Anti-Missbrauchstreffen Trierer Missbrauchsopfer fordert externe Aufklärung

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Die Betroffenenverbände erwarten nicht allzu viel vom Anti-Missbrauchstreffen im Vatikan. Einer dieser Skeptiker ist Thomas Schnitzler von der Initiative MissBiT (Missbrauch im Bistum Trier).

Thomas Schnitzler ist nach eigenen Angaben mit zehn Jahren vom Kaplan seiner Heimatgemeinde in Trier-Kürenz missbraucht worden. Zum Gipfel im Vatikan hat der 61-Jährige eine eindeutige Meinung: "Dass die Kirche ihre eigenen Delikte aufklärt, das geht einfach nicht, das kann nicht gehen."

Rückhaltlose Aufklärung durch unabhängige Instanzen - das wäre das Wichtigste für Thomas Schnitzler. Der Rechtsstaat, meint er, sollte das Kommando bei der Aufklärung und Strafverfolgung übernehmen. Und zwar egal, ob es um Geistliche geht, die sich selbst an Kindern und Jugendlichen vergangen haben, oder um Bischöfe, die sexuelle Vergehen gedeckt und Verdächtige einfach in die nächste Pfarrei versetzt haben. Es sei notwendig, Täter und Vertuscher auch nach Jahrzehnten noch zur Rechenschaft ziehen zu können.

"Übernehmen Sie endlich Verantwortung! Sorgen Sie dafür, dass eine angemessene Entschädigung gezahlt wird und überlassen Sie die Aufklärung unabhängigen Instanzen!"

Thomas Schnitzlers Appell an die Kirchenleitung

Thomas Schnitzler hat seine traumatische Erfahrung aus der Kindheit Jahrzehnte lang in sich verschlossen. Die Wende kam als 2010 der Skandal nach und nach ans Tageslicht drang. "Es war wie bei den meisten: Als der Missbrauch öffentlich wurde, hat es auf einmal 'plopp' gemacht und mit einem Schlag ist die Erinnerung hervorgebrochen an das, was früher gewesen ist."

Langes Warten auf Akteneinsicht

Früher, damit meint er die 1960er-Jahre. Der damalige Kaplan von Trier-Kürenz, ein cooler Typ, der mit den Ministranten auch mal ins Freibad ging, habe eines Tages begonnen, den Jungs von hinten in die kurze Lederhose zu fassen. Und das sei erst der Anfang gewesen: Einige habe er vergewaltigt. Dass es so weit kommen konnte, versteht Thomas Schnitzler bis heute nicht. Denn der Kaplan war schon vorher in einer anderen Pfarrei auffällig geworden. Eine Mutter hatte ihn sogar bei der Kirche angezeigt. Ohne Konsequenzen.

Seit Jahren kämpft Schnitzler dafür, dass er und die vielen anderen Betroffenen die Personalakte des früheren Kaplans einsehen können. Denn die Frage, warum der Geistliche trotz Anzeige nur versetzt wurde, lässt ihn nicht los. Jetzt endlich hat das Bistum die Akteneinsicht in Aussicht gestellt.

Mutmaßlicher Peiniger streitet alles ab

Auf seinen Peiniger, der später den kirchlichen Dienst quittiert und geheiratet hat, ist Schnitzler 2010 zugegangen. Es hätte ihm genügt, wenn der frühere Kaplan ihm erklärt hätte, warum er ihn und die anderen Jungs missbraucht hat. Aber es kam anders: "Er hat am Schluss des Gespräches zu mir gesagt, wortwörtlich: Wenn es so gewesen wäre, würde es mir leidtun. Er hat mich als verrückten Trittbrettfahrer bezeichnet."  

Schnitzler hat den Eindruck, auch bei den Bistumsverantwortlichen gegen Wände zu rennen. Bis heute. Die katholische Kirche, meint er, könne ihn gar nicht mehr enttäuschen. Und räumt dann doch ein, dass er mit der katholischen Kirche noch nicht fertig ist – auch wenn er 2011 seinen Austritt erklärt hat.

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