunsrück verkaufen. Doch auch dort macht man sich Sorgen, wie eine Pressesprecherin sagt.

Bilanz Hochwald Food (Foto: SWR)
Das Hochwald-Werk in Thalfang läuft auch ohne Gas weiter - andere Produktionsstätten des Konzerns nicht.

Zwar könne das Werk in Thalfang mit Öl betrieben werden. Ganz ohne Gas könne der Konzern aber nicht arbeiten.

Milchpulverproduktion in Gefahr

Ähnlich sieht es bei der Großmolkerei Arla aus. Für die Verarbeitung der Milch würden derzeit allein im Werk in Pronsfeld jährlich rund 400 Gigawattstunden Energie benötigt. Das entspricht etwa dem Verbrauch einer Großstadt von etwa 200.000 Haushalten.

Doch auch Arla habe vorgesorgt und sich zu Beginn des Krieges Öl reserviert. "Die meisten typischen Milchprodukte können auf der Grundlage von Heizöl hergestellt werden", erklärt ein Pressesprecher: "und werden daher hoffentlich nicht verschwinden."

Der neue Milchtrockenturm von Arla in Pronsfeld. (Foto: Markus Teubner, Arla)
Das Werk in Pronsfeld (Eifelkreis Bitburg-Prüm) ist das größte der Firma Arla. Markus Teubner, Arla

Probleme könnte es allerdings bei Milchpulver geben, das vor allem an Entwicklungsländer verkauft wird. Hier läuft die Produktion derzeit mit Gas.

Und nach Angaben des Unternehmens würde es wohl ein paar Monate dauern, die Energieversorgung auf Öl umzustellen. So dies denn erforderlich würde. Erst kürzlich hat die Firma in Pronsfeld einen 190 Millionen Euro teuren Turm für die Produktion von Milchpulver gebaut.

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Konzerne wollen zuerst an den Gashahn

Lebensmittelproduzenten wie Arla und Hochwald fordern daher von der Politik, dass sie im Falle eines Lieferstopps Vorrang bei der Gasversorgung bekommen. Andernfalls drohten leere Supermarktregale und viel vergossene Milch.

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Auch der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau sieht die Existenzen der Molkereien und der rund 1400 Milchbauern im Land in Gefahr - und somit die Lebensmittelversorgung.

"Privatpersonen können Kälte mit Kleidung kompensieren. Eine nicht mehr vorhandene Lebensmittelwirtschaft hätte weitreichende Folgen."

Frieren oder hungern im Herbst?

David Engel vom Engelshof sieht die Politik in der Zwickmühle: "Jeder will daheim im Warmen sitzen. Parallel ist aber auch wichtig, dass jeder was zu essen hat. Und es will auch niemand seinen Betrieb schließen."

Engel blickt daher mit Besorgnis in die Zukunft.

"Es wäre möglich, dass die Leute irgendwann mit dem Blechkännchen bei uns Bauern vor der Tür stehen, um sich Milch zu kaufen. Wenn ich darüber nachdenke, bekomme ich Gänsehaut."

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