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Annika aus Trier-Euren hat Mika schon als Kälbchen gefüttert. Er stammt aus einem Milchvieh-Betrieb. Als er zum Schlachter soll, fasst Annika sich ein Herz.

Wenn Annika Schwarz den Stall in Hockweiler (Kreis Trier-Saarburg) betritt, dann begrüßt Ochse Mika sie schon mit einem lauten Muhen. Die beiden sind seit seiner Geburt ein Herz und eine Seele. Damals hat sie das kleine Kälbchen mit Stroh trocken gerieben und ihm seine erste Milch gegeben. Anfangs kommt sie zweimal am Tag auf den Hof in Hockweiler, um Mika mit der Flasche zu füttern. Inzwischen ist Mika etwas mehr als ein Jahr alt – und um einiges größer. Dabei schien sein Schicksal zunächst besiegelt.

Annika aus Hockweiler geht mit ihrem Ochsen Mika oft spazieren (Foto: SWR, Lena Bathge)
Annika aus Hockweiler geht mit ihrem Ochsen Mika oft spazieren Lena Bathge

Bullenkälber von Milchkühen landen auf der Schlachtbank

Als Bullenkalb einer Milchkuh drohte Mika nämlich die baldige Schlachtung. Wie viele andere Nutztierrassen auch, sind Milchkühe vor allem auf einen Zweck gezüchtet: Möglichst viel Milch geben. Deshalb setzen sie auch nicht so viel Masse an wie Rinder für die Fleischproduktion.

Suche nach einem Platz auf einem Gnadenhof

Das lässt Annika Schwarz aus Trier-Euren keine Ruhe. Nachdem sie sich vergeblich um einen Platz auf einem Gnadenhof für Mika bemüht hat, nimmt sie die Sache selbst in die Hand. Kurzerhand kauft sie Mika dem Milchbauern ab und bringt den Ochsen in einem benachbarten Reitstall unter.

"Ich würde ihn für kein Geld der Welt eintauschen. Er ist schon was Besonderes. Ich war von Tag eins da und da wäre eine Welt für mich zusammengebrochen"

Annika Schwarz, Besitzerin von Mika

Seinen Unterhalt bringt sie über ein Spendenkonto und einen Teil ihres Gehalts auf. Mittlerweile schmeckt ihm auch das Gras auf der Wiese gut. Nur die Sache mit dem Zaun muss er noch lernen, erzählt Annika Schwarz:

"Wenn er mich aus den Augen verliert, dann kannst du bis drei zählen, dann bricht er da durch.“

Annika Schwarz über Mika

In Hockweiler und Umgebung kann man die beiden bei ihren ausgedehnten Spaziergängen inmitten der Wiesen und Felder treffen, gelegentlich auch vor dem Supermarkt in Tarforst. Im Sommer plant sie, Mika einzureiten. Denn Annika arbeitet in der Jugendhilfe und würde Mika gerne in Zukunft als Therapie-Ochsen nutzen. Dass er ein Gespür für ihre eigene Gefühlslage hat, davon ist Annika Schwarz überzeugt.

"Jedes Mal, wenn ich keine Energie habe, komme ich hier hin. Meine Tiere laden meinen Akku wieder neu auf und die geben mir wirklich viel. Ohne meine Tiere wäre ich auf jeden Fall ein anderer Mensch. Ja, er ist meine Powerbank.“

Annika Schwarz, Besitzerin von Mika
Annika aus Euren plant, Mika als Therapie-Ochsen einzusetzen (Foto: SWR, Lena Bathge)
Annika aus Hockweiler plant, Mika als Therapie-Ochsen einzusetzen Lena Bathge
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