Die ehemalige Bunkeranlage in Traben-Trarbach umfasst rund 5.000 Quadratmeter. (Foto: Pressestelle, Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz)

Kriminelles Cybernetzwerk in ehemaligem Nato-Bunker Bunker-Besitzer war Traben-Trarbachern schon länger suspekt

200 bisher sichergestellte Server, 13 Tatverdächtige gegen die derzeit ermittelt wird. Das Ausmaß des kriminellen Cybernetzwerks, das vergangene Woche in einem früheren Nato-Bunker ausgehoben wurde ist gigantisch. Einige Traben-Trarbacher waren schon länger misstrauisch, was sich wohl hinter den Mauern des Bunkers abspielte.

Zahlreiche illegale Geschäfte, vom Waffendeal über Datenklau bis zum Handel mit Kinderpornografie gingen über den Ex-Nato-Bunker an der Mosel.

Ein scheinbar harmloses Vorhaben

Der jetzt verhaftete Niederländer, der das Gelände gekauft hatte, hat nach Angaben eines Stadtratsmitglieds 2013 den Traben-Trarbacher Stadtrat besucht und erzählt, dass er ein Datenzentrum in dem Bunker einrichten wolle.

Der Mann hat nach SWR-Informationen rund 350.000 Euro für den Bunker bezahlt. Weil die BIMA den Verkauf abgewickelt habe, sei man in Traben-Trarbach davon ausgegangen, dass alles mit rechten Dingen zu gehe, so das Stadtratsmitglied. Doch der Niederländer, der dann später auch in Traben-Trarbach gewohnt haben soll, kam nach SWR-Recherchen einigen Traben-Trarbachern suspekt vor.

In früherem Nato-Bunker So sieht es im Versteck der Cyberkriminellen aus

Die Polizei hat ein Rechenzentrum für illegale Geschäfte im Darknet ausgehoben.  (Foto: Pressestelle, Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz)
Hinter der schweren Eisentür eines ehemaligen Bunkers in Traben-Trarbach soll die Schaltstelle für millionenschwere kriminelle Geschäfte im Darknet gewesen sein. Pressestelle Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz Bild in Detailansicht öffnen
Das rund 13 Hektar große Militärgelände wurde 2013 von einer niederländischen Stiftung gekauft. Pressestelle Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz Bild in Detailansicht öffnen
Über die Server des Rechenzentrums sollen Webseiten im Darknet betrieben worden sein. Pressestelle Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz Bild in Detailansicht öffnen
Insgesamt 13 mutmaßliche Täter von 20 bis 59 Jahren stehen im Verdacht, das Rechenzentrum betrieben zu haben. Pressestelle Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz Bild in Detailansicht öffnen
Über fünf Etagen unter der Erde reihten sich Server an Server. Pressestelle Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz Bild in Detailansicht öffnen

Zweifelhafte Vergangenheit

So gab es unter anderem Berichte im Internet, die den Mann mit illegalen Dingen in Verbindung bringen. Da ging es um Drogengeschäfte in einem ähnlichen Bunker in den Niederlanden, den er offenbar auch betrieben haben soll. Ob diese Berichte stimmen, lässt sich nicht im Detail klären, dennoch existieren sie.

Nach Angaben des Traben-Trarbacher Stadtbürgermeisters Patrice Langer war die Firma des Investors, die den Bunker gekauft hatte, im Internet nirgends zu finden. Was noch für Misstrauen sorgte: Der Niederländer habe nie den Kontakt mit der Stadt gesucht. Zudem seien die 80 Mitarbeiter, die angeblich in dem Bunker hätten arbeiten sollen, nie gesehen worden.

Nach Angaben des Landeskriminalamtes gab es bereits vor einigen Jahren auch Hinweise aus der Verbandsgemeinde, dass irgendwas mit dem Bunker nicht stimme.

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