Nach Selbstanzündung in AfA Hermeskeil Flüchtlingsorganisationen kritisieren Aufnahmeeinrichtungen

Nach der Selbstanzündung eines Flüchtlings in Hermeskeil kritisieren Flüchtlingsorganisationen die Zustände in den Aufnahmeinrichtungen. Die ADD erklärte: Man tue was man könne.

Der Arbeitskreis Asyl Rheinland-Pfalz erklärte in einer Stellungnahme, dass sich die Situation in den Erstaufnahmeeinrichtungen verschlimmert habe. Die Einrichtungen seien Orte der Isolation und der Perspektivlosigkeit. Die Menschen lebten dort über Monate, teils auch über Jahre ohne Privatsphäre. Sie dürften nicht arbeiten und hätten auch keinen Zugang zu Bildung. Jederzeit drohe ihnen die Abschiebung in Elend oder Obdachlosigkeit. Daher seien Taten wie der Selbstverbrennungsversuch des Mannes am Mittwoch in Hermeskeil das Resultat von Verzweiflung aufgrund immer schärferer Asylgesetze.

ADD zum Vorfall in Hermeskeil

Die zuständige Behörde Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion teilte mit, dass man versuche, den geflüchteten Personen ein Gefühl der Sicherheit zu geben. Außerdem arbeite man ständig daran, die Bewohner der AfA zu beschäftigen. Zur Kritik an der mangelnden Privatsphäre räumte die Vizepräsidentin der ADD, Begoña Hermann, ein, dass es sehr wenige Einzelzimmer in der Aufnahmestelle gebe. Die größten Zimmer seien für acht Personen ausgelegt, würden aber höchstens mit sechs Personen belegt. Familien würden allein in einem Zimmer leben.

Dauer

Außerdem erklärte Begoña Hermann, dass es in der AfA Hermeskeil häufiger zur Androhung eines Selbstmordes oder sogar zum Versuch komme. Eine Androhung gebe es ein bis zwei Mal im Monat. Seit die Aufnahmestelle 2015 eröffnet wurde, habe es mindestens acht Suizidversuche gegeben.

Selbstanzündung in Hermeskeil

Am Mittwochnachmittag hatte sich ein Mann aus Aserbaidschan mit einer Flüssigkeit übergossen und angezündet. Nach SWR-Informationen sollte er in ein Flüchtlingslager nach Frankreich abgeschoben werden. Der Mann wurde schwer verletzt. Er wurde vom Rettungsdienst versorgt und anschließend in eine Spezialklinik gebracht. Sein Zustand ist weiterhin kritisch. Die zuständige ADD sprach von einer Verzweiflungstat.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Mann aus Aserbaidschan

Bewohner der Aufnahmeeinrichtung sagten dem SWR, der verletzte Mann sei 34 Jahre alt, stamme aus Aserbaidschan und habe dort eine Frau und zwei Kinder. Er sei vor drei Jahren nach Europa gekommen. Bevor er nach Hermeskeil kam, sei er in Frankreich untergebracht gewesen. Vor kurzer Zeit habe er einen Brief erhalten, in dem stand, dass er wieder nach Frankreich gebracht werden solle. Er sei deswegen verzweifelt gewesen.

Schock in der AfA

Die Menschen in der AfA seien schockiert von dem Vorfall, sagte ein Bewohner. Die zuständige ADD erklärte dem SWR, Seelsorger seien in der Einrichtung, um Asylsuchende und Mitarbeiter zu betreuen.

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