Training der Vollzugsbeamten in der JVA Wittlich (Foto: SWR, Susanne Blank)

Mitarbeiter trainieren Umgang mit Gewalt JVA-Beschäftigte in Wittlich fordern mehr Respekt

In der Justizvollzugsanstalt Wittlich trainieren die Beschäftigten verstärkt den Umgang mit gewalttätigen Häftlingen. Im Rahmen der landesweiten Aktion "Respekt. Bitte!" hat Justizminister Herbert Mertin (FDP) das Gefängnis besucht.

Anstaltsleiter Jörn Patzak sagte, dass der Großteil der Gefangenen den Beamten zwar mit Respekt begegne, es aber immer wieder zu Extremsituationen komme. "Die wenigen Fälle werden mehr", so Patzak. Die stärkste Waffe sei die Kommunikation. Doch bei einigen wenigen Gefangenen helfe auch Deeskalation nichts. "Bei drogeninduzierten Psychosen und Leuten mit ganz vielen Schwierigkeiten, da dreht der ein oder andere durch."

Absolute Routine ist wichtig

In solchen Fällen müssen alle wissen, was zu tun ist. Deswegen werden die Justizvollzugsbeamten immer wieder für Extremsituation geschult. Jens Conrad ist Einsatztrainer in der JVA Wittlich. "Ich muss eine gewisse Distanz haben und darf nichts an mich rankommen lassen", sagt Conrad. Bei den Bediensteten soll absolute Routine herrschen.

Einer, der den Mitarbeitern das beibringen soll, ist Psychologe John Klein. "Wir erleben hier Leute, die schwere Urteile bekommen, wir erleben, wie Familien in eine Krise kommen. Von daher müssen wir auf solche Situationen stets eine gute Antwort haben", erklärt Klein.

Training der Vollzugsbeamten in der JVA Wittlich (Foto: SWR, Susanne Blank)
Training der Vollzugsbeamten in der JVA Wittlich Susanne Blank

Die JVA-Beschäftigten werden daher auch in Gesprächsführung ausgebildet, damit sie auf die Menschen eingehen können. Trotzdem ist es natürlich für die Gefägnismitarbeiter verletzend, beschimpft oder angegriffen zu werden. Doch mit den negativen Gefühlen müssen sie umgehen können. "Wichtig ist, dass unsere Bediensteten den Respekt einfordern, aber auch den anderen respektieren in seiner Art. Wenn der im Moment einfach außer sich ist, dann ist das ein Zustand. Es geht darum, den anderen erst mal zu stabilisieren", sagt Psychologe Klein.

"Wir müssen Respekt fördern und nicht einfordern."

Psychologe John Klein

Erst, wenn alles nicht hilft, kommt es zu den heftigen Situationen, die die Mitarbeiter immer wieder trainieren. Auch wenn das immer häufiger vorkommt, macht Einsatztrainer Jens Conrad den Job gern. "Ich arbeite schon seit 22 Jahren in der JVA, ich habe bis heute noch keinen Tag bereut. Klar, Probleme treten auf, aber die treten in jedem Job auf", so Conrad.

Training der Vollzugsbeamten in der JVA Wittlich (Foto: SWR, Susanne Blank)
Im Gefängnis in Wittlich wird der Umgang mit Extremsituationen geübt Susanne Blank
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