Rechenzentrum in Traben-Trarbach Cyberbunker: Ermittlungen auch wegen Steuerhinterziehung

Im Fall des Cyberbunkers in Traben-Trarbach wird dem Hauptverdächtigen auch Steuerhinterziehung vorgeworfen. Das geht aus Ermittlungsakten hervor, die dem SWR vorliegen.

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18:00 Uhr
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SWR Fernsehen RP

Den Recherchen des SWR zufolge soll der Beschuldigte Herman X. Umsatz-, Körperschafts- und Gewerbesteuer in Höhe von rund 330.000 Euro hinterzogen haben. Insgesamt werden ihm zwölf Fälle von Steuerhinterziehung zur Last gelegt. Aufgeführt werden in den Ermittlungsakten vor allem Erlöse aus Eingängen von Bitcoins.

Staatsanwaltschaft: Keine Hinweise auf legale Kunden

Der Verdacht der Bildung einer kriminellen Vereinigung ergibt sich nach SWR-Informationen aus verschiedenen Überwachungsmaßnahmen. Herman X. soll von den illegalen Aktivitäten seiner Kunden gewusst haben. Der zuständige Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer sagte dem SWR, bislang gebe es keine Hinweise auf legale Kunden des Rechenzentrums. Die Katalogisierung der 290 laufenden Server sei mittlerweile abgeschlossen. "Wir haben eine Vorstellung, was für Daten darauf zu finden sein könnten. Wir werden als nächstes ein Ranking vornehmen und dann mit der Auswertung beginnen. In einigen Fällen müssen noch Passwörter überwunden werden", so Brauer.

Die Polizei hat etwa 200 Server sichergestellt. (Foto: Pressestelle, Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz)
Über fünf Etagen unter der Erde reihten sich Server an Server. Pressestelle Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz

Geschäftspartner: Herman X. war "Visionär"

Ein Geschäftspartner des Hauptbeschuldigten, der nach eigenen Angaben drei Mal im Bunker an der technischen Infrastruktur arbeitete und 2016 insgesamt ein halbes Jahr in Traben-Trarbach verbrachte, bestreitet dagegen, dass Herman X. und die anderen Beschuldigten aktiv an den illegalen Tätigkeiten der Server-Kunden beteiligt waren. Er verweist auf das Telemediengesetz zum "Durchleiten von Informationen". In einem Chat mit dem SWR bezeichnete er Herman X. als "Visionär", die Steuerschulden als "Kleingeld" und warf den Behörden vor, sie blieben den Beweis schuldig, dass Herman X. aktiv an den illegalen Aktivitäten seiner Kunden beteiligt war.

Über die Server des Rechenzentrums sollen Webseiten im Darknet betrieben worden sein. (Foto: Pressestelle, Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz)
Über die Server des Rechenzentrums sollen Webseiten im Darknet betrieben worden sein. Pressestelle Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz

Razzia Ende September

Anlass für die Razzia in Traben-Trarbach und die Festnahme von sieben Verdächtigen am 26. September war der dringende Tatverdacht gegen die sechs Männer und eine Frau, in einem ehemaligen NATO-Bunker ein Rechenzentrum betrieben zu haben, dessen einziger Zweck es war, Webseiten krimineller Täter zu speichern. In dem Bunker wurden zahlreiche Webseiten gehostet, über die international agierende Kriminelle verbotene Waren wie Drogen und gefälschte Dokumente sowie gestohlene Daten vertrieben, Kinderpornografie verbreiteten und groß angelegte Cyberangriffe durchführten.

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