Bioeier in Massenproduktion - geht das? Das Foto zeigt Hühner auf einem der größten Bio-Hühnerhöfe in Rheinland-Pfalz in Ormont in der Eifel. (Foto: SWR)

Ostergeschäft in Rheinland-Pfalz Bioeier in Massenproduktion - geht das?

Zwei der größten Bio-Hühnerhöfe in Rheinland-Pfalz stehen in der Eifel. Hier gibt es Hennen-Gruppen mit 3.000 Tieren, die im Schichtbetrieb ins Freie dürfen und eine Eierautobahn.

Die ehemaligen Milchbauern Oliver Grommes und Klaus Hansen wollten aus der Milch-Preis-Misere ausbrechen. Sie gründeten deshalb 2016 einen Bio-Hühnerhof in Ormont in der Vulkaneifel. Heute halten sie dort 24.000 Hühner. Die Tiere leben in Gruppen von 3.000 Hennen zusammen, die abwechselnd nach draußen gehen.

Wo fängt Massentierhaltung an?

Der Begriff "Massentierhaltung" gefällt Landwirt Grommes für seinen Betrieb aber nicht. Es gäbe schließlich konventionelle Ställe mit weit über 200.000 Tieren, die nie einen Sonnenstrahl erhaschten, sagt er.

Hühner leben normalerweise in Gruppen von maximal zwei Dutzend Tieren zusammen. Wie tiergerecht kann da die Massentierhaltung sein? Dieser Frage ist SWR Redakteur Axel Weiß für die SWR-Sendung "natürlich!" nachgegangen. Sein Eindruck: Hühnerhaltung in Bio funktioniert auch im großen Maßstab.

Die komplette "natürlich!"-Reportage sehen Sie hier.

Dauer

Auch der Eifeler Hühnerhalter Stefan Probst, auf dessen Familienbetrieb rund 10.000 Eier am Tag gelegt werden, sagt: "Natürlich, es ist eine Masse, aber man muss eine gewisse Größe haben, dass man einfach eine Wirtschaftlichkeit erreicht."

"Massenproduktion ist ein ganz schwieriges Wort."

Stefan Probst, Hühnerhalter

Das Umweltministerium sieht dies ähnlich: "Tierschutzprobleme können in kleinen wie auch in großen Strukturen auftreten", sagt Ministeriumssprecherin Josephine Keller. Tierschutz hänge stärker von der Art der Tierhaltung und der Stallausstattung ab als von der Anzahl der Tiere.

In Rheinland-Pfalz gibt es insgesamt 56 Hühnerhöfe, die mehr als 3.000 Legehennen halten. Wie viele davon ökologisch arbeiten, dazu darf das Statistische Landesamt aus Geheimhaltungsgründen keine konkreten Angaben machen. Zu leicht könnten sonst Rückschlüsse auf einzelne Betriebe gezogen werden.

Eine Seltenheit: Bio-Hühnerhöfe im Land

Das gilt auch für Betriebe, die Eier der Kategorie 3 erzeugen: Die Kleingruppenhaltung in Käfigen. Das Statistische Landesamt fasst daher beide Haltungsformen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zusammen. Ihr gemeinsamer Anteil liegt bei 6,2 Prozent in Rheinland-Pfalz. Im Land leben die meisten Legehennen in Bodenhaltung (87 Prozent), gefolgt von der Freilandhaltung (6,8 Prozent).

In Ormont haben die ehemaligen Milchbauern Grommes und Hansen mehrere Millionen Euro in ihre beiden großen, zertifizierten Ställe investiert. Die Tiere bekommen eine Mischung aus Bio-Mais, Bio-Weizen, Bio-Erbsen, Bio-Bohnen, Bio-Soja zu fressen, ein Fünftel davon aus eigenem Anbau. Mit 4,2 Hühnern pro Quadratmeter lassen Grommes und Hansen den Tieren mehr Platz als es die ökologische Haltung mit maximal sechs Hennen pro Quadratmeter vorschreibt.

Suppenhuhn oder Vogelfutter

Nach gut anderthalb Jahren enden die Tiere als Suppenhuhn, wenn sie nicht vorher ein Habicht fängt. Pro Jahr verendeten rund 2.000 Hennen im Freilauf durch Greifvogel-Attacken.

Ein Huhn fliegt vor der "Eierautobahn" her, über die die Eier von einem Stall in den anderen Stall zur späteren Verpackung transportiert werden. (Foto: SWR)
Silbern glänzt die "Eierautobahn" auf dem Hühnerhof. Mit 1km/h werden hier die Eier transportiert.

Der Hühnerhalter Oliver Grommes zieht nach knapp drei Jahren eine positive Bilanz. Auf dem Hof produzierten die Hühner täglich 23.000 Eier, die über eine Eier-Autobahn befördert und innerhalb von zwei Stunden für den Transport verpackt sind. Die biologische Landwirtschaft sei für ihn wirtschaftlicher als die konventionelle, sagt Grommes. Zwar habe die Stallanlage mehr gekostet, die Futterkosten und Hennen seien doppelt so teuer, aber man bekomme dadurch auch mehr Geld für das Ei.

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