Demo vor dem Trierer Priesterseminar Missbrauchsopfer kritisieren Bischof Ackermann

Vor dem Priesterseminar haben am Donnerstagmittag Missbrauchsopfer der katholischen Kirche und Symphatisanten demonstriert. Sie kritisierten Bischof Ackermann, weil sie bislang nicht an der Aufarbeitung der Missbrauchsstudie beteiligt wurden.

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18:00 Uhr
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SWR Fernsehen RP

Neun Menschen demonstrierten am Donnerstagmittag vor dem Trierer Priesterseminar. Unter ihnen waren zwei Missbrauchsopfer. Sie übten Kritik an dem Trierer Bischof Ackermann. Trotz mehrfacher Anfragen habe dieser bislang nicht mit den Opfern über die Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz sprechen wollen, teilte die Missbrauchsinitiative "MissBiT" mit. Ihren Unmut äußerten sie lautstark vor dem Trierer Priesterseminar.

"Wir sind es nach neun Jahren Missbrauchsmanagement leid", sagte der Betroffene Thomas Schnitzler. Die Aufarbeitung komme überhaupt nicht voran. "Man fühlt sich total ohnmächtig." Die Demonstranten vor der Tür riefen wiederholt: "Stephan, mauert euch nicht ein, lasst auch die Betroffenen rein!"

Mehr als 440 Missbrauchsopfer im Bistum Trier

In der wissenschaftlichen Arbeit waren mehr als 440 Missbrauchsopfer im Bistum Trier nachgewiesen worden. Bischof Stephan Ackermann hatte sich am Donnerstagvormittag hinter verschlossenen Türen mit den hauptberuflichen Priestern und Diakonen im Bistum getroffen, um über die Missbrauchsstudie zu informieren.

Der Trierer Bischof Ackermann informierte Diakonen und Priester über die Missbrauchsstudie. (Foto: dpa Bildfunk)
Der Trierer Bischof Ackermann informierte Diakone und Priester über die Missbrauchsstudie.

Ackermann äußert sich nicht zur Demo

Zu der Kritik der Missbrauchsopfer wollte er sich bisher nicht äußern. Auch am Donnerstagmorgen sagte Ackermann auf Nachfrage nur: "Das Thema ist ja bekannt". Zu einem Gespräch zwischen Ackermann und den Betroffenen kam es nicht. "Er ist Gastgeber der Veranstaltung und dort eingebunden", erläuterte die Sprecherin des Bistums, Judith Rupp. Das Treffen im Priesterseminar mit knapp 200 Geistlichen sei "nicht Teil der Aufarbeitung, die dann ohne Betroffene stattfindet. Das ist eine Infoveranstaltung."

Die Aufarbeitung unter Einbeziehung der Betroffenen sei Bischof Ackermann "sehr wichtig", betonte Rupp. Er habe sich in den vergangenen neun Jahren immer wieder mit Opfern zu Gesprächen getroffenen.

Koblenzer Pastoralreferentin fordert Aufklärung

Die Koblenzer Pastoralreferentin Jutta Lehnert, die die Inititative "MissBiT" unterstützt, sagte, die Studie müsse "endlich innerkirchlich wahrgenommen werden und zu Gesprächen führen". Es könne doch nicht sein, das rund fünf Monate nach der Studie es noch kein Gespräch zwischen dem Bischof und der Intitative gegeben habe. "Das ist überfällig. Es wird alles verschleppt."

Im September hatte die Deutsche Bischofskonferenz eine Missbrauchsstudie vorgestellt. Demnach sollen zwischen 1946 und 2014 deutschlandweit mindestens 1.670 Kleriker 3.677 Minderjährige missbraucht haben. Die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz hatte am Donnerstag neue Ermittlungen auf Basis der bundesweiten Studie abgelehnt.

Ackermann hält an Zölibat fest

Ackermann hatte sich zuvor dafür ausgesprochen, am Zölibat bei katholischen Priestern festzuhalten. Er halte die Ehelosigkeit "für eine wertvolle Lebensform", sagte er der "Südwest Presse". Sein Mainzer Amtskollege Peter Kohlgraf sagte hingegen, dass mittelfristig eine Abkehr vom Pflichtzölibat denkbar sei. Der Trierer Bischof Ackermann ist der Beauftragte der katholischen Deutschen Bischofskonferenz für Fragen sexuellen Missbrauchs.

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