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Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Speicher, zu der die US-Airbase Spangdahlem gehört, rechnet mit deutlich besseren Beziehungen zwischen den USA und Deutschland unter einem US-Präsidenten Joe Biden. Im SWR-Interview erzählt Manfred Rodens (CDU), welche Hoffnungen er an die neue amerikanische Regierung knüpft und welchen Rat er der Bundesregierung gibt.

SWR Aktuell: Herr Rodens, Sie haben schon einige Regierungswechsel in den USA miterlebt. Ist dieser Regierungswechsel etwas Besonderes?

Manfred Rodens: Es ist immer ein besonderes Ereignis für uns und natürlich auch für die Amerikaner auf der Base und auch für die Militärangehörigen, das ist überhaupt keine Frage. Diesmal ist es sicher eine besondere Situation. Die Amerikaner äußern sich ja nicht so sehr über die Situation - insbesondere die Militärangehörigen auf der Base. Aber man verspürt schon, dass es diesmal etwas anderes ist. Sie sind doch froh, dass es einen neuen Präsidenten gibt, das ist überall zu merken.

SWR Aktuell: Gibt es in und um Spangdahlem ein Miterleben der Amtseinführung, zumindest virtuell im Fernsehen?

Rodens: Ja, ich habe mit einigen gesprochen, die sich die Amtseinführung heute Abend anschauen wollen. Die sind gespannt, was passiert. Wir sind alle sehr nervös, ob die Amtseinführung konfliktfrei und ruhig abläuft. Es gibt ja doch sehr beunruhigende Nachrichten aus den USA und ich denke, alle sind gespannt und schauen sich das heute Abend an.

"Wir sind alle sehr nervös, ob die Amtseinführung konfliktfrei und ruhig abläuft."

Manfred Rodens, Bürgermeister VG Speicher

SWR Aktuell: Welche Hoffnungen knüpfen Sie an die neue US-Regierung?

Rodens: Es ist so, dass in den letzten vier Jahren der Gesprächsfaden zwischen der deutschen Regierung und der amerikanischen Administration total verloren gegangen ist. Es gilt jetzt, diesen Gesprächsfaden wieder zu finden. Es gilt, in einen Dialog zu treten und aufeinander zuzugehen. Das aufeinander zugehen gilt ja nicht nur für die amerikanische Seite, sondern es gilt auch für uns. Wir gehen davon aus, dass alle Konfliktpotentiale jetzt in Ruhe diskutiert und auch gelöst werden.

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SWR Aktuell: Was wünschen Sie sich speziell für die US-Airbase Spangdahlem?

Rodens: Unser Wunsch ist es, dass die deutsche Bundesregierung den Amerikanern in der Frage der deutschen Beteiligung an den Verteidigungslasten der NATO entgegenkommt - und zwar nicht nur langfristig, sondern kurz- und mittelfristig. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Wir in der Region tun alles, damit wir die besten Beziehungen zu den Amerikanern haben. Aber auch die Bundesregierung muss jetzt handeln. Dieses Problem der deutschen Beteiligung an der NATO ist ja nicht erst unter Donald Trump entstanden. Dieses Problem gibt es schon viel länger. Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Norbert Röttgen, sehen das genauso. Das wird eine zentrale Frage in den nächsten Monaten und Jahren sein.

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SWR Aktuell: Hoffen Sie, dass - was die Airbase betrifft - festere Zusagen von den Amerikanern gemacht werden?

Rodens: Zunächst einmal ist der von Donald Trump angeordnete Truppenabzug für 120 Tage ausgesetzt. Wir gehen in jedem Fall davon aus, dass dieser Truppenabzug nicht kommt. Das ist für uns klar. Das sehen auch die US-Senatoren und die Abgeordneten so, das sehen auch die Militärs so. Dieser geplante Truppenabzug ist strategisch und auch verteidigungspolitisch ein Desaster gewesen, das weiß jeder. Deswegen sind wir überzeugt davon, dass es mittelfristig keinen Truppenabzug aus Spangdahlem gibt und vermutlich auch aus Deutschland insgesamt. Was langfristig ist, das ist eine Sache, die schwer vorherzusagen ist.

Das Interview führte SWR-Reporterin Nicole Mertes.

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