Sarah H. (Foto: SWR)

Hunsrückerin zu Tode gequält Prozess-Neuauflage hinter verschlossenen Türen

Der Foltertod einer Frau aus Fischbach im Hunsrück wird seit Dienstag vor dem Landgericht Neubrandenburg in Mecklenburg-Vorpommern neu verhandelt. Es soll geklärt werden, ob der Angeklagte überhaupt schuldfähig war.

Der Prozess findet in seiner Neuauflage hinter verschlossenen Türen statt. Die Kammer am Landgericht Neubrandenburg unter Richter Carl-Christian Deutsch schloss am Dienstag die Öffentlichkeit auf Antrag der Staatsanwaltschaft bis zur Urteilsverkündung aus. Diese soll Ende August oder Anfang September erfolgen.

Grund für den Ausschluss sei, dass es auch darum gehe, den Angeklagten in einer psychiatrischen Haftanstalt unterzubringen, hieß es. Der Angeklagte selbst hatte die Öffentlichkeit nicht ausschließen wollen. Denn so könnten die "verleumderischen Vorverurteilungen" aufgeklärt werden.

"Die Frau war auf mich angesetzt"

Der Mann hatte im ersten Prozess weitgehend geschwiegen, nur in seinem letzten Wort bedauert, dass er damals nicht rechtzeitig einen Arzt geholt habe. Polizisten gegenüber hatte er aber erklärt, dass er die Frau gefoltert habe, weil "sie von Bundesnachrichtendienst und von der Dorfbevölkerung auf mich angesetzt war".

Schon beim erneuten Prozessbeginn machte der 52-Jährige deutlich, dass er den jetzigen Pflichtverteidiger ebenfalls ablehnt. Dieser tue zu wenig. Zudem stellte der IT-Fachmann einen Befangenheitsantrag gegen Richter Deutsch, da dieser nicht unvoreingenommen sei. Über den Antrag wollte die Kammer im Verlauf des Prozesses entscheiden. Ähnliche Anträge des Angeklagten, der auch diesmal dem Richter zu Prozessbeginn mehrfach ins Wort fiel, wurden in der Vergangenheit immer abgelehnt.

Fundort der Leiche in Alt Rehse (Foto: SWR)
Fundort der Leiche in Alt Rehse

Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Die junge Frau aus Fischbach im Hunsrück starb im Sommer 2016 eines qualvollen Todes in dem Dorf Alt Rehse in Mecklenburg-Vorpommern. Sie war von ihrem Lebensgefährten zu Tode gefoltert worden. Das Landgericht Neubrandenburg verurteilte den 52-Jährigen wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung mit Todesfolge zu fünf Jahren Gefängnis. Dabei hatte ihm die Kammer eine "verminderte Schuldfähigkeit" attestiert, obwohl er Gespräche mit Gutachtern ablehnte.

Misshandelt und sterben lassen

Der Mann hatte die 32-jährige Hunsrückerin über das Internet kennengelernt. Die Frau zog zu ihm nach Alt Rehse und begann mit ihm eine Beziehung. Laut Anklage hatte er sie im Sommer 2016 im Streit an ein Bett gefesselt, mit einer Peitsche misshandelt und dann sterben lassen. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hob das Urteil später auf.  

Die Frau aus Fischbach bei Idar-Oberstein war 2011 bundesweit durch die Teilnahme an der Kuppelshow eines Privatsenders bekannt geworden. Sie hatte später öffentlich die Praktiken der Fernsehproduzenten kritisiert. 

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