Kirchensteuer für Missbrauchsopfer? Trierer Bischof Ackermann entschuldigt sich für Maut-Vergleich

Die Katholische Kirche könnte Missbrauchsopfer zukünftig mit Geld aus der Kirchensteuer entschädigen. Davon geht der Trierer Bischof Stephan Ackermann aus. Für einen Vergleich entschuldigte sich der Bischof.

Bisher werden Entschädigungen im Bistum Trier ausschließlich aus den Mitteln des Bischöflichen Stuhls gezahlt. Weil aber eine Neuregelung bei den Entschädigungsleistungen angestrebt werde, solle auch darüber gesprochen werden, ob dazu Kirchensteuern verwendet werden können, so eine Sprecherin des Bistums am Montag.

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Unstrittig sei, dass immer zuerst der Täter finanziell zur Verantwortung gezogen werden müsse, so lange er noch lebe. "Bei verstorbenen Tätern ist dies allerdings nicht mehr möglich", so die Sprecherin.

Bischof entschuldigt sich für Vergleich

Auch wenn es vielen Gläubigen widerstrebe, mit ihren Beiträgen für Verfehlungen einzelner Geistlicher einzustehen, seien die Kirchenmitglieder als Solidargemeinschaft in der Pflicht. Das hatte der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz am Sonntag in Trier gesagt.

Um die Solidargemeinschaft zu illustrieren, hatte Ackermann die Funktionsweise mit der Autobahn-Maut verglichen: "Wir zahlen auch für Andi Scheuers Autobahnen", hatte der Bischof gesagt. Für diesen Vergleich entschuldigte sich Ackermann am Montag: "Der Vergleich war zu salopp und unpassend. Den würde ich nicht wiederholen. Menschen, die sich dadurch verletzt fühlen, bitte ich um Entschuldigung."

Frage nach der Höhe der Entschädigungsleistungen

In der Frage nach der Höhe der Entschädigungsleistungen erwartet der Missbrauchsbeauftragte noch harte Auseinandersetzungen.

Aber dieser Streit müsse sein, und es werde sicher kein für alle Seiten zufriedenstellendes Ergebnis geben können: "Wir kriegen auf jeden Fall wieder Prügel - egal was wir entscheiden." Das Ziel müsse "ein opferorientiertes und möglichst gerechtes System" sein. Ackermann äußerte sich beim Jahrestreffen der katholischen Journalistenschule ifp.

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Arbeitsgruppe schlägt zwei Modelle vor

Nach der bisherigen Regelung der Bischofskonferenz zur "Anerkennung zugefügten Leids" erhalten Betroffene Pauschalzahlungen von rund 5.000 Euro, in Einzelfällen auch mehr. Bislang wurden dafür rund 9,7 Millionen Euro bewilligt.

Eine von der Bischofskonferenz eingesetzte Arbeitsgruppe unter Beteiligung von Missbrauchsopfern hatte im September ein Empfehlungspapier vorgelegt, das für eine Neuregelung zwei Modelle vorschlägt. Das eine sieht eine pauschale Entschädigung in Höhe von rund 300.000 Euro pro Fall vor, das andere ein abgestuftes Entschädigungsverfahren, bei dem je nach Schwere des Falls zwischen 40.000 und 400.000 Euro gezahlt werden sollen.

Entscheidung noch offen

Schätzungen zufolge könnte dies Zahlungen von insgesamt bis zu einer Milliarde Euro nach sich ziehen. Bei der vergangenen Vollversammlung der Bischofskonferenz in Fulda hatten sich die Bischöfe grundsätzlich auf eine Neuregelung der Zahlungen an die Opfer verständigt. Eine konkrete Entscheidung steht noch aus.

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