Trockenheit in RLP: Die Enz in Sinspelt bei Bitburghat wegen des Regenmangels kaum noch Wasser. (Foto: SWR, Lara Bousch)

Sorge um Fische und Pflanzen

Hitze und Dürre: Bäche in Region Trier trocknen aus

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Lara Bousch

Kleine Bäche sind nur noch Rinnsale: Wegen der Hitze und Trockenheit trocknen Bäche in der Region Trier aus. Tiere und Pflanzen verlieren ihren Lebensraum.

Früher sprudelte die Enz in kleinen Wasserfällen über die großen Schieferplatten in ihrem Bett in der Eifel. In dem Nebenfluss der Prüm lebten viele Fische, erzählt Monika Kauth. Sie wohnt schon seit Langem in Sinspelt an der Enz, ein paar Kilometer westlich von Bitburg.

"Es gab auch seltene Fische wie Neunaugen oder Äschen. Aale und Forellen haben wir auch schon in der Enz gefangen. Das war schon ein wirklich schöner Bach."

Monika Kauth, eine Anwohnerin aus Sinspelt, zeigt, wie hoch das Wasser in der Enz normalerweise ist. Sie schätzt, dass ein halber Meter Wasser fehlt. (Foto: SWR, Lara Bousch)
Monika Kauth, eine Anwohnerin aus Sinspelt, zeigt, wie hoch das Wasser in der Enz normalerweise ist. Sie schätzt, dass ein halber Meter Wasser fehlt. Lara Bousch Bild in Detailansicht öffnen
Am Ufer der Enz ragen die Steine aus dem Wasser. Der Rand des Flussbetts ist bereits ausgetrocknet. Lara Bousch Bild in Detailansicht öffnen
Auch für die Pflanzen am Rande der Enz ist die Trockenheit eine Herausforderung. Sie sind eigentlich an eine hohe Feuchtigkeit angepasst. Lara Bousch Bild in Detailansicht öffnen
Letztes Jahr während der Flutkatastrophe stand das Wasser der Enz bis ein Meter unter dieser Brücke. Dieses Jahr ist der Bach so klein wie fast noch nie. Lara Bousch Bild in Detailansicht öffnen
Ein paar Gänse schwimmen noch auf der Enz, sonst findet man hier nicht mehr viele Tiere. Lara Bousch Bild in Detailansicht öffnen

Kein oder kaum noch Wasser

Die aktuelle Trockenheit hat den Bach enorm verändert und seinen tierischen Bewohnern zugesetzt. Gut einen halben Meter Wasser führt die Enz normalerweise. In diesem Sommer ist der Bach nur noch ein Rinnsal. An manchen Stellen führt der Bach nur noch wenige Zentimeter Wasser. Der mangelnde Regen lässt die Enz austrocknen.

Umweltschützer: Viele Bäche trocknen aus

Der Wassermangel in der Enz ist im Moment kein Einzelfall. Viele Gewässer in der Region Trier führen Niedrigwasser oder sind bereits trocken. Das bestätigt Naturschützerin Charlotte Reuter vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

"Dieses Jahr trocknen viele Gewässer vollständig aus, die in den letzten Jahren nicht ausgetrocknet waren. Es gibt eine starke Zunahme an ausgetrockneten Gewässern, Bächen, Tümpeln und Seen."

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Krebse, Schnecken und Würmer sterben

Tiere können den Wassermangel nur überleben, wenn sie sich fortbewegen oder anpassen, erklärt Naturschützerin Reuter.

"Wasservögel, Fluginsekten und Fische können auf andere Bäche mit mehr Wasser ausweichen und später wiederkommen." Viele andere Arten, die im Wasser lebten, müssten sterben - wie zum Beispiel Insektenlarven, Krebse, Schnecken, Muscheln und Würmer. Bis sie wieder im Gewässer vorkämen, könnten Jahre vergehen.

Besonders für Fische sei das Ausweichen in andere Gewässer nicht so einfach. "Wenn der Bach frei ist von Hindernissen können die Fische in die kühleren Oberläufe abwandern. Dort ist das Wasser reicher an Sauerstoff und kühler", so die Expertin.

Sind die Bäche aber verbaut durch Rohre und Wehre, gibt es keine Möglichkeit für Fische, zu wandern.

Auch in einem Zufluss des Grundbachs zwischen Trier-Kernscheid und Franzenheim fließt nur noch ein kleines Rinnsal (Foto: SWR)
Auch in einem Zufluss des Grundbachs zwischen Trier-Kernscheid und Franzenheim fließt nur noch ein kleines Rinnsal.

Niedrigwasser ist auch ein Problem

Je weniger Wasser im Bach fließt, desto schneller erwärmt es sich. Ein Teufelskreis: Desto wärmer das Wasser, desto niedriger der Sauerstoffgehalt. Irgendwann kann das Gewässer auch "umkippen", wenn kein Sauerstoff mehr darin ist. Dann sterben die Wassertiere, weil sie nicht mehr atmen können.

"Wir müssen uns daran gewöhnen, dass sich die Bäche, die wir aus unserer Kindheit kennen, verändern."

Artensterben in Bächen verhindern

Man könne aber viel tun, um dem Artensterben in den Bächen entgegenzuwirken, sagt die Naturschützerin vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. So profitierten Gewässer von Schatten. "Es sollten mehr Bäume am Ufer gepflanzt werden." Man müsse den Bächen auch mehr Platz an ihren Ufern lassen durch größere Randstreifen. So könne weniger Dünger ins Wasser gelangen.

Auch die Durchgängigkeit der Flüsse auszubauen sei wichtig, damit die Fische wandern könnten. Kläranlagen müssten umweltfreundlicher werden, damit weniger Schadstoffe ins Wasser gelangten. "Bestenfalls werden Flüsse und Bäche renaturiert und aus ihrem künstlichen Bett herausgeholt", so Naturschutzreferentin Charlotte Reuter.

All das könne dazu beitragen, dass auch im Hochsommer wieder viel kühles Wasser durch kleine Bäche in Eifel und Hunsrück fließt.

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