EX-SPD-Chef Martin Schulz (Foto: picture-alliance / dpa)

Fliegerhorst in der Eifel Schulz fordert Atomwaffen-Abzug aus Büchel

Ex-SPD-Chef Schulz hat die Kanzlerin dazu aufgefordert, die in Büchel vermuteten US-Atombomben abzuziehen. Hintergrund ist die Absicht der USA, einen Abrüstungsvertrag zu kündigen.

Er habe das im vergangenen Bundestagswahlkampf als Kanzlerkandidat permanent thematisiert, dass es dringend einen Abzug der Atomwaffen aus dem Fliegerhorst in der Eifel brauche, sagte Schulz am Freitag in Berlin. "Frau Merkel hat darauf nicht reagiert in ihrer berühmten Strategie, alles zu ignorieren, womit man sich eine unangenehme Diskussion ins Haus holt." Nach unbestätigten Informationen lagern in Büchel bis zu 20 US-Atomsprengköpfe - die mutmaßlich letzten in Deutschland.

Schulz witzelt über Merkels "Positionsschrecksekunde"

Mit Blick auf die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, den INF-Abrüstungsvertrag aufzukündigen, forderte Schulz eine Positionierung Merkels zu den US-Atomwaffen - auch um Deutschland bei einer Eskalation vor einem Nuklearschlag zu schützen. "Aber bis Angela Merkel sich zu irgend etwas positioniert, dauert es lange. Die hat eine Positionsschrecksekunde von mehreren Tagen, Wochen und Monaten", sagte der Bundestagsabgeordnete.

Auch Beck und Scharping warnen vor neuem Wettrüsten

Am Samstag soll im "Tagesspiegel" ein Appell gegen ein neues Wettrüsten erscheinen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur haben diesen neben Schulz auch die früheren rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck und Rudolf Scharping (beide SPD) unterzeichnet. Weitere Unterstützer seien die ehemaligen SPD-Chefs Björn Engholm, Sigmar Gabriel, Franz Müntefering, Matthias Platzeck, Gerhard Schröder und Hans-Jochen Vogel. Unter kein-wettruesten.de werben die neun zudem dafür, sich ihrer Forderung nach einem neuen Anlauf zur Rüstungskontrolle anzuschließen.

USA werfen Russland Verstoß gegen INF-Vertrag vor

Der INF-Abrüstungsvertrag zwischen den Vereinigten Staaten und der damaligen Sowjetunion aus dem Jahr 1987 verbietet beiden Parteien den Bau und den Besitz landgestützter, atomar bewaffneter Marschflugkörper und Raketen mit einer Reichweite von 500 bis 5.500 Kilometern. Die USA werfen Russland seit längerem vor, mit der Entwicklung eines Marschflugkörpers mit dem Namen 9M729 gegen den Vertrag zu verstoßen.

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