Muhamed Agovic (Foto: SWR)

Pannen bei der JVA Trier Als Ausbrecherkönig Agovic die Flucht gelang

Ab 1995 hält der Schwerverbrecher Muhamed Agovic Rheinland-Pfalz in Atem. Der heute in Freiheit lebende Mörder bleibt den Menschen vor allem als Ausbrecherkönig im Gedächtnis. Ihm gelingt eine unvergessene Flucht aus der Trierer JVA.

Muhamed Agovic und seine Komplizen überfallen 1995 das Konzer Tanzlokal Tropical und töten dabei einen Kellner, ein weiterer wird schwer verletzt. Aus Geldnot verübt Agovic weitere Überfälle im Raum Mainz.

1996 gerät er nach einem Autodiebstahl in eine Polizeikontrolle. Ohne Vorwarnung beginnt er zu schießen und flüchtet. Ein internationaler Haftbefehl folgt. Im Mai 1999 wird er in Sarajevo festgenommen. Nach mehr als sechs Monaten wird Agovic schließlich in die Justizvollzugsanstalt Trier überführt. Am 15. September 2000 verurteilt das Trierer Landgericht ihn wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe.

Dort angekommen macht der 30-Jährige einer Justizbediensteten schöne Augen. Die Frau verfällt Agovic und schmuggelt für ihn ein Paket in die JVA. In der Kiste befindet sich ein Hammer, Kabelbinder, ein Bolzenschneider und eine Waffe.

Muhamed Agovic (Foto: SWR)
Mit diesen Bildern wurde nach Muhamed Agovic und seinem Komplizen gesucht

Mit einem weiteren Gefangenen, Fay Cimberti, gelingt Agovic nur zwei Monate nach der Verurteilung die Flucht aus dem wenig gesicherten Gefängnis: Nach einem Hofgang streift Agovic die Handfesseln ab und zwingt zwei Beamte mit der Waffe zu Boden. Er fesselt sie.

Eine Flucht mit vielen Pannen

Nach seinem Ausbruch gibt der rheinland-pfälzische Justizminister Herbert Mertin (FDP) bekannt, dass die Flucht von vielen Pannen begleitet wurde. Denn Agovic telefoniert am Tag seines Ausbruchs vierzehn Mal unbemerkt mit einem Handy in seiner Zelle. Außerdem trägt er bei seinem Hofgang den Bolzenschneider und den Hammer spazieren. Trotz umfangreichen Anweisungen, wie Agovic kontrolliert werden müsse, bemerkt das Personal nichts.

Dauer

Außerdem bedroht Agovic die Bedienstete, die ihm das Paket zugespielt hatte. Er wisse, wo sie wohne. Das Unfassbare: Die Adresse hat er wohl aus einem Telefonbuch, dass ihm ein Beamter in die Zelle bringt. Eine weitere Panne: Ein Beamter kann seinen Notruf nicht weiterleiten, weil die Batterie des Funkgerätes fast leer ist.

Die Justizbedienstete wird im Juli 2001 wegen Beihilfe zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Nach dem Ausbruch verschärft die JVA Trier ihre Regeln und baut höhere Mauern. Der Gefängnisdirektor wird ersetzt. Agovic selbst wird 2002 in Montenegro verhaftet. Aus seiner lebenslangen Haftstrafe werden 20 Jahre Gefängnis. 2009 wird der Ausbrecherkönig vorzeitig entlassen und lebt seitdem in Freiheit.

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