Passagiermaschinen stehen nachts auf dem Vorfeld des Flughafens Frankfurt Hahn (Foto: picture-alliance / dpa)

Frankfurter Nachtflugverbot beflügelt Hunsrück-Airport Wenn der Urlaubsflieger plötzlich auf dem Hahn landet

Flugverspätungen und Nachtflugverbote führen nachts zunehmend zu Ausweichlandungen am immer geöffneten Flughafen Hahn. Ein lohnendes Extrageschäft.

Die zurückkehrenden müden Sommerurlauber erwarten ihre Landung in Frankfurt, Düsseldorf oder Stuttgart. Doch plötzlich finden sie sich im Hunsrück wieder, mitten in der Nacht. Der Grund: Der ehemalige US-Fliegerhorst Hahn besitzt eine 24-Stunden-Genehmigung.

Meist ein- bis viermal pro Nacht kommt es gegenwärtig hier zu solchen Landungen außerhalb des Flugplans, heißt es in Flughafenkreisen im Hunsrück.

Dauer

Ausweichflughafen für den Airport Frankfurt

Die deutsche Airline Condor teilt mit, dass sie derzeit außerplanmäßig ein bis zwei Mal pro Woche auf dem Hahn lande. Als Grund gibt sie "aktuellen Herausforderungen im europäischen Luftverkehr" an.

Meist dient der Hahn als Ausweichflughafen für den Airport Frankfurt, wo von 23.00 bis 5.00 Uhr ein Nachtflugverbot gilt.

Oft letzter Flug des Tages

Die österreichische Fluggesellschaft Laudamotion erklärt zu ihren rund sechs Ausweichflügen zum Hahn seit Anfang Juni: "In der Regel betrifft es den letzten Flug des Tages nach Frankfurt."

Auch die Airline SunExpress, die Lufthansa und Turkish Airlines gehört, spricht bei ihren fünf Hahn-Umleitungen 2018 von vier Fällen mit dem eigentlichen Ziel Frankfurt und einem Fall mit dem Ziel Stuttgart.

Flüge 2018 unpünktlicher

Ein Sprecher von Ryanair sagt: "Das Jahr 2018 entwickelt sich zu einem der schlimmsten Jahre für Fluglotsen-Streiks in Europa. In Verbindung mit Personalengpässen bei der Flugverkehrskontrolle führt dies bei allen Fluggesellschaften zu massenhaften Verspätungen sowie Flugstreichungen."

Allein im Mai hätten sich insgesamt mehr als 117.000 Flüge in Europa verspätet. Auch die europäische Flugsicherung Eurocontrol hat kürzlich bestätigt, dass in den ersten fünf Monaten 2018 die Flüge über dem Kontinent deutlich unpünktlicher waren als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Flugzeuge am Flughafen Hahn (Foto: picture-alliance / dpa)
Passagiermaschinen auf dem Flughafen Hahn (Archiv)

Viele Verstöße gegen Nachtflugverbot

Die hessische Luftaufsicht verzeichnet schon seit längerem häufige Verstöße gegen das Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen. Allein im Juni dieses Jahres gingen demnach die Hälfte der Verstöße auf das Konto von Condor und Ryanair. Beide Airlines haben angekündigt, den Flugplan anzupassen und einige Flüge früher abheben zu lassen.

Während die Airlines die Verspätungen mit Streiks und Wetter begründen, also mit nicht von ihnen beeinflussbaren Faktoren, vermuten dagegen Fluglärmgegner im Rhein-Main-Gebiet Methode. Aus ihrer Sicht nähmen die Fluglinien das Nachtflugverbot einfach nicht ernst, sie würden ihre Flugpläne zu eng takten und bewusst einkalkulieren, nach 23:00 Uhr in Frankfurt zu landen. 

Willkommenes Extra

Zwar verzeichnet der Flughafen Hahn ein anziehendes Frachtgeschäft, kämpft aber generell mit gesunkenen Passagierzahlen. Die Ausweichlandungen sind daher willkommen.

"Wir freuen uns, jederzeit die überfüllten Flughäfen der Umgebung entlasten zu können. Unsere schnelle Abfertigung und kurzen Wege reduzieren den Zeitverlust der Passagiere", sagt Christoph Goetzmann, Mitglied der Hahn-Geschäftsführung.

Nach SWR-Informationen würden die Passagiere mit Bussen zu ihren eigentlichen Ziel-Flughäfen gebracht. Die Airline müsse den Transport organisieren. Allein vom Hahn nach Frankfurt seien das 120 Kilometer. Teilweise würden Fluggäste auch in Hotels im Hunsrück übernachten.

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