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Die Anwohner von Trier-Filsch sind sauer. Immer wieder donnern Kampfjets zur Mittagszeit über ihre Köpfe hinweg.

Als Stefan Recktenwald aus der Innenstadt nach Trier-Filsch zog, freute er sich auf ruhige Stunden im Garten mit seiner Familie. Doch es stellte sich bald heraus, dass das ein Traum bleiben würde. Regelmäßig würden Kampfjets der U.S. Airbase Spangdahlem, der Bundeswehr und Militärmaschinen anderer Nationen über Filsch hinwegfegen, erzählt er.

"Die Jets sind häufig so laut, dass man sich draußen gar nicht mehr unterhalten kann. Drinnen hört man sie auch laut, was besonders dann stört, wenn die Kinder schlafen sollen."

Bürgerinitiative gegen Fluglärm sammelt Flugdaten

Bereits vor 20 Jahren hat sich die "Bürgerinitiative gegen Fluglärm, Bodenlärm und Umweltverschmutzung" rund um die Flugübungszone, genannt "Tra Lauter", gebildet. Diese erstreckt sich über die Pfalz, Mosel und Saar. Ziel der Bürgerinitiative ist es unter anderem, den militärischen Flugverkehr zu reduzieren.

Auch Stefan Recktenwald ist Mitglied in der Bürgerinitiative. Auf einem Fensterbrett an seinem Haus steht eine kleine Antenne, die er von der Bürgerinitiative bekommen hat. Diese sammelt laut seiner Aussage Daten von den Flugzeugen, die über Filsch hinwegfliegen und speist diese dann zum einen in eine globale Flugdatenbank und eine Datenbank der Bürgerinitiative ein. Daraus erstelle die Bürgerinitiative dann Grafiken, um aufzuzeigen, wo welche Flugzeuge wann unterwegs gewesen sind.

Stefan Recktenwald aus Trier-Filsch hat eine kleine Antenne, die Flugdaten erfasst. (Foto: Stefan Recktenwald)
Die kleine Antenne, die Stefan Recktenwald von der Bürgerinitiative bekommen hat, erfasst die Daten der Flugzeuge und speist diese dann sowohl in eine globale Flugdatenbank als auch in eine Datenbank der Bürgerinitiative ein. Die Bürgerinitiative erstellt daraus dann Grafiken, die zeigen, wann und wo welches Flugzeug unterwegs war. Stefan Recktenwald

Nutzung der "Tra Lauter" leicht angestiegen

Nach Angaben eines Sprechers des Luftfahrtamtes der Bundeswehr ist die Anzahl der Nutzungsstunden der "Tra Lauter" im Jahr 2020 um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Grund dafür sei, dass ein erhöhter Ausbildungsbedarf vorliege. Jedoch habe sich die Belastung der Bevölkerung durch temporäre Verlegungen der in Spangdahlem stationierten U.S. Air Force ins Ausland reduziert. Außerdem seien die Öffnungszeiten der Flugzone verkürzt worden. So werde freitags eine Stunde weniger geflogen.

"Dass freitags nur noch bis 12 anstatt 13 Uhr geflogen werden darf, ist für mich Schönschminkerei."

"Zahlen der Bundeswehr sind nicht transparent"

Stefan Recktenwald sieht die von der Bundeswehr genannten Entlastungen kritisch. Die Zahlen des Luftfahrtamtes der Bundeswehr seien nicht korrekt. Es seien viel mehr Flugzeuge unterwegs, als die Zahlen widerspiegeln würden. Das liegt daran, dass laut des Luftfahrtamtes "gemäß den internationalen Vorschriften für den Luftverkehr Verbands- bzw. Formationsflüge ungeachtet der Anzahl der beteiligten Luftfahrtzeug als jeweils ein Luftfahrzeug betrachtet werden".

Angst vor Abstürzen ist immer da

Joachim Gilles ist der Ortsvorsteher von Trier-Filsch. Auch er hört die Flugzeuge deutlich, wenn er in seinem Garten ist. Die Militärmaschinen machten ihm Angst, sagt er. Denn um 1990 sei ein Tank einer amerikanischen Maschine abgestürzt - nicht weit von Filsch entfernt. Er befürchtet, dass sich das oder Schlimmeres wiederholen könnte.

Absturzstelle des Zusatztanks einer amerikanischen Militärmaschine bei Filsch, Korlingen und Irsch. (Foto: Joachim Gilles)
So berichtet Joachim Gilles: "Die Absturzstelle des Zusatztanks einer amerikanischen Militärmaschine zwischen Filsch, Korlingen und Irsch musste Anfang der 1990er Jahre aufwendig dekontaminiert werden. Neben der L 143 in Höhe der Abfahrt Korlingen erkennt man mehrere Militärfahrzeuge. Weiter rechts im Bild sieht man die Absturzstelle, wo das Erdreich abgetragen werden musste." Joachim Gilles

Die Unsicherheit, ob die Militärflugzeuge, die über Filsch hinwegfliegen, bewaffnet sind oder nicht, bereite ihm Sorgen.

2019 war in Zemmer-Roth ein Kampfjet der U.S. Airbase Spangdahlem abgestürzt.

Beschwerden bei der Bundeswehr haben zugenommen

Schon oft haben sich Stefan Recktenwald und Joachim Gilles bei der Bundeswehr beschwert. Zurück sei nur ein bereits vorgefertigtes Formular gekommen, in dem man sich entschuldige und gleichzeitig auf notwendige Flüge hinweise, sagen beide.

Dass sich immer mehr Menschen über den Fluglärm beschweren, zeigen die Zahlen des Luftfahrtamtes der Bundeswehr. Während dort 2019 noch 9.774 Beschwerden eingegangen waren, stieg die Zahl 2020 auf 16.752 an. Die meisten Beschwerden kamen nach Angaben des Amtes von der Bürgerinitiative. Zudem hätten sich Einzelpersonen mehrfach beschwert.

Die Hoffnung auf mehr Stille stirbt zuletzt

Stefan Recktenwald und Joachim Gilles haben die Hoffnung, dass in ihrem Garten irgendwann Ruhe einkehren wird, noch nicht aufgegeben. Die Resolution des Stadtrates zur Reduzierung des Fluglärms im vergangenen November sei ein wichtiger Schritt gewesen. Doch es müsse viel mehr passieren, sagt Stefan Recktenwald. Das Land und der Bund seien in der Pflicht. Er fordert, dass die Flugstunden weiter reduziert werden und beispielsweise ein flugfreier Tag eingeführt wird.

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