Die imposante Abbruchkante des Grey-Gletschers im chilenischen Nationalpark Torres del Paine. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Jan Woitas)

Tod am Gletscher Trierer Geologe in chilenischem Nationalpark verunglückt

Im äußersten Süden von Chile wollte ein Geologe der Uni Trier Geräte zur Klimamessung installieren. Das raue Wetter wurde dem Gletscher-Experten zum Verhängnis.

Offenbar kenterte der 62-jährige Wissenschaftler in seinem Kajak auf dem eiskalten See des Grey-Gletschers im chilenischen Nationalpark Torres del Paine. Dort im Süden Patagoniens war der Geologe alleine im Dienste der Wissenschaft unterwegs. Seit Tagen war der Mann vermisst worden. Am Freitag schließlich habe man die Leiche des Mannes im See Grey gefunden, sagte ein Sprecher der Forstbehörde CONAF.

International anerkannter Forscher

"Wir bedauern diesen großen Verlust sehr. Er war ein großartiger Forscher, anerkannt auf internationalem Niveau, er liebte die Region und kam immer wieder aus Deutschland hierher", sagte der stellvertretende Rektor für Forschung an der chilenischen Magallanes-Universität, Andrés Mansilla Muñoz.

Der 62-Jährige hatte am Berg Centinela ein Magnetometer installieren und eine automatische Wetterstation überprüfen wollen. Die Anlage am Gletscher Grey sollte Klimadaten für Forscher in Deutschland, Chile und anderen Ländern liefern. Der Geologe, der in Chile geboren wurde, war an der Uni Trier als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Er forschte und unterrichtete aber auch an der Magallanes-Universität in Punta Arenas.

Die imposante Abbruchkante des Grey-Gletschers im chilenischen Nationalpark Torres del Paine. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Jan Woitas)
Die imposante Abbruchkante des Grey-Gletschers im chilenischen Nationalpark Torres del Paine. Jan Woitas

Schlechtwetter: "Extrem-Forscher" wollte Einsatz abbrechen

Der Wissenschaftler habe sich in Patagonien vor allem mit Gletschern beschäftigt, sagte Pedro Cid von der Magallanes-Universität. Die Leiche wurde an der Nordspitze des Gletschersees Grey geborgen, wie es im Abschlussbericht des Nationalpark-Chefs heißt.

Der Wissenschaftler hatte demnach am 16. Mai den See in einem Kajak von der Südspitze aus durchkreuzt, um sein Biwak in der Nähe der meteorologischen Station aufzuschlagen. Das Zeltlager wurde von dem Bergungsteam vom starken Wind beschädigt aufgefunden. Bei seinem letzten Kontakt per Satellitentelefon mit einer Kollegin habe er von schwierigen Witterungsverhältnissen berichtet. Er wollte den Einsatz zunächst unterbrechen und nach Puerto Natales zurückkehren, um neuen Proviant zu besorgen.

Das Kajak des Forschers wurde am Seeufer gefunden. Der Forscher kannte sich in der unwirtlichen Gegend im Süden von Chile eigentlich gut aus. "Wir können ihn als Extremforscher bezeichnen, der immer unter solchen Bedingungen arbeitet", sagte Juan Carlos Aravena vom Forschungszentrum CIGA. Zuletzt war es in der Region recht windig und kalt. Fällt man bei diesen Witterungsbedingungen in den Gletschersee, tritt der Tod schon nach wenigen Minuten ein.

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