Sonnenstrahlen beleuchten Bäume in einem Waldstück  (Foto: SWR)

Big Data für den Wald Erstes Marteloskop im Hunsrück

Haben Sie schon mal von einem Marteloskop gehört? So etwas wird jetzt in Stipshausen im Hunsrück eingeweiht. Marteloskop: Das klingt ein wenig wie Mikroskop. Ist aber etwas ganz anderes.

Marteloskop kein Gerät, sondern eine Fläche. Eine Fläche im Wald. In der Regel ist sie einen Hektar groß. Die Fläche wird an einer bestimmten Stelle im Wald festgelegt.

Die Bäume auf der ausgewählten Fläche werden genau kategorisiert: welche Baumart und die Höhe sowie Breite der Stämme. Auch in welchem Zustand die Bäume sind wird festgestellt und welche Lebewesen wie Vögel oder Insekten sich auf dem Baum befinden. Das heißt in der Waldbausprache "anzeichnen".

Marteloskope einst für Privatwälder entwickelt

Daher auch der Name: Marteloskop setzt sich zusammen aus dem franziösischen marteler, anzeichnen, und scopein (griechisch), anschauen. Das Marteloskop wurde ursprünglich für französische Privatwälder entwickelt. Herausgefunden werden sollte, wann man welchen Baum fällen sollte, so dass er den meisten Gewinn bringt und sein Verlust den wenigsten Schaden verursacht. Heute werden die auf einem Marteloskop genau beschriebenen Bäume in ein Computerprogramm eingegeben. Mit diesem Programm kann man Varianten und Möglichkeiten durchspielen.

Mann mit Tablett im Nationalpark Hunsrück Hochwald (Foto: Magdalena Fröhlich, Landesforsten)
Auf einem Hektar Fläche wird jeder Baum nummeriert und seine Daten werden erfasst Magdalena Fröhlich, Landesforsten

System zeigt alle Variationen

Zum Beispiel was passiert, wenn man einen der Bäume zum Verkauf fällt. Dann rechnet das System alles aus: wie viel bringt der Baum ein, was geht der Fläche dadurch verloren, wie verhalten sich die anderen Bäume. Auch wird berücksichtigt, was mit den Tieren und Pflanzen passiert, die auf diesem Baum gesiedelt haben. So wird am Ende analysiert, ob das Fällen des Baumes sinnvoll ist.

In Europa gibt es insgesamt 40 Marteloskope. Ab Mittwoch auch in Rheinland-Pfalz. In Stipshausen im Hunsrück wird landesweit das erste Marteloskop vorgestellt.

Heutzutage werden Marteloskope hauptsächlich für die Ausbildung von Forstleuten eingesetzt. Sie sind aber auch nützlich für Umweltverbände und für die Waldwirtschaft. Denn das Marteloskope beantwortet nicht nur Fragen der Wirtschaftlichkeit, sondern auch der Ökologie. Zum Beispiel, was wächst nach dem Fällen der Bäumen nach, wo und warum treten Schädlinge auf.

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