Kriminologe Christian Pfeiffer und Bischof Stephan Ackermann (Foto: dpa Bildfunk, Montage: SWR)

"Versuch der Nötigung" Kriminologe erhebt Vorwürfe gegen Trierer Bischof

Der Kriminologe Christian Pfeiffer hat im Zusammenhang mit der vor sechs Jahren abgebrochenen Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche Vorwürfe gegen den Trierer Bischof Stephan Ackermann erhoben. Pfeiffer sprach in einem Interview mit der "Zeit" von einem "Versuch der Nötigung".

Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen KFN von Christian Pfeiffer hatte 2011 vom Verband der Diözesen Deutschlands den Auftrag bekommen, einen unabhängigen Forschungsbericht zum Missbrauch in der katholischen Kirche von 1945 bis heute zu erstellen. In den Wochen und Monaten danach soll die Kirche laut Aussage Pfeiffers aber immer mehr Einfluss auf die Forschungsarbeiten genommen haben - sogar von Zensur sei die Rede gewesen.

"Feind der katholischen Kirche"

Im Dezember 2012 sollte die Zusammenarbeit dann bei einem Treffen in Hannover beendet werden. An dem Treffen nahm demnach auch der Trierer Bischof Stephan Ackermann teil. Christian Pfeiffer sagte dem SWR, dass die Kirche ihm ein Schreiben vorgelegt hatte, in dem er sich verpflichten sollte, jeglichen Vorwurf von Zensur und Kontrollwünschen der Kirche zu unterlassen. Für dieses Schweigen soll die Kirche auch 120.000 Euro geboten haben. Pfeiffer sagte, das habe er abgelehnt. Daraufhin habe der Trierer Bischof Ackermann ihm erklärt, wenn er nicht unterschreibe und der Zensurvorwurf nach außen dringe, sei er ein Feind der katholische Kirche und man würde seinen guten Ruf öffentlich massiv attackieren. Pfeiffer nennt den Vorgang eine Bedrohung. Wörtlich heißt es in der "Zeit": "Das war der Versuch einer Nötigung."

Pfeiffer geht erst jetzt an die Öffentlichkeit

Dass es einen solchen Vorfall gegeben haben soll, hatte Kriminologe Pfeiffer schon damals gegenüber der "Zeit" angedeutet. Doch die ganze Geschichte wollte er nicht erzählen, da er Schaden von dem Kriminologischen Institut in Hannover abwenden wollte. Das Institut bezog einen Großteil seiner Forschungsgelder vom niedersächsischen Wissenschaftsministerium. Jetzt ist Pfeiffer im Ruhestand und er sagt, er habe jetzt nicht mehr gezögert, als die "Zeit" ihn wieder auf die Vorkommnisse von 2012 angesprochen hatte.

Bistum Trier äußert sich nicht

Der Trierer Bischof Ackermann wollte sich am Donnerstag nicht zu den Vorwürfen äußern. Seine Sprecherin verwies nur auf ein vor sechs Jahren erschienenes Positionspapier der Deutschen Bischofskonferenz zu dem Thema. Darin heißt es unter anderem: "Gegen den Vorwurf von Professor Pfeiffer, die katholische Kirche sei durch ihre Zensur- und Kontrollwünsche für das Scheitern der Zusammenarbeit verantwortlich, verwahren wir uns entschieden."

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