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Seit der Eröffnung des Amazon-Verteilzentrums vor einigen Monaten haben sich im Gewerbegebiet Trierweiler die Verkehrsprobleme verschärft. Davon berichten Anwohner und Firmen.

Oliver Trampert schaut von seinem Firmengelände im Gewerbegebiet Trierweiler auf den großen Nachbarn auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Seit der Online-Versandhändler Amazon dort Ende 2020 sein Verteilzentrum eröffnet hat, gab es schon einige Male Grund zur Beschwerde.

In der Anfangsphase hätten Zubringerbusse die Amazon-Mitarbeiter in seinem Einfahrtsbereich abgesetzt oder abgeholt. Das habe sich deutlich gebessert. Inzwischen finde das auf dem Amazon-Werksgelände statt. Ein Problem seien aber immer noch die Lieferfahrzeuge, die Paketsendungen aus dem Amazon-Verteilzentrum zu den Kunden nach Hause bringen.

Fremde Einfahrten werden blockiert

"Laut Amazon ist es eigentlich geplant, dass die Fahrzeuge das Werksgelände verlassen und die von Amazon geplanten Touren aufnehmen", sagt Trampert. Tatsächlich hielten diese Subunternehmer aber gleich, nachdem sie das Amazon-Gelände verlassen haben, irgendwo am Straßenrand an. Dort werde dann die Lieferung neu sortiert oder zwischen verschiedenen Fahrzeugen umverteilt.

"Da dieses Umsortieren von Amazon auf dem eigenen Gelände nicht gewünscht wird, werden dann Einfahrten und Betriebsgelände anliegender Betriebe blockiert", sagt Trampert. Momentan sei Ruhe, weil er eine Baustelle vor dem Haus habe. Jetzt finde das Umsortieren einige Straßen weiter statt. Er fürchte aber, dass nach dem Ende der Baustelle alles wieder losgehe und sein Betriebsgelände betroffen ist.

Amazon soll Subunternehmer zur Vernunft bringen

"Unserer Meinung nach muss sich die Depotleitung von Amazon mehr mit ihren Subauftragnehmern in Verbindung setzen, die Probleme hier im Bereich kommunizieren und versuchen entsprechend abzustellen", meint Trampert. Außerdem müsse der Verkehr von Ordnungsamt und Polizei besser überwacht und gegebenenfalls bestraft werden.

Schon vor der Ankunft von Amazon habe es durch das Wachstum der Betriebe Schwierigkeiten auf den Straßen des Gewerbegebietes gegeben, sagt Trampert. Seit der Online-Versandhändler da sei, hätten sich die ohnehin bestehenden Verkehrsprobleme aber verschärft.  

Das Gewerbegebiet habe nur eine Hauptzufahrt. Das Amazon-Verteilzentrum befinde sich am gegenüberliegenden Ende des Gewerbegebietes. Um das Gewerbegebiet auf regulärem Wege zu verlassen, müssen die Lieferfahrzeuge also einmal quer hindurchfahren.  

Abkürzung durch die Anliegerstraße

Dass in das Gewerbegebiet hinein und wieder heraus unzulässige Abkürzungen gefahren werden, gibt es laut Anwohner Frank Klasen schon seit Jahren. Das habe nicht mit Amazon angefangen. Allerdings sei die Situation mit deren Ankunft noch schlimmer geworden.

Klasen wohnt in der Weidenstraße. Links und rechts stehen Wohnhäuser. An der engsten Stelle dieser Straße haben bereits zwei Pkw Probleme aneinander vorbeizukommen.

Mit dem Kleintransporter durch den Vorgarten

Die Weidenstraße ist eigentlich klar gekennzeichnet. Die Verkehrszeichen signalisieren, dass eine Durchfahrt für Nicht-Anlieger nicht zulässig ist. Trotzdem werde die Straße ständig von Lastwagen und Lieferfahrzeugen befahren, sagt Klasen. Auch nachts. Für Sattelzüge gebe es kaum ein Durchkommen, zumindest nicht ohne Beschädigungen.

"Wenn man die Kurve nicht genau erwischt, entweder geht’s dann hier bei mir Richtung Vorgarten, dass sie an die Steine kommen, die Steine umfahren bzw. es haben auch schon Kleintransporter dringestanden", sagt Klasen. Eine Lösung wäre seiner Meinung nach eine viel bessere Beschilderung, damit die Weidenstraße noch klarer als Anliegerstraße gekennzeichnet wird.

Die Weidenstraße ist eigentlich klar gekennzeichnet. Die Verkehrszeichen signalisieren, dass eine Durchfahrt für Nicht-Anlieger nicht zulässig ist.  (Foto: SWR)
Die Weidenstraße ist eigentlich klar gekennzeichnet. Die Verkehrszeichen signalisieren, dass eine Durchfahrt für Nicht-Anlieger nicht zulässig ist.

Abkürzungen über den Wirtschaftsweg

Abgekürzt wird aber nicht nur durch die Weidenstraße. Viele Fahrzeuge nutzen auch einen Wirtschaftsweg, der das westliche Ende des Gewerbegebietes gleich hinter Amazon mit einer Landesstraße verbindet. Auch dort ist eigentlich kein Durchgangsverkehr zulässig und trotzdem wird die Straße stark befahren. Damit soll demnächst Schluss sein.

Wie das Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Trier-Land dem Südwestrundfunk bestätigte, hat die Ortsgemeinde beantragt, dass eine Schranke aufgebaut wird. Dem Antrag werde auch stattgegeben. Außerdem lässt die Verbandsgemeinde ein Verkehrskonzept für das Gewerbegebiet erstellen. Schon Ende April soll es vorliegen.

Fahrer folgen dem Navigationssystem

"Die Beschwerden sind schon berechtigt, also es ist schon mehr geworden durch Amazon-Fahrzeuge, aber es ist ein Problem, das schon immer da war", sagt Werner Greif, Vorsitzender des Gewerbevereins Trierweiler. Greif ist der Ansicht, dass viele Fahrer zumindest beim ersten Mal aus Versehen über den Wirtschaftsweg oder durch die Anwohnerstraße fahren, weil sie ihrem Navigationssystem folgten.

Viele Fahrer bögen zu früh ab. Dann ständen sie an einer Kreuzung im Norden des Gewerbegebietes und wüssten nicht weiter. Einige folgten dann weiter dem Navigationssystem und kämen über den Wirtschaftsweg oder über die Weidenstraße ins Gewerbegebiet.

"Das wäre etwas zu lindern, wenn wir eine anständige Beschilderung hier hinbekämen", meint Greif. Man müsse sie, gleich nachdem sie falsch abgefahren sind, mit geeigneten Schildern wieder zur Bundesstraße zurück und zur richtigen Zufahrt des Gewerbegebietes leiten.

Wirtschaftsweg zur zweiten Zufahrt machen

Matthias Daleiden ist Erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Trier-Land und war früher Ortsbürgermeister von Trierweiler. Er kennt die Situation im Gewerbegebiet seit vielen Jahren. "Diese Verstöße jetzt durch die Umladerei als auch das Fahren in verbotenen Zonen - das hat sich natürlich erheblich ausgeweitet, nachdem sich Amazon angesiedelt hat. Das muss man einfach sagen", meint er.

Mit Polizei und Ordnungsamt, die ja bereits im Rahmen der Möglichkeiten kontrollierten, oder mit Schildern könne man das Fehlverhalten der Fahrer aber nicht vollständig in den Griff bekommen.

"Das sind Subunternehmer, die sehr schnell irgendwo sein müssen, und dann ist jede Minute kostbar, und das nutzen die halt entsprechend aus", sagt Daleiden. Auf Dauer sei eine zweite Zufahrt zum Gewerbegebiet erforderlich und diese Möglichkeit biete sich auch.

Damit meint er jenen Wirtschaftsweg, der nun demnächst mit einer Schranke gesperrt werden soll. "Wenn man diese Straße als Gemeindestraße ausbauen würde mit entsprechenden Kreuzungsanbindungen, dann denke ich hätte man das Problem weitestgehend gelöst."

Amazon will ein "guter Nachbar" sein

Auf die verschärften Probleme im Gewerbegebiet Trierweiler angesprochen, hat Amazon gegenüber dem Südwestrundfunk erklärt, man wolle ein "guter Nachbar" sein. Dazu gehöre auch, das man offen für Fragen sei. "Bei Anregungen sind wir stets erreichbar und freuen uns über den Dialog. Wir stehen im guten Austausch mit den zuständigen Behörden und der Stadt zur Verkehrssituation im Gewerbegebiet."

Auf die Frage nach konkreten Maßnahmen teilte ein Sprecher mit, man habe sich bei den Nachbarn in unmittelbarer Nähe vorgestellt und Kontaktdaten ausgetauscht. Wenn Anregungen von dort kämen, suche man nach Lösungen.

Damit keine Anwohnerstraßen durch automatische Routenführung befahren werden, habe man Kontakt zu einem weltweit führenden Kartendienst aufgenommen, um die Straßen entsprechend kennzeichnen zu lassen.

Sobald die Situation es zulasse, sollen Nachbarschaftstreffen stattfinden, um sich besser in die Gemeinde zu integrieren.

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