Zwei Hände greifen nach einem Kind (Foto: SWR)

Missbrauch im katholischen Internat in Gerolstein Opferverband kritisiert Bistum Trier

Der Opferverband "Missbit" kritisiert den Umgang des Bistums Trier mit den jetzt bekannt gewordenen Vorwürfen in dem ehemaligen katholischen Internat Albertinum. Dort hat es jahrelang Fälle von Missbrauch und Misshandlungen an Schülern gegeben, wie das Bistum Trier am Freitag bestätigte.

Ein Sprecher des Verbands der Opfer aus dem Bistum Trier sagte, es gebe keine wirkliche Aufarbeitung in der katholischen Kirche. Es werde nur das bestätigt, was öffentlich bekannt werde. Bischof Stephan Ackermann, auch Missbrauchsbeauftragter der deutschen Bischofskonferenz, will sich selbst zu den Fällen nicht äußern.

Das Bistum Trier hatte am Freitag über eine Sprecherin die Vorwürfe bestätigt. Die Vorfälle liegen schon Jahrzehnte zurück. Hinweise auf körperliche Misshandlungen und sexuellen Missbrauch in dem Internat hatte das Bistum Trier bereits vor acht Jahren erhalten, wie eine Bistumssprecherin mitteilte.

Die Hinweise seien über die geschaltete Missbrauchs-Telefonhotline, Schreiben und Telefonate eingegangen. Nur eine Person habe anschließend eine "finanzielle Leistung in Anerkennung des Leids" bekommen, sagte die Sprecherin weiter.

Hauptbeschuldigter ist ehemaliger Internatsleiter

Die Taten sollen in den 1960er und 1970er Jahren passiert sein. Einer der Hauptbeschuldigten ist der Heimleiter. Er starb vor elf Jahren. Was mit dem zweiten Beschuldigten ist, sei nicht bekannt, so das Bistum.

In einem Internetblog berichten ehemalige Internatsschüler anonym von Schlägen und Isolationshaft. Ein ehemaliger Schüler schreibt von einem dunklen, schallisolierten Raum - kaum größer als eine Besenkammer - in dem Schüler eingesperrt worden seien.

Ein anderer Schüler wirft dem ehemaligen Leiter sexuellen Missbrauch während einer Schwimmstunde in der Kyll vor. Das Internat in Gerolstein ist seit Jahren geschlossen.

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