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Gut eine Woche nach der Amokfahrt von Trier mit fünf Toten und zahlreichen Verletzten schweben immer noch drei Menschen in Lebensgefahr.

Insgesamt würden noch fünf Verletzte stationär im Krankenhaus behandelt, sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) am Mittwoch im Innenausschuss des Mainzer Landtags. Das Motiv des festgenommenen Fahrers sei weiter unklar. Alles deute auf die Tat eines Einzeltäters hin.

Am Stand der Ermittlungen habe sich nichts verändert. Eine Sonderkommission soll die exakte Fahrtstrecke rekonstruieren und die Reihenfolge der Tötungen und Verletzungen nachverfolgen. Bislang seien bei der Polizei mehrere Dutzend sachdienliche Hinweise eingegangen. Bei der Amokfahrt waren am 1. Dezember fünf Menschen, darunter ein Baby, getötet und zahlreiche weitere verletzt worden. Der 51-jährige Fahrer wurde von der Polizei festgenommen. Einen Tag später wurde Haftbefehl wegen Mordes erlassen.

Weiterer Gedenkgottesdienst geplant

In der Innenstadt von Trier gedenken die Menschen auch eine Woche nach der Amokfahrt der Opfer. Nach Angaben des Bistums soll es einen weiteren Gedenkgottesdienst geben. Wann dieser stattfinden soll, stehe allerdings noch nicht fest. Am zentralen Ort der Trauer, der Porta Nigra, brennen die Kerzen großflächig weiter, aber auch als Lichter-Inseln in der Fußgängerzone - an jenen Stellen, an denen der Amokfahrer vergangenen Dienstag fünf Menschen tötete.

Am Hauptmarkt, an dem das Baby und sein Vater starben, oder in der Simeonstraße, wo eine 25-jährige Studentin in den Tod gerissen wurde, stehen Blumen und Kerzen. Zweimal am Tag gehen Mitarbeiter des Grünflächenamtes zu den Gedenkstellen und schauen nach dem Rechten. Sie zünden Kerzen wieder an, die ausgegangen sind. Oder stellen die wieder auf, die der Wind umgeblasen hat.

Amokfahrt Trier: Kerzen und Blumen an der Porta Nigra (Foto: SWR)
An der Porta Nigra halten immer wieder Menschen inne, um der Opfer der Amokfahrt zu gedenken.

Trier rückt enger zusammen

Das schreckliche Ereignis hat Trier enger zusammenrücken lassen. "Die Anteilnahme ist immens groß", sagt Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD). Viele Bürger hätten das Gefühl, dass auch sie selbst hätten Opfer werden können. "Das schweißt zusammen", sagt er. Es habe bislang Tausende Beileidsbekundungen über soziale Medien und 330 Schreiben aus aller Welt gegeben.

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Große Hilfsbereitschaft in Trier

Im Laufe der Woche haben viele Menschen Hilfsaktionen für die Opfer gestartet. So wollen unter anderem Sportler aus der Region Trier Fanartikel versteigern und Künstler ihre Kunstwerke. Auf dem von der Stadt Trier eingerichteten Spendenkonto kamen bisher mehr als 420.000 Euro zusammen.

"Ich bin sprachlos und überwältigt über die große Anteilnahme und danke allen, die uns in dieser schweren Zeit mit Trost, Zuspruch und Hilfsangeboten unterstützen", sagte Oberbürgermeister Leibe. Er bat darum, weitere Aktionen zum Gedenken oder zur Unterstützung abzustimmen. "Wir stehen in Kontakt mit den Angehörigen der Opfer und werden alle weiteren Schritte mit ihnen besprechen", erklärte Leibe. "Ihre Perspektive ist bei allen weiteren Fragen des Trauerns und Gedenkens die entscheidende."

Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) sitzt bei "Ein Herz für Kinder" am Spendentelefon (Foto: Matthias J. Berntsen)
Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) sitzt am Samstag in der ZDF-Sendung "Ein Herz für Kinder" am Spendentelefon Matthias J. Berntsen

Menschen wollen "über das Unfassbare" sprechen

Nach der Tat haben viele Menschen "über das Unfassbare" sprechen wollen, wie ein Sprecher der Polizei Trier sagt. "Unzählige" seien zu einer Anlaufstelle auf dem Hauptmarkt gekommen, wo sie mit Polizisten und Notfallseelsorgern reden konnten. "Die Resonanz war überwältigend." Sie hätten ihre Beobachtungen geteilt und erzählt, was sie belastete. Die Helfer, noch bis Dienstagabend vor Ort, vermittelten auch oft professionelle Hilfe.

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