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Auch viele Jugendliche haben große Einschnitte durch die Pandemie hinnehmen müssen. Das hat junge Menschen und ihren Blick auf die Zukunft verändert. Darüber hat ein 18-jähriger Schüler aus Trier ein Buch geschrieben.

Lars Ludes öffnet die Tür. Grauer Hoodie, die braunen Haare mit angesagtem Undercut, offenes Lächeln. Die Idee zu dem Buch kam durch eine Hausaufgabe in Deutsch, erzählt der Schüler des Friedrich-Spee-Gymnasiums in Trier.

Lars Ludes aus Trier hat einen Tagebuch-Roman über seine Erlebnisse im Corona-Jahr 2020 geschrieben. (Foto: SWR)
Lars Ludes vor dem Friedrich-Spee-Gymnasium in Trier. Jugendliche wie ihn trifft die Corona-Pandemie besonders hart. Aus seinen Erlebnissen in dieser Zeit ist der Roman "Verdürrt - Tagebuch eines Jugendlichen 2020" entstanden.

Literatur-Klassiker als Vorlage

Angelehnt an die Leiden des jungen Werther von Goethe sollten die Schüler ein Buch in diesem Stil schreiben. Das war zu Beginn der Corona-Zeit.

"Das Schreiben hat mir gut getan, weil man sich endlich anvertrauen konnte. Und es ist schon eine Art Medizin, im übertragenen Sinn."

Ludes hat weitergemacht. Entstanden ist daraus ein Roman - wie ein Tagebuch geschrieben. Mit eigenen Erlebnissen und denen seiner Freunde. Das große Thema: Die Einsamkeit durch die Pandemie.

"Verdürrte" Generation durch Corona-Maßnahmen

Diese Einsamkeit frisst einen auf, steht da im Buch. Freunde treffen, Feiern, in die Schule gehen, jemanden kennen lernen, Erfahrungen sammeln – all das geht nicht, weil verboten. Wie ein Gewässer, das man trockengelegt hat, sagt der 18-Jährige.

"Das Wasser ist der Jugend entzogen worden. Es herrscht Angst und es gab nicht mehr wirklich das, was man Jugend nennt, das hat nicht mehr wirklich gelebt."

Verürrt - Tagebuch eines Jugendlichenh 2020  (Foto: Lars Niklas Ludes)
Mit dem Roman "Verdürrt - Tagebuch eines Jugendlichen" beschreibt Lars Ludes, wie die Pandemie ihn und seine Altersgenossen beeinflusst haben und welche Folgen für die Generation Corona schon heute spürbar sind. Das Buch soll in den kommenden Wochen erscheinen. Lars Niklas Ludes Bild in Detailansicht öffnen
"Das Virus zerstört so viel, was vermutlich Jahre braucht, um überhaupt wieder aufgebaut werden zu können. Ein Krieg ohne Krieg. Das ist schrecklich. Da werden die ehemals rosigen Aussichten meiner Generation mit einem Wisch beseitigt." Bild in Detailansicht öffnen
"Homeschooling – wir wurden von einem Tag auf den anderen in einen Fernunterricht verlegt. Ständig stürzen die Schul-Server ab, dann macht jeder Lehrer sein eigenes Ding. Voll das Chaos (…) Und ich habe immer weniger soziale Kontakte." Bild in Detailansicht öffnen
"Ich halte das nicht mehr aus, diese Einsamkeit frisst mich auf." Bild in Detailansicht öffnen
"Diese Welt ist beängstigend. Jeder verdeckt sein Gesicht und man kann kaum noch frei atmen (…) Wo ist man noch sicher?" Bild in Detailansicht öffnen
"Ich selbst habe mittlerweile auch Angst davor, infiziert zu werden - ohne es zu merken und dann jemanden anzustecken. Zu einer Art Todesbote für meine Großeltern zu werden." Bild in Detailansicht öffnen
"Ich liege beinahe jede Nacht nur noch wach im Bett (…) Was ist, wenn ich auf einmal infiziert bin? Was, wenn ich mein Abitur verkacke?" Bild in Detailansicht öffnen
"Wir Jugendliche werden entwürdigt (…) und uns wird ein Teil unserer Jugend gestohlen." Bild in Detailansicht öffnen
"Die Welt ist komplett aus den Fugen. Das reinste Chaos!" Bild in Detailansicht öffnen

Auf was kann man sich noch verlassen?

Die Corona-Maßnahmen mit monatelangem Lockdown hinterlassen Spuren. Viele seiner Altersgenossen schauten jetzt skeptisch in die Zukunft. Corona hätte sie gelehrt, dass nur wenig sicher ist. Keiner weiß, was morgen sein könnte, auf nichts sei mehr Verlass, erläutert Ludes.

"Es gibt keine Kontinuität mehr und das ist deprimierend. Und dass sich von einem Tag auf den andern alles so schnell wandeln kann, das zerreißt auch einen."

Aber Corona habe ihn und viel andere auch etwas Positives gelehrt, sagt Ludes. Selbstverständliche Dinge, die durch die Lockerungen wieder möglich sind, schätze er jetzt viel mehr.

Planung des Abiballs trotz Corona

Lars Ludes hat gerade seine letzte Abi-Klausur geschrieben, in einigen Wochen stehen die mündlichen Prüfungen an. Einen Abiball planen die Schüler aus der Stufe trotz allem – die Hoffnung darauf wollen sie sich nicht nehmen lassen. Sollte der Abiball stattfinden, dann wird ordentlich gefeiert. Viel nachzuholen gebe es ja, sagt der 18-Jährige und lacht.

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