Polizisten sichern das Gelände eines ehemaligen Nato-Bunkers in Traben-Trarbach (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Thomas Frey/dpa)

LKA Rheinland-Pfalz über Ermittlungen Cyberverbrechen in Traben-Trarbach - Sieben Verdächtige in U-Haft

Rund 650 Einsatzkräfte, darunter GSG9-Beamte, haben laut Landeskriminalamt ein kriminelles Cybernetzwerk in einem früheren Nato-Bunker ausgehoben. Sieben Verdächtige befinden sich mittlerweile in U-Haft.

Insgesamt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen 13 Tatverdächtige - zwölf Männer und eine Frau. Sie sind zwischen 20 und 59 Jahre alt. Gegen sie wird unter anderem wegen der Beihilfe zu Hunderttausenden Fällen von schweren Drogendelikten, Falschgeldgeschäften, Datenhehlerei und der Beihilfe zur Verbreitung kinderpornografischer Schriften ermittelt. Von den 13 Beschuldigten sitzen sieben mittlerweile in U-Haft.

In früherem Nato-Bunker So sieht es im Versteck der Cyberkriminellen aus

Die Polizei hat ein Rechenzentrum für illegale Geschäfte im Darknet ausgehoben.  (Foto: Pressestelle, Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz)
Hinter der schweren Eisentür eines ehemaligen Bunkers in Traben-Trarbach soll die Schaltstelle für millionenschwere kriminelle Geschäfte im Darknet gewesen sein. Pressestelle Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz Bild in Detailansicht öffnen
Das rund 13 Hektar große Militärgelände wurde 2013 von einer niederländischen Stiftung gekauft. Pressestelle Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz Bild in Detailansicht öffnen
Über die Server des Rechenzentrums sollen Webseiten im Darknet betrieben worden sein. Pressestelle Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz Bild in Detailansicht öffnen
Insgesamt 13 mutmaßliche Täter von 20 bis 59 Jahren stehen im Verdacht, das Rechenzentrum betrieben zu haben. Pressestelle Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz Bild in Detailansicht öffnen
Über fünf Etagen unter der Erde reihten sich Server an Server. Pressestelle Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz Bild in Detailansicht öffnen

Das Ausmaß der Razzia in Traben-Trarbach (Kreis Bernkastel-Wittlich) sei einmalig, erklärte Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer am Freitagmittag. Es sei das erste Mal in Deutschland gewesen, dass die Ermittler einen so genannten Bulletproof-Hoster ausheben konnten.

200 Server seien bisher sichergestellt worden. Es sei erst der Anfang, man gehe von insgesamt 2.000 Servern aus. Die Datenlage sei "gigantisch", beschreibt der Präsident des Landeskriminalamts, Johannes Kunz. Der erste Hinweis sei von der Verbandsgemeinde Traben-Trabach gekommen.

Der Einsatz am Donnerstagabend sei seit Mai vorbereitet worden. Die Verdächtigen seien außerhalb der Bunkeranlage im Stadtgebiet festgenommen worden, sagte LKA-Präsident Kunz. Eine Festnahme habe es zudem im hessischen Schwalbach gegeben. Ein Zugriff erfolgte auch in einem Restaurant in Traben-Trarbach. Kunz nannte es einen "Riesenerfolg", in die Bunkeranlage mit Polizeikräften eingedrungen zu sein und auch die digitalen Sicherungen geknackt zu haben.

"Das wird uns noch mehrere Monate oder Jahre beschäftigen."

Johannes Kunz, LKA-Präsident

Hauptverdächtiger kommt aus den Niederlanden

Bei dem Hauptverdächtigen des kriminell betriebenen Rechenzentrums handelt es sich laut LKA-Präsident Kunz um einen 59-jährigen Niederländer. Er soll schon in den Niederlanden auffällig gewesen sein und habe Beziehungen zur Organisierten Kriminalität. Seinen Wohnsitz soll der Hauptverdächtige nach Singapur verlegt haben, den Ermittlungen nach habe er aber in der Bunkeranlage und an der Mosel gelebt.

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19:30 Uhr
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Deals über "Wall Street Market" belaufen sich auf 41 Millionen Euro

Die Zahl der Kunden könne noch nicht abgeschätzt werden, sagte Kunz. Klar seien aber bereits etliche Marktplätze und Foren, die ihre Straftaten über die Server in Rheinland-Pfalz laufen ließen: Zum Beispiel die Betreiber des weltweit zweitgrößten Darknet-Marktplatzes für Drogen, "Wall Street Market" - den Ermittler im Frühjahr zerschlagen hatten. Über diese Plattform liefen laut Generalstaatsanwalt Brauer 250.000 Deals mit Betäubungsmitteln mit einem Umsatz von 41 Millionen Euro.

Auch der Angriff auf 1,25 Millionen Telekom-Router Ende November 2016 wurde laut Generalstaatsanwaltschaft über einen Server im "Cyberbunker" gesteuert.

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Durchsuchungen auch in Polen, Luxemburg und Niederlande

Insgesamt gab es 18 Durchsuchungsbeschlüsse, die am Donnerstag durchgeführt wurden. Auch in Polen, Luxemburg und den Niederlanden habe es Durchsuchungen gegeben.

In Traben-Trarbach hatten sich die Kriminellen auf einem rund 13 Hektar großen Militärgelände organisiert. Die Bunkeranlage umfasst rund 5.000 Quadratmeter und ist auf fünf Etagen angelegt. Außerdem gibt es einen Komplex mit zirka 500 Büroeinheiten auf dem Gelände, in dem gelebt und gearbeitet worden sei.

Aufbau der organisierten Kriminalität seit 2013

Die Bunkeranlage wurde 2013 von einer niederländischen Stiftung gekauft. Sukzessive seien dort ab 2013 Verbrechen geplant worden. Die Ermittlungen hätten 2015 begonnen. Beteiligt waren neben dem rheinland-pfälzischen LKA auch Kollegen aus Hessen, Bayern und den Niederlanden. "Der lange Atem hat sich ausgezahlt", sagte Kunz.

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