Der wegen fünffachen Mordes Angeklagte sitzt im Gerichtssaal des Landgerichts Trier. (Foto: SWR)

Prozesstag am Landgericht Trier ist beendet

Amokfahrt-Prozess Trier: Angeklagter schweigt

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Der Prozess zur Amokfahrt vom 1. Dezember 2020 hat begonnen. Zum Prozessbeginn schweigt der Angeklagte.

Die 15 Seiten lange Anklageschrift ist verlesen. Der Angeklagte saß zu seinem eigenen Schutz hinter einer mobilen Panzerglasscheibe. Zu Beginn des Prozesses wirkte er noch angespannt, später fast eher selbstbewusst. Er selbst wollte zu Prozessbeginn keine Aussage machen. Auch die Verteidigung schwieg und machte keine Angaben zur Person oder der Sache. Damit wurde die Hauptverhandlung geschlossen.

Am nächsten Verhandlungstag, am 3. September, sollen die ersten Zeugen gehört werden. Zuerst würden die Polizistinnen und Polizisten, die vor Ort waren, aussagen.

Oberstaatsanwalt: Es sind noch viele Fragen offen

Der Angeklagte muss sich wegen fünffachen Mordes und 18-fachen versuchten Mordes vor dem Landgericht in Trier verantworten. Laut Oberstaatsanwalt Eric Samel sieht das Gesetz für Mord eine lebenslange Haftstrafe vor. Jedoch seien in der Hauptverhandlung noch viele andere Dinge zu klären, wie beispielsweise die Frage der eingeschränkten oder aufgehobenen Schuldfähigkeit. Zudem müsse auch geklärt werden, ob es zu einer anschließenden Sicherungsverwahrung oder der Unterbringung in einer Klinik kommen werde.

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Der Oberstaatsanwalt geht davon aus, dass die Verhandlung mindestens die vorgesehenen 26 Prozesstage dauern wird. Grund dafür seien die hohe Anzahl der Zeugen und die vielen Beweismittel.

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Anwalt: Prozess ist dem Angehörigen und Nebenkläger wichtig

Rechtsanwalt Otmar Schaffarczyk vertritt Wolfgang Hilsemer, dessen Schwester bei der Amokfahrt getötet wurde. Er tritt als Nebenkläger auf. Vor dem Prozess sagte Schaffarczyk, für Wolfgang Hilsemer sei dieser Prozess wichtig, um den Vorfall weiter verarbeiten zu können.

Nach dem Prozess sagte Otmar Schaffarczyk, dass dieser Tag Wolfgang Hilsemer sehr mitgenommen habe. Hilsemer selbst sagt, er habe sich eine Antwort auf die Frage "Warum?" gewünscht. Diese habe er aber nicht erhalten.

Nebenklage fordert Einblick in psychiatrisches Gutachten

Otmar Schaffarczyk erklärte, er habe beantragt, dass die Nebenklage Einsicht in das psychiatrische Gutachten bekomme. Das sei ihm bis dahin verweigert worden und müsse nun von der Kammer entschieden werden. Das Gutachten sei jedoch ein wichtiger Aspekt, weil daran auch die Schuldfrage gekoppelt sei.

Kaum Nebenkläger zum ersten Prozesstag erschienen

Zum ersten Prozesstag sind kaum Nebenkläger erschienen. Diese wurden durch ihre Anwälte vertreten. Grund dafür sei, dass sich einige beispielsweise noch in der Reha befänden.

Großer Medienandrang

Bereits in den frühen Morgenstunden standen die ersten Journalistinnen und Journalisten vor dem Gerichtsgebäude, um einen der Plätze im Gerichtssaal zu bekommen. Bald hatte sich eine relativ lange Schlange gebildet. Neben Medienvertretern standen dort auch einzelne Besucher und Augenzeugen.

Amokfahrt-Prozess: Schlange vor Landgericht Trier (Foto: SWR, Lena Bathge)
Vor dem Besucher- und Journalisteneingang am Landgericht Trier haben sich schon zahlreiche Medienvertreter sowie einzelnen Besucher und Augenzeugen eingefunden. Einige Journalistinnen und Journalisten standen bereits in den frühen Morgenstunden vor dem Gericht, um einen der begrenzten Plätze zu ergattern. Lena Bathge

Nur begrenzte Platzanzahl für Besucher und Medienvertreter

Die meisten in der Schlange waren Journalistinnen und Journalisten. Insgesamt standen ihnen aber nur 13 Plätze zur Verfügung. 60 Journalistinnen und Journalisten von 15 Medienunternehmen sind laut dem Landgericht Trier akkreditiert.

Für die Besucher waren 23 Plätze reserviert. Allerdings waren weniger Besucher als erwartet gekommen, sodass einige Pressevertreter auf Besucherplätzen sitzen konnten, so eine Sprecherin des Landgerichts.

Der Prozess fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Besucherinnen und Besucher mussten durch eine Sicherheitsschleuse und ihre Ausweise vorlegen, die fotografiert wurden.

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Staatsanwaltschaft geht von persönlichen Motiven aus

Wenige Wochen vor Weihnachten war die Fußgängerzone gut besucht. Der Angeklagte war laut Staatsanwaltschaft um 13:45 Uhr aus Richtung Basilika kommend rechts in die Fußgängerzone eingebogen. Dort beschleunigte er sein Fahrzeug stark und fuhr mit hoher Geschwindigkeit durch die gesamte Fußgängerzone.

In der Trierer Innenstadt hat es am Dienstagnachmittag eine mutmaßliche Amokfahrt gegeben. (Foto: SWR)
Rettungskräfte versorgen in der Fußgängerzone Verletzte.

Auf seinem Weg sei er wahllos und gezielt auf Passanten zugesteuert, heißt es in der Anklage. Der Fahrer war nur wenige Minuten nach der Tat in der Nähe der Porta Nigra festgenommen worden. Bislang hat er sich zu seinem Motiv noch nicht geäußert. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er aus persönlichen Motiven handelte.

Fünf Menschen verloren das Leben

Bei der Amokfahrt verloren fünf Menschen ihr Leben, darunter ein 45-jähriger Familienvater und sein neun Wochen altes Baby. 24 Menschen wurden verletzt, einige davon schwer.

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Amokfahrt hat Triererinnen und Trierer schwer getroffen

Die Tat hatte in Trier große Bestürzung ausgelöst. Viele Menschen kamen an die Orte, wo Menschen gestorben waren, und legten Blumen nieder.

Amokfahrt Trier: Kerzen und Blumen an der Porta Nigra (Foto: SWR)
Überall in der Trierer Fußgängerzone stellten Menschen nach der Amokfahrt Kerzen auf, um der Opfer zu gedenken - vor allem vor der Porta Nigra.
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