Nachfahren der jüdischen Familie Stern aus Hoppstädten-Weiersbach sind zu Besuch - vor dem Haus von Siegmund und Sophie Stern (Foto: SWR, Nicole Mertes)

Schicksal der Familie Stern Stolpersteine in Hoppstädten-Weiersbach

80 Jahre ist es her, da begannen die Nationalsozialisten jüdische Mitbürger systematisch zu verfolgen. Auch in Hoppstädten-Weiersbach. Nachfahren der Familie Stern haben jetzt die Heimat ihrer Großeltern besucht.

Margalit Lazar steht mit 18 Familienmitgliedern aus Israel und sechs Verwandten aus Wiesbaden vor den Stolpersteinen für ihre Vorfahren in Hoppstätten-Weiersbach. Ihre Großeltern Siegmund und Sophie lebten mit ihren sechs Kindern hier. Eines Tages kam Landesrabbiner Alex Lewin zu der Familie und warnte sie, erzählt ihr Cousin Zeev Stern:

"Morgen wird der Julius abgeholt von der Gestapo, er hat eine Karte gebracht. Die Pferde, die sie gezüchtet und verkauft haben an die Bauern, waren alle für den Krieg abgeholt, da hatten sie kein Einkommen mehr. Da hat er eine Karte gebracht für die Bahn, dass er nach Frankreich fährt und von dort eine Adresse gegeben, dass man ihn nach Palästina bringt."

Zeev Stern, Nachfahre verfolgter jüdischer Mitbürger

Julius, seinem Bruder Arnold und der Schwester Gerda gelingt die Flucht nach Palästina. Schwester Margit stirbt, als ihr Flüchtlingsschiff  vor der Küste von Haifa untergeht. Ihre Eltern und eine weitere Schwester kommen in Auschwitz um, auch Rabbi Alex Lewin. Margalit Lazars Mutter Gerda sprach oft von ihrer Heimat, sagt sie, kam sogar einmal zu Besuch zurück.

Hoppstädten-Weiersbach war ihre Heimat

Margalit Lazar erzählt, dass ihre Mutter sehr verliebt war in ihre Heimat. "Sie ist geflüchtet als sie 25 war, nach Israel, aber sie hat immer ihre Heimat gesehen hier in Hoppstätten." Was dort alles passierte, bevor sie flüchten musste, davon redete sie nie. Zeev Stern erfuhr später etwas von einer Tante, die in die USA flüchten konnte.

"Sie haben gewohnt in Richtung jüdischer Friedhof, und da wurden denen die Scheiben vom Haus zerschlagen."

Zeev Stern, Nachfahre verfolgter jüdischer Mitbürger

Die Schülerinnen Annika Franzmann und Josephine Dries gehören zu der Gruppe Birkenfelder Gymnasiasten, die sich mit dem Schicksal der Familie Stern beschäftigt haben. Sie sagen: "Wenn man die Geschichte der Menschen erfährt, geht es einem schon sehr nah. Wenn man dann die Nachfahren sieht, das war sehr sehr emotional für uns. Vielleicht fahren wir sogar nach Israel, die Familie hat uns das gerade angeboten."

Den ermordeten Familienangehörigen gedenken

Bei der Gedenkfeier mit Schülern kommen Margalit Lazar die Tränen. Sie und ihr Cousin Zeev sind froh, dass ihrer ermordeten Familienangehörigen gedacht wird.

Stolpersteine in Hoppstädten-Weiersbach verlegt

Vor dem Haus der Familie Stern sind Stolpersteine verlegt worden (Foto: SWR, Nicole Mertes)
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Der Künstler Gunter Demnig verlegt vor dem Haus der Familie Stern Stolpersteine Nicole Mertes Bild in Detailansicht öffnen
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Familienmitglieder aus Israel und Verwandte aus Wiesbaden vor den Stolpersteinen Nicole Mertes Bild in Detailansicht öffnen
Die ehemalige Synagoge in Hoppstädten-Weiersbach ist heute ein Wohnhaus Nicole Mertes Bild in Detailansicht öffnen
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