Angeklagter im Prozess um die Trierer Amokfahrt (Foto: SWR)

Zeugen vor dem Landgericht

Angeklagter im Prozess zur Amokfahrt Trier wollte eine Waffe haben

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Im Prozess um die Amokfahrt haben Zeugen ausgesagt, dass der Angeklagte vor der Tat versuchte, an eine Waffe zu kommen. Das Landgericht Trier befragte Bekannte und Freunde des Mannes.

Zwei Zeugen gehörten zu einer Reihe von Kneipenbekanntschaften, die Mittwoch aussagten. Sie lobten den mutmaßlichen Amokfahrer als guten Freund. Erst auf Nachfrage der Richterin und der Opferanwälte räumten sie ein, dass der Angeklagte auch eine dunkle und aggressive Seite hatte - vor allem, wenn er betrunken war. Was er dann sagte und tat habe man aber nicht ernst genommen, sagten die Bekannten vor Gericht.

Unter anderem habe er gesagt, er wolle seine Schwester erschießen. Auch habe er geäußert, dass man noch von ihm hören werde. Vor Gericht sagten die Männer nur nach mehrfachem Nachfragen der Richterin und der Anwälte der Nebenklage aus. Sie hätten vor dem Verbrechen keine Notwendigkeit gesehen, wegen des Alkoholproblems des Angeklagten und seiner Drohungen etwas zu unternehmen, sie hätten das nicht ernst genommen.

Zeuge: Angeklagter lebte zeitweise in Gartenlaube

Als Zeuge sagte auch ein Mann aus, dessen Vater den Angeklagten in seiner Gartenlaube in Zewen übernachten ließ. Der Zeuge sagte, sein Vater sei im Jahr 2012 beim Spaziergang mit seinen Hunden am Moselufer auf den Mann aufmerksam geworden. Er habe in einem Schlafsack auf einer Bank geschlafen. Damit er nicht erfriert, habe er ihm angeboten, in der Gartenlaube zu schlafen.

Bei einem Streit mit einem Nachbarn in der Kleingartensiedlung Trier-Zewen wurde der Vater des Zeugen erschossen. Er starb in den Armen des jetzigen Angeklagten, sagte der Zeuge unter Tränen aus. Der Mann habe ihm später sehr geholfen, die Gartenlaube zu räumen. Danach habe sich der Kontakt aber verloren, weil er nach dem Tod seines Vaters Zewen gemieden habe.

Ex-Freundin: Angeklagter war früher nicht gewalttätig

Eine andere Zeugin wollte zunächst den Gerichtssaal nicht betreten. Die Frau hatte Mitte der 90er Jahre eine Beziehung mit dem Angeklagten. Von der Richterin befragt, reagierte sie äußerst reserviert, sagte, sie könne sich nach der langen Zeit nicht erinnern. Man sei kurz zusammen gewesen, sie habe auch mit dem jetzt Angeklagten und seiner Mutter zusammen gelebt. Dann sei die Beziehung aber gescheitert und man habe sich getrennt. Obwohl sie noch immer in Zewen lebe, sei sie dem Angeklagten nie wieder begegnet. Er sei ihr gegenüber nicht gewalttätig geworden. Damals habe er auch noch ein gutes Verhältnis zu seiner Schwester gehabt.

Notfallseelsorgerin betreut Zeugin

Der Frau war sichtlich unangenehm, dass sie als Zeugin aussagen musste. In einer kurzen Pause wurde sie von einer Notfallseelsorgerin betreut. Die Verteidigung des Angeklagten teilte mit, dass der Angeklagte Zweifel an der Identität der Zeugin habe. Die Richterin prüfte daraufhin den Personalausweis der Zeugin, bat sie, kurz die Maske auszuziehen. Als geklärt war, dass die Identität der Zeugin korrekt war, wurde sie weiter befragt.

Zeugin weist wirre Gerüchte zurück

Der Angeklagte hatte offenbar vor etwa 10 Jahren verbreitet, sie stamme vom Luxemburgische Großherzog ab. Die Zeugin sagte, sie habe von den Gerüchten gehört, daran sei aber nichts wahr. Sie habe mit dem Angeklagten seit Mitte der 90er Jahre keinen Kontakt mehr gehabt und sei ihm auch nicht mehr begegnet.

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