EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in der Trierer Konstantin-Basilika (Foto: SWR)

Berühmtester Sohn Triers feiert 200. Geburtstag Große Ehre für Karl Marx

Mit einem Festakt in der Trierer Konstantin-Basilika sind die Karl-Marx-Ausstellungen zum 200. Geburtstag des bekannten Philosophen eröffnet worden.

In der Rede zu Beginn der Karl-Marx-Feierlichkeiten würdigte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) Marx als großen Denker, als "streitbaren Europäer". Er habe die Weltgeschichte maßgeblich beeinflusst. "Es ist daher wohl folgerichtig, dass bei kaum einer anderen historischen Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts so kontinuierlich über Recht, Schuld und Aktualität wie bei Marx debattiert wird."

Dauer

Dreyer lobte die vier Austellungen in Trier, die mit dem Festakt in der Basilika offiziell eröffnet wurden. Denn die Schauen würden auch zu einem kritischen Blick auf Marx einladen. "Die Verbrechen an Millionen Menschen, die im 20. Jahrhundert in seinem Namen begangen wurden, können ihm nicht angelastet werden." Marx würde häufig aus heutiger Perspektive beurteilt. Dabei sei es aber wichtig, sich Marx im geschichtlichen Kontext des 19. Jahrhunderten zu nähern, so wie es neuere Studien tun würden.

Dreyer warb für neue Denkanstöße, hob aber auch hervor, dass Marx heute noch umstritten sei.

Protest in der Basilika

Zu Beginn ihrer Rede demonstrierte ein Mann gegen die Würdigung von Marx. Er wurde von Sicherheitskräften aus der Basilika geführt. Dreyer ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen: "Wie schön, dass wir in einem Land leben, in dem wir Meinungsfreiheit haben. Deshalb darf man auch erwähnen, dass es am Rande dieses Jubiläums auch Menschen gibt, die andere Auffassungen dazu haben. Deshalb denke ich: Festakt hin oder Festakt her, es ist gut, dass man bei uns die freie Meinung auch äußern darf."

Juncker würdigte Marx

Die Festrede hielt EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, der zu Beginn mit einigen Witzen für viele Lacher in der Basilika sorgte. Juncker beschrieb Marx als einen "in die Zukunft denkenden" Philosophen, der einen "gestalterischen Anspruch" gehabt habe. Er stehe heute für Dinge, die er weder zu verantworten noch verschuldet hat, weil vieles, was er formuliert habe, ins Gegenteil verkehrt wurde. "Marx ist nicht für all die Gräuel verantwortlich, die all seine vermeintlichen Erben zu verantworten haben." Dennoch habe Juncker Verständnis für die Bedenken über Marx.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker spricht beim Marx-Jubiläum (Foto: SWR)
EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in der Konstantin-Basilika

Der EU-Kommissionschef hob hervor, dass es wichtig sei, an Marx zu erinnern. Wie Dreyer verwies er auf den historischen Kontext bei der Beurteilung des Denkers: "Man muss Marx aus seiner Zeit heraus verstehen." Marx habe mit seinen Schriften, die Welt verändert. Er habe sich für Gleichbehandlung, nicht für Gleichmacherei eingesetzt.

Die eigentliche Antwort auf Marx sei nicht das, was aus seinem Anstoß gemacht worden sei, sondern Kapital und Arbeit zu einem Miteinander zu führen. Juncker verwies auf die christliche Soziallehre.

Juncker zieht Lehren für heute

Mit Blick auf heutige Generationen sagte Juncker: Wichtigste Aufgabe sei es, die sozialen Rechte, die sich Europa gegeben habe, lebendige Wirklichkeit werden zu lassen. Die EU sei kein Fehlkonstrukt, aber ein wackeliges Gebäude - weil die soziale Dimension Europas bis heute das Stiefkind der europäischen Integration gewesen sei. "Wir müssen das ändern", so Juncker.

Außerdem gab es eine Gesprächsrunde mit dem Trierer Bischof Stephan Ackermann, dem Vorsitzenden der Friedrich-Ebert-Stiftung und ehemaligen rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck, der Bundesjustizministerin Katarina Barley (beide SPD) sowie mit der wissenschaftlichen Leiterin der Landesausstellung Beatrix Bouvier.

Das gibt es in Trier zu sehen

Der Festakt war Auftakt des Marx-Jubiläums in der Stadt. Gleich vier Trierer Museen beteiligen sich mit Ausstellungen. Jedes Museum setzt dabei einen anderen Schwerpunkt. Ausführliche Informationen zu den Ausstellungen und die Öffnungszeiten finden Sie hier in unserer Übersicht.

Am Samstag wird weitergefeiert

Am Samstag gehen die Feierlichkeiten weiter. Am Nachmittag wird die umstrittene Marx-Statue enthüllt. Sie ist ein Geschenk der Volksrepublik China an die Moselstadt.

Zur feierlichen Enthüllung werden rund 200 Ehrengäste erwartet - von der SPD-Vorsitzenden Andrea Nahles über Ministerpräsidentin Dreyer bis zu Vertretern der Volksrepublik China. Aber auch Bürger sind zu dem Fest eingeladen.

Der SWR überträgt die Enthüllung der Statue am Samstag ab 12.30 Uhr im Livestream.

Der Kopf der Karl Marx-Statue (Foto: SWR)
Noch ist die umstrittene Karl-Marx-Statue verhüllt, am Samstag fällt der Umhang

Die Schau im Karl-Marx-Haus wird von Günther Jauch eröffnet. Er wird die Geburtsurkunde von Marx vorlesen. Jauch ist der Ururururenkel von Emmerich Grach, der 1818 als zweiter Bürgermeister von Trier die Urkunde unterschrieb. SPD-Chefin Nahles wird eine Festrede halten.

Der Bundesvorstand der Sozialdemokraten macht zudem noch eine eigene Gedenkveranstaltung mit 500 geladenen Gästen im Theater. Und am Abend wird Linken-Politiker Gregor Gysi an der Uni Trier im Audimax reden.

Proteste angekündigt

Doch nicht alle sehen im runden Geburtstag einen Grund zu feiern. Schließlich seien im Namen von Marx in kommunistischen Diktaturen unzählige Verbrechen verübt worden, sagt unter anderem die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft.

Für den Tag haben sich mehrere Mahnwachen angekündigt, zum Beispiel für Opfer in China. Ein Protestierer will in einen Hungerstreik treten. Und die AfD hat einen Schweigemarsch durch die Innenstadt angemeldet. Die Linke und die kommunistische DKP wollen als Marx-Bündnis ebenfalls demonstrieren - für Marx. Die Polizei hat Präsenz mit einem Großaufgebot angekündigt.

STAND