Gedenkstätte in Büchenbeuren Tod im Einsatz - Erinnerung an Polizisten

45 Namen stehen auf der Basaltstele an der Polizeihochschule in Büchenbeuren. Namen von Polizisten, die im Dienst zu Opfern wurden. Das Denkmal wurde am Vormittag von Innenminister Roger Lewentz (SPD) eingeweiht.

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2010 erschießt ein Rocker in Anhausen im Kreis Neuwied durch seine Haustür einen Elitepolizisten. Dieser ist das letzte Opfer unter den 45 Namen der neuen Gedenkstätte für die im Dienst ums Leben gekommenen Polizeibeamten in Rheinland-Pfalz.

"Jedes einzelne Schicksal, jede einzelne Geschichte ist tragisch und berührt Angehörige, Freunde und Bekannte, aber auch die Polizeibeamtinnen und -beamten, die einen Kollegen verloren haben", sagte Lewentz bei der Übergabe der Gedenkstätte vor etwa 350 Gästen, darunter viele Angehörige.

Gedenken an zentralem Polizeiort

Die Verantwortlichen haben sich viele Gedanken über den richtigen Ort gemacht. Die Polizeihochschule in Büchenbeuren ist die zentrale Einrichtung der Polizei im Land. "Jeder Polizist beginnt hier seine Ausbildung und kommt später zu Fortbildungen zurück", betont Cornelia Blesiuis, Projektleiterin für die Gedenkstätte. Es gehe nicht um Heldenverehrung, sondern um die Erinnerung an jedes tödliche Schicksal in der Polizei.

Die Gedenkstätte befindet sich vor dem Tagungszentrum der Hochschule. Nahe einem Baum umringen zehn Basaltblöcke zum Sitzen und Innehalten eine drei Meter hohe Basaltstele mit 45 Bronzetäfelchen mit den Namen sowie Geburts- und Todestagen der getöteten Polizisten. Unten finden sich die Daten des Todesopfers von Anhausen, ganz oben diejenigen des frühesten Todesfalls eines Polizisten im heutigen Rheinland-Pfalz - er ist 1945 kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gestorben. 

Biografien der getöteten Polizisten

Das Projekt "Gedenkstätte" umfasste auch eine ausführliche Recherche von 35 Studenten der Polizeihochschule. "Die Studierenden haben Akten ausgewertet und in Archiven gestöbert", erklärt Blesius. Als Ergebnis sind Kurz-Biografien der 45 Todesopfer dabei herausgekommen.

Blesius erzählt von vielen tragischen Fällen. Dazu zählen Polizisten, die bei der Aufnahme eines Unfalls oder bei einer Verkehrskontrolle von einem Auto tödlich erfasst worden sind. Oder Polizeibeamte, die bei einer Verfolgungsjagd ums Leben gekommen sind. Und auch der Kollege, der nach Worten von Blesius 1971 in Kaiserslautern "kaltblütig von der Baader-Meinhof-Bande erschossen worden ist".

Polizeiberuf bleibt gefährlich

Dieser Fall hat genauso wie der tödliche Schuss in Anhausen 2010 die rheinland-pfälzische Polizei besonders aufgewühlt. Ihr Beruf ist und bleibt gefährlich.

Ernst Scharbach, ehemaliger Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), sagt: "Da, wo andere weglaufen, müssen wir hinfahren." Er erinnert sich an eine Festnahme, bei der der Beschuldigte im Mainzer Polizeipräsidium plötzlich mit einem im Gürtel versteckten Messer auf einen jungen Polizisten eingestochen habe: "Er lag vor seinem Tod noch jahrelang im Koma. Sein Vater ist nie darüber hinweggekommen."

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