Der Berg Teide auf der Kanareninsel Teneriffa (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Prozess vor dem Amtsgericht Wittlich Falscher Arzt soll Frau auf Teneriffa betrogen haben

Ein 46-jähriger Mann muss sich seit Donnerstag wegen Wuchers vor dem Amtsgericht Wittlich verantworten. Er soll sich auf Teneriffa als Arzt ausgegeben und eine Rentnerin um die Hälfte ihrer Ersparnisse gebracht haben.
 

Laut Anklage soll der Mann auf Teneriffa ein Unternehmen gegründet haben, das darauf spezialisiert war, Deutsche in medizinischen Notlagen zu helfen. In einem örtlichen Krankenhaus soll er sich zudem deutschen Patienten als Arzt vorgestellt haben.

Ein Mann muss sich wegen Wucher vor dem Amtsgericht Wittlich verantworten (Foto: SWR, Marc Steffgen)
Der Angeklagte soll von der Rentnerin mehr als 100.000 Euro kassiert haben Marc Steffgen

Dabei habe er eine auf Teneriffa lebende 73-jährige Rentnerin kennengelernt, die im Rollstuhl saß und pflegebedürftig war. Weil der Ehemann der Frau gerade gestorben war, soll der Angeklagte ihr seine Unterstützung angeboten haben, so die Anklage. Für die Einäscherung, den Transport der Urne und den Umzug der Frau nach Deutschland mit einem Privatjet soll er ihr insgesamt 104.000 Euro in Rechnung gestellt haben. Die Rentenerin soll ihm das Geld überwiesen haben. Das bewertet die Anklage als Wucher im besonders schweren Fall. Der Geschädigten droht nun laut Gericht die Altersarmut.

Streit über Zuständigkeit

Zum Prozessauftakt hat der Angeklagte die Vorwürfe bestritten. Davor kam es zum Streit zwischen den Anwälten des Angeklagten und der Staatsanwältin. Sie warfen der Staatsanwältin Stimmungsmache gegen ihren Mandanten vor. Außerdem bezweifelten die Verteidiger, dass überhaupt ein deutsches Gericht für den Fall zuständig sei. Sie argumentieren, die Tat sei in Spanien passiert und müsse deshalb auch vor einem spanischen Gericht verhandelt werden. Sie beantragten, das Verfahren einzustellen. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Der Angeklagte war bereits 2016 wegen Steuerhinterziehung und Betrugs in mehr als 2.400 Fällen zu einer Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Er hatte seine Haftstrafe allerdings nicht angetreten, weil er auf Teneriffa lebte.

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