Ruine der Adenauervilla bei Duppach in der Vulkaneifel (Foto: SWR, Oliver Kring)

Versteigerung der Bauruine in der Eifel Dutzende Gebote für "Adenauer-Villa"

Seit gut zwei Wochen steht die Ruine der "Adenauer-Villa" in der Eifel zum Verkauf. Zahlreiche Interessenten haben seitdem ein Gebot abgegeben. Auch eine Anfrage aus den Vereinigten Arabischen Emiraten war dabei.

Nur der Kundige findet sie. Sie liegt tief im Wald auf einem Plateau in rund 600 Metern Höhe: Die Ruine des großzügigen Anwesens, das dem früheren Bundeskanzler Konrad Adenauer mal als Wochenendhaus dienen sollte. L. Ilse Thurner hat das sogenannte "Adenauer-Haus" mitsamt 2.000 Quadratmeter großem Grundstück nahe Duppach (Landkreis Vulkaneifel) im vergangenen Jahr von ihrem Vater geerbt. Jetzt versteigert sie das total verfallene Gebäude.

Adenauer-Villa in der Eifel Ruine wird im Internet versteigert

Die Adenauervilla in der Vulkaneifel von innen  (Foto: SWR, Antje Neufing)
Die Adenauer-Villa in der Vulkaneifel (Archivbild 2016) Antje Neufing Bild in Detailansicht öffnen
Die Villa wollte angeblich der Chef eines damals großen deutschen Elektrokonzerns dem Altkanzler als Ruhesitz schenken. Antje Neufing Bild in Detailansicht öffnen
Die Bauarbeiten für die Villa gingen 1955 los. Antje Neufing Bild in Detailansicht öffnen
Im Dorf gab es die wildesten Spekulationen und als bekannt wurde, dass die Villa für die Familie Adenauer gedacht war, wurden die Arbeiten 1956 eingestellt. Antje Neufing Bild in Detailansicht öffnen
1956 war gerade der Rohbau der Villa fertig. Oliver Kring Bild in Detailansicht öffnen
Zu diesem Zeitpunkt muss das Anwesen noch imposant ausgesehen haben. Oliver Kring Bild in Detailansicht öffnen
Der Legende nach war für die Adenauer-Villa im Keller ein Bunker und ein Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach vorgesehen. Von Experten wird dies jedoch bezweifelt. Oliver Kring Bild in Detailansicht öffnen
Das damals recht pompöse Anwesen bröselt inzwischen seit 62 Jahren vor sich hin Oliver Kring Bild in Detailansicht öffnen
Alles was wertvoll war, haben Diebe gestohlen: Baustoffe, Baumaterialien und die Heizung. Oliver Kring Bild in Detailansicht öffnen
Übrig geblieben ist ein einsturzgefährdetes, marodes Gemäuer und ein Schild mit der Aufschrift: Lebensgefahr! Oliver Kring Bild in Detailansicht öffnen
Die Versteigerung im Internet begann mit einem Euro. Oliver Kring Bild in Detailansicht öffnen
Einige Anwohner im Ort sahen die Versteigerung kritisch. Oliver Kring Bild in Detailansicht öffnen
Ein Nachbar sagte dem SWR: "Ich würden das Gelände nicht mal für 5 Cent nehmen!" Oliver Kring Bild in Detailansicht öffnen

Dutzende Gebote seien bereits bei der 58-Jährigen eingegangen. Das Höchstgebot liege derzeit bei 35.000 Euro. "Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich hätte das Grundstück auch für zehn Euro abgegeben", sagte die Erbin, die in Duppach geboren wurde.

Gebote aus ganz Deutschland

Mehr als 35.000 Mal sei ihr Inserat im Internet bereits angeklickt worden, sagt Thurner, die das Haus ursprünglich mit einem Startgebot von einem Euro auf Ebay versteigern wollte. "Man kann Grundstücke und Häuser aber nicht über diesen Kanal versteigern, weil es notarieller Beurkundung bedarf." So werden die Interessenten nun zu ihr geleitet.

Die Besitzerin wünsche sich, "dass das Grundstück in gute Hände kommt". Denkbar sei eine Nutzung zu Freizeitzwecken wie Camping. Gebote seien nicht nur aus der Eifel, sondern aus ganz Deutschland eingegangen. "Es gibt Leute, die wollen es nur haben wegen der Geschichte." Auch eine Anfrage aus den Vereinigten Arabischen Emiraten habe es gegeben: Ein Scheich habe anfragen lassen, ob er es direkt kaufen könne. "Das ging aber nicht", sagt Thurner. Er müsse auch bieten, und sein Gebot notariell beurkunden lassen - wie alle anderen auch. Die Auktion läuft noch bis zum 22. Januar.

Dauer

Nie fertig gestellte Bauruine

Seit sechs Jahrzehnten verwittert im Eifelwald die Bauruine. Das Haus, das auch immer wieder als "Adenauer-Villa" oder "Camp Konrad" in Anspielung an den Landsitz der US-Präsidenten in Camp David bezeichnet wurde, war nie fertig gestellt worden. Im Sommer 1955 hatte der damalige AEG-Vorstandschef Friedrich Spennrath, ein guter Freund Adenauers, den Bau des Hauses mit einer Wohnfläche von rund 600 Quadratmetern beantragt. Das dreigeschossige Flachdachhaus im Bauhausstil, als "Wochenend-, Jagd- und Gästehaus" geplant, sollte Adenauer zu privaten Zwecken zur Verfügung gestellt werden.

Am Entwurf arbeitete laut Bauplänen Architekt Heribert Multhaupt mit, der Schwiegersohn von Adenauer. Als Adenauer von dem Vorhaben erfuhr und die Presse über Klüngel und Filz schrieb, wurde das Bauprojekt 1956 gestoppt. "Adenauer hatte Wind von der Sache bekommen und wollte das Objekt nicht haben", sagt Architekt Roland Thelen aus Mehren (Kreis Vulkaneifel), der die Baugeschichte über Jahrzehnte verfolgt hat. "Adenauer hatte auch mit Jagd nichts am Hut."

Haus aus Sicherheitsgründen nicht zugänglich

Seit dem Baustopp verfällt das Haus im Wald. "Das Grundstück ist kein Baugrundstück. Und das Haus ist in seinem jetzigen Zustand nicht nutzbar", betont Besitzerin Thurner. Zugänglich ist das Gemäuer heute übrigens nicht mehr: Aus Sicherheitsgründen ist es von einem zwei Meter hohen Zaun umgeben.

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