Polizeibeamte tragen Kartons und andere Gegenstände aus einem Haus (Foto: Wolfgang Steil)

Staatsanwaltschaft Trier ermittelt Festnahmen bei Razzia gegen mutmaßliche Schleuser

Hunderte Polizeibeamte haben am Donnerstag 28 Objekte in vier Bundesländern durchsucht, unter anderem in Trier und Bitburg. Es gab zwei Verhaftungen.

Der Staatsanwaltschaft Trier ist nach eigenen Angaben ein Schlag gegen die organisierte Schleuserkriminalität gelungen. Wie die Behörde am Donnerstag mitteilte, wird gegen Mitglieder einer libanesischen Familie wegen des Verdachts des gewerbs- und bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern und weiterer Straftaten ermittelt.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen RP

Laut Staatsanwaltschaft Trier wurden am Donnerstag 28 Objekte in vier Bundesländern durchsucht, 16 davon in Rheinland-Pfalz. Durchsuchungen gab es auch in Nordrhein-Westfalen, im Saarland und in Berlin. Zwei Männer aus dem Libanon wurden in Bitburg verhaftet. Darunter ein 54-Jähriger, der als der Kopf Bande gilt. Beide Männer lebten bereits seit 15 Jahren in der Stadt in der Eifel.

Gefälschte Visa

Es geht um insgesamt 26 Fälle der Schleusung, wobei diese in zehn Fällen nicht gelang, so die Staatsanwaltschaft. Von Mitte 2018 bis 2019 sollen illegal Syrer mit dem Flugzeug vom Libanon nach Deutschland gebracht worden sein. Mithilfe gefälschter Visa gelang es den Beschuldigten in zahlreichen Fällen, die geschleusten Personen durch die Passkontrollen am Flughafen Beirut zu bringen, und sie auf unterschiedlichen Flugrouten nach Deutschland bzw. in die Niederlande auszufliegen.

Die Einreisen erfolgten über die Flughäfen Frankfurt am Main, Düsseldorf, München, und Amsterdam. Die Syrer mussten laut Staatsanwaltschaft zwischen 4.000 und 12.000 Euro für die Schleusung bezahlen. Die Ermittler kamen den mutmaßlichen Tätern auf die Spur, nachdem den Grenzbehörden die gefälschten Visa aufgefallen waren.

Ermittelt wird gegen insgesamt acht Beschuldigte. Im Fokus der Ermittlungen stehen vier Mitglieder eines libanesischen Familienclans. Zwei Verdächtige werden derzeit noch mit Haftbefehl gesucht, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstagnachmittag mit. Bei den Ermittlungen habe es auch Hinweise auf mögliche weitere Straftaten wie Eigentumskriminalität und Bestechung gegeben.

Zwei Polizeibeamte vor einem Haus (Foto: Florian Blaes)
Auch in Bitburg gab es eine Hausdurchsuchung der Bundespolizei Florian Blaes

Ermittlungen auch wegen Bestechung

Ein Mitglied der libanesischen Familie soll einen Mitarbeiter einer Verwaltungsbehörde aus der Region bestochen haben. Es besteht der Verdacht der Bestechung bzw. der Bestechlichkeit, so die Staatsanwaltschaft. Der Libanese soll dem Verwaltungsmitarbeiter Geld für seine Hilfe versprochen haben. Ein Polizeibeamter aus der Region wird ebenfalls verdächtigt. Auf Bitten des Libanesen soll er über seinen Dienstcomputer Halterabfragen beim Kraftfahrtbundesamt durchgeführt und dem Libanesen mitgeteilt haben. Gegen den Polizeibeamten wird wegen des Verdachts der Verletzung von Privatgeheimnissen ermittelt. Diese Ermittlungen hätten allerdings nichts mit den mutmaßlichen Schleusungen zu tun, so die Staatsanwaltschaft.

An der Aktion waren mehr als 360 Bundespolizisten, Beamte des Polizeipräsidiums Trier und sechs Staatsanwälte der Staatsanwaltschaft Trier beteiligt. Für die Vollstreckung der beiden Haftbefehle waren auch Spezialkräfte der GSG 9 im Einsatz. Das Ermittlungsverfahren führen die Trierer Ermittler gemeinsam mit dem Bundespolizeipräsidium Potsdam durch.

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